Was vom Tage bleibt Am Frühstückstisch den Euro entmannt

Ein Ehepaar nimmt die europäische Währung auseinander. Die Sparkassen wollen nicht für Flüchtlinge zahlen. Ein Literaturpapst rezensiert den Ikea-Katalog. Was dieser Tag an News brachte, lesen Sie hier.
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Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Euro verfrühstückt

Ganz links und ganz rechts – das sind die zwei Pole in der Politik, die so weit auseinanderliegen, dass sie auf der anderen Seite schon wieder zusammenstoßen. Ganz rechts steht in Deutschland beispielsweise die AfD mit ihrer Euroskepsis. Ganz links finden sich die Genossen der Linken um Sahra Wagenknecht, die auch nichts mehr vom Euro halten. „Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert, sondern immer größere wirtschaftliche Ungleichgewichte erzeugt“, sagte Wagenknecht der Tageszeitung „Die Welt“. Wagenknecht-Partner Oskar Lafontaine stieß ins gleiche Horn. So weit, so erwartbar. Doch auch AfD-Chefin Frauke Petry, eine Gesinnungsgenossin in dieser Frage, sprang ihr sofort bei. Das ist kein Wunder und entkräftet nicht die Theorie der zusammenstoßenden Pole. Auch wenn Petry ihre Anti-Euro-Strategie mit Wagenknecht nicht am Frühstückstisch besprechen kann, sind sie sich manchmal näher als gedacht.

Früher Kino, heute Wahlurne

Die Griechen sollen mal wieder wählen, weil ihr Ministerpräsident, dem heute seine Partei zerfallen ist, nach neuen stabilen Mehrheiten fahndet. Richtig darauf freuen können sich griechische Bürger aber nicht, denn bei ihnen ist das Wählen mühsam: Ein jeder muss in seine Heimatstadt und dort sein Kreuzchen machen. Im Netz ergießt sich deswegen Spott über Herrn Tsipras, der schon wieder zu den Urnen ruft. Einer, der sich im Netz „The Coach“ nennt, meint: „Früher waren wir sonntags am Sportplatz, im Kino oder auf Ausflügen. Inzwischen wählen wir regelmäßig.“


Flüchtlinge gegen Eigenkapital

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und der Chef der Stadtsparkasse Arndt Hallmann zoffen sich darum, wie der Jahresgewinn der Kreissparkasse zu verwenden sei. Geisel will mehr Geld für die Stadt, Hallmann will das Geld lieber in der Kasse bunkern. Die Geisel-Haltung nimmt jetzt auch der niedersächsische Rechnungshof ein. Das Ganze hat das Zeug zum Flächenbrand. Denn es gibt zwei unversöhnliche Positionen: Die Bürgermeister, denen die Kosten davon laufen, weil sie Flüchtlinge einquartieren. Und die Sparkassen-Banker, die ihre Eigenkapitalvorschriften im Griff haben müssen. Rein menschlich gesehen haben die Bürgermeister die besseren Argumente.

Börsen-Gewitter

Crash an der Börse? Jahrestiefststand beim Dax? Wir Journalisten machen gern aus einem Blitzlicht ein Gewitter. Deswegen hier der Satz, den uns heute ein Börsenhändler zurief: So langsam, sagte er im Vorübergehen, erinnere ihn das Ganze an den letzten Herbst. Von knapp 10.000 Punkten beim Dax ging es da herunter bis 8300, das waren 17 Prozent. Dieses Jahr sind wir erst bei 13 Prozent, die es abwärts ging. Also bislang keine außergewöhnliche Großwetterlage an der Börse.

Film1

Das Bundesinnenministerium hat einen Kurzfilm produziert, um Menschen vom Westbalkan in tristem Ton und Bild die deutsche Paragrafenwelt zu erklären. „Menschen, deren Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde (...), müssen das Land nach den Vorschriften deutscher Gesetze wieder verlassen“, erklärt darin eine monotone Stimme, die je nach Zuschauer auf Deutsch, Albanisch, Serbisch oder Kroatisch eingestellt werden kann. Alle Abschiebe-Sequenzen sind bei Regen und Schnee gedreht. Die Menschen im Film tragen mit Vorliebe graue Trainingsanzüge. Der Film ist kein Kulturgut. Schon gar kein Willkommenskulturgut.

Film2

Hellmuth Karasek saß einst im „Literarischen Quartett“ und stritt sich über Werke der Hochkultur. Heute sitzt er im Auftrag eines schwedischen Möbelhauses im Sessel und rezensiert vor der Kamera das erfolgreichste Buch aller Zeiten: den neuen Ikea-Katalog. „Glück ist als Dauerzustand nicht vorgesehen“, zitiert Karasek im Sessel sitzend Sigmund Freud. Um dann den Ikea-Katalog dagegenzuhalten, aus dem er vorliest: „Glück ist, einen Beistelltisch zu haben.“ Zum Glück ist jetzt Wochenende.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Beistelltisch

Oliver Stock

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6 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Am Frühstückstisch den Euro entmannt"

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  • Nun ja. Ich glaube das missverstehen Sie. Es ging der Redaktion dabei ganz sicher nicht um Verhinderung der Pluralität der Meinungen, sondern wohl darum Kommentare zu unterbinden, deren Sachlichkeit, bzw. des Fehlens eben dieser, außer Frage steht. Beleidigungen gegen die Mitglieder des Bundestages und der Regierung, bei aller notwendigen Kritik, sind keine Meinung sondern Beleidigungen und unsachlich. Genauso sind mehr oder weniger primitive Beschimpfungen von Asylanten als Schmarotzer, Okkupanten, Dreck oder ähnliche schlicht und einfach niveaulos. Und so mancher wildgewordener Kommentator hat hierbei keine Grenzen mehr gesehen, so dass es nur zu begrüßen ist, dass die Redaktion das getan hat.

  • "Den Flüchtlingen sind unsere Bedürfnisse so lange egal, wie sie ihre eigenen sehr existenziellen Bedürfnisse nicht erfüllen können."

    Ach denen darf alles egal sein und wir müssen schlucken und schön die Klappe halten? Nein das wird nicht gut gehen!

    Natürlich hat sich die Einwanderung nach dem Bedürfnissen des aufnehmenden Landes zu richten. Alles andere endet nur im Chaos und in der Katastrophe!

  • << Echt, jetzt? >>
    "Da ist es ein Glück, dass AfD-Chefin Frauke Petry immerhin nicht darüber redet, jedenfalls nicht in Maischbergers Talkshow."
    Wieso soll das ein Glück sein?
    Soll die mühsam hergestellte Einheitsmeinung nicht in Frage gestellt werden?
    Oder fürchtet man Argumente und Blickwinkel, die die gegenwärtige Invasion in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen könnte?
    Demokratie kommt von demos kratein = Volksherrschaft und Parlament kommt von parlare = reden. Wenn sich immer nur die (fast) gleichen Leute beweihräuchern, dann kann nichts Neues, nichts Fruchtbares entstehen - und genau DAS brauchen wir, wenn wir am Ende dieses Jahres mit einer Million unbearbeiteten Asyl- und Flüchtlings-Anträgen da stehen.
    Geade eine Wirtschaftszeitung sollte doch verstehen, dass der Flüchtlingsstrom massive finanzielle und wirtschaftliche Konsequenzen hat. Und da ist Frau Dr. Petry, AfD, sicherlich kompetenter als der Schauspieler Til Schweiger oder der ebenfalls eingeladene Krankenpfleger mit afghanischen Wurzeln. Frauke Petry aus zu laden war jedenfalls ein Fehler und ein demokratisches Armutszeugnis dazu!
    Reinhard "Hardy" Rupsch, Münster i.W.

  • Ich darf daran erinnern, dass das Handelsblatt diesen "Selbstbetrrug" in großem Maße aktiv unterstützt hat. Sich nun als "Sittenwächter" hinzustellen und die Politik zu maßregeln, die man mit einem Aufruf im Handelsblatt selbst unterstützt hat, ist schon sehr befremdlich !
    Hier nun der Artikel/Aufruf des Handelsblatts damals !

    Handelsblatt-Aktion vom 03.05.2010
    Wir kaufen griechische Staatsanleihen!

    EINE AKTION DES HANDELSBLATTS am 03.05.2010 !!!

    „Ich kaufe zum ersten Mal in meinem Leben Staatsanleihen – und zwar griechische“, sagt der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel. Warum ein Zeichen der Solidarität mit Griechenland genau in diesem Moment notwendig ist, erklären der SPD-Politiker und andere Unterstützer der HANDELSBLATT-AKTION, darunter Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer.

    Am Freitag habe ich daher für 5000 Euro griechische Staatsanleihen geordert (Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt)

  • Das fand ich bei einem anderen Beitrag:
    "Aufgrund von zu erwartenden Verstößen gegen unsere Netiquette sahen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion für diesen Artikel einzufrieren. Kommentieren ist damit nicht möglich. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis."

    Ist das nicht witzig?
    Wir wissen was wir hier für'n Müll gemacht haben und verhindern vorsorglich, dass uns jemand auf die Füsse tritt.

  • Nunja: auch Pöbel wirkt mitunter globalisisert.
    Dass aber eine zusehends nebulöser wirkende "Mitte" auf "besorgte Demokraten" machen will, wird wohl als politische Pleite der Regierung in Berlin betrachtet werden können; sowenig sie auch damit zu tun haben will, dass Austerität halt auch ihren Preis haben könnte.
    Wie unvorbereitet man in Berlin auf so etwas wirkt zeigt, welch schlichte Vorstellungen von Globalisierung auch heute noch selbst in Berlin zu pflegen scheint.
    Man wünscht der Bundesregierung eine gute Hand angesichts dessen, was ihr da grad um die Gremien geschlagen zu wirken scheint.

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