Was vom Tage bleibt Goldverfall ruiniert fast die Nationalbank

In der Schweiz tut sich einiges: Der Verfall des Goldpreises belastet die Nationalbank, Deutsche werden manchmal schief angesehen und unsere Kanzlerin dort gestürzt. Dies und was sonst geschah, steht im Tageskommentar.
8 Kommentare
Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Gold ruiniert fast die Schweizer Nationalbank

Es sind wenige Zeilen, die von der Schweizerischen Nationalbank heute verschickt wurden. Doch sie haben es in sich: Die Zentralbank kündigt an, für 2013 einen Verlust von etwa neun Milliarden Franken eingefahren zu haben. Hauptgrund ist der Absturz des Goldpreises. Von dem Metall horten die Schweizer jede Menge. Dass die Bundesbank kein ähnliches Schicksal ereilt, liegt lediglich daran, dass sie den Goldbestand immer zum Einkaufspreis in ihren Büchern führt. Bei ihr macht sich der Preisverfall damit nicht im Gewinn bemerkbar – was nur geringfügig besser ist.

Wie viele Deutsche sind verträglich?

Vielleicht sind die Schweizer deswegen sauer auf unser Rechensystem. Wahrscheinlich aber ist es die regelmäßig hervorbrechende Phobie gegen den großen Nachbarn: Was an deutschen Stammtischen Bulgaren und Rumänen sind, das sind in der Schweiz wir Deutsche. Wir müssen als Buhmänner für Zuwanderungsdebatten herhalten. Gern wird zwischen Bern und St. Gallen die Frage erörtert: „Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz“ Sie ist Teil eines heftigen Streits um die Initiative der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei „gegen Masseneinwanderung“, über die im Februar abgestimmt wird. Ob unsere Nachbarn wissen, dass sie die Präsidenten der UBS, von Roche und auch von ABB gleich mit rausschmeißen müssten, wenn sie die Deutschen nicht mehr wollen?

Achtung Bauernfänger!

In Europa trage eine „fatale Mischung aus Technokratie und Pathos“ dazu bei, dass die Menschen den Eindruck hätten, wichtige Themen würden in Brüssel nicht wahrgenommen. Dies wirke sich wie ein Konjunkturprogramm für „Bauernfängerparteien“ wie die AfD in Deutschland aus. Der das sagt, ist FDP-Chef Christian Lindner. Unabhängig davon, ob er recht hat oder nicht - er muss das sagen: Denn gäbe es die AfD nicht, säße Lindner heute nicht als Chef einer regionalen kleinen Partei beim Dreikönigstreffen seiner Gruppe in Stuttgart, sondern er wäre der führende Kopf einer Regierungspartei.

I like Amazon

Bai Amazon haben 1018 Mitarbeiter in Leipzig und Bad Hersfeld eine Petition unterschrieben, mit der sie – nein, nicht gegen ihren Arbeitgeber – sondern gegen die Gewerkschaft Klage führen, die sie vertritt. „Von den derzeitigen Zielen, Argumenten und Äußerungen der Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über uns verbreitet werden“, wollen sie sich distanzieren. Das von Verdi erweckte „negative öffentliche Bild“ verfolge sie „bis ins Privatleben“. Die Darstellungen der Gewerkschaft entsprächen „nicht der Realität und nicht unserem täglichen Arbeitsleben“. Als nächstes sollten T-Shirts mit der Aufschrift „Pro Amazon“ bedruckt werden. Unerhört, finden das die Gewerkschaftsfunktionäre. Ihre Recherchen hätten ergeben, dass die Unterzeichnung des Aufrufs „unter Aufsicht des Managements“ passiert sei. Schlimm? Nein. Ich gehe davon aus, dass die Streiks bei Amazon auch unter Aufsicht der Gewerkschaft geschehen sind.

Home Office für Merkel

Und zum Schluss nochmal die Schweiz: Angela Merkel muss sich nach einem Sturz während ihres Skiurlaubs in der Schweiz für mehrere Wochen schonen. Wegen eines Bruchs des Beckenrings sagte sie mehrere Termine und Reisen ab, darunter auch einen Besuch in Polen. Auch die für Freitag und Samstag geplante Klausurtagung der CDU im thüringischen Erfurt wurde abgesagt. Den Großteil der Arbeit will die 59-Jährige die nächste Zeit von zu Hause aus erledigen. Home Office statt Regierungsbank also. Was sind wir froh, eine Kanzlerin zu haben, die nicht im Abfahrtslauf die Berge hinunterprescht, sondern der sowas beim Langlauf passiert. Wer langsam vorangeht, stürzt niemals lebensgefährlich. Merkels Lebensmotto hat Deutschland vor einer Krise bewahrt.

Lassen Sie uns Ihr gute Besserung und uns einen unfallfreien Abend wünschen

Oliver Stock

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8 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Goldverfall ruiniert fast die Nationalbank "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Schweizer Nationalbank hat ein prima Geschäft mit dem Gold gemacht. Nur haben die Schweizer sich immer die Buchgewinne ausgezahlt.

    Das dann nach nach 13 Jahren mal ein Buchverlust auftritt ist eben Pech aber kein Beinbruch.

    Der Herr Oliver Stock macht sich immer seine eigene Wahrheit. Auch eine Kunst :)

    Er wäre sicher auch ein prima Politiker geworden :)

  • Als der Goldpreis in den vergangenen Jahren stieg, haben die Schweizer - obwohl ansonsten solide wirtschaftend - die nicht realisierten(!) Buchgewinne der SNB völlig regelwidrig bilanziert und an die Kantone ausgeschüttet. Jetzt ist natürlich der Katzenjammer groß. Mitleid muß man allerdings nicht haben, sie werden's überleben.

    Gold ist keine Handelsware, man hat es und vergißt es. mondahu macht es wie die BuBa und hält sich an den Beschaffungswert. Und da kann er nur schmunzeln über das gegenwärtige Getöse um den Goldpreis und weiter ruhig zuwarten.

    Zu den beiden prominenten Skiunfällen: Wenn man auf Skiern steht, gelten andere Meriten, Lorbeeren, Fähigkeiten etc nichts mehr. Dann zählt nur Bergkenntnis, Kondition und Fahrtechnik. Beide haben das vielleicht nicht voll realisiert und sich übernommen. Kommt öfters vor. Gute Besserung für die Blessuren und die Mentalität.

  • Klingt absolut logisch und seriös, wenn man sich die Zahlen über in verschiedenen Zeiträumen anschaut. Hier wird objektiver und investigativer Journalismus gepflegt.

    Gold 31.12.2001: 278 USD pro Unze
    Gold 31.12.2011: 1' USD pro Unze (+332%)

    Gold 31.12.2001: 278 USD pro Unze
    Gold 30.12.2012: 1'660 USD pro Unze (+497%)

    Goldpreis zum 01.01.2004: 400 USD pro Unze
    Goldpreis zum 01.01.2014: 1'200 USD pro Unze (+200%)

    Gold 27.06.1834: 20,7 USD pro Unze
    Gold:11.07.2011: 1'900 USD pro Unze (+8948%)

  • Herr Stock hasst Gold wie die Pest.

    Für ihn ist das Metall "so produktiv wie ein
    Igel im Winterschlaf."
    Verbalakrobatik war sein Lieblingsfach auf
    der Journalistenschule - jede Klausur mit
    - - sehr gut - -.

    Nun hätte seiner Ansicht nach der unproduktive
    Geselle sogar beinahe die Schweizer Nationalbank
    zerlegt.
    Auch Winterschläfer entwickeln manchmal
    ungeahnte Qualitäten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Zum Thema Gold: Dass Sie Herr Stock eine vehemente Abneigung (aus welchem Grund auch immer) gegen Gold haben, ist ja mittlerweile allseits bekannt. Aber bleiben Sie doch bitte bei den Fakten und legen Sie die Meldung der schweizer Notenbank nicht zu Ihren Gunsten aus.
    Wenn die schweizer Notenbank nach IAS 39 bilanzieren würde, wären die in der Vergangenheit angefallenen Wertzuwächse erfolgsneutral über die Neubewertungsrücklage abgerechnet worden. Stattdessen hat man Buchgewinne "verfrühstückt" und muss nun die entsprechenden Verluste hinnehmen. Insgesamt ist das aber ein Nullsummenspiel.
    Ihr Vergleich mit der Bundesbank hinkt gewaltig. Der durchschnittliche Einkaufspreis der Goldvorräte der Bundesbank liegt bei 73,50€ je Unze, der aktuelle Kurs bei 910€. Die stillen Reserven der Bundesbank sind also beträchtlich. Würde es hingegen nach Ihnen gehen, hätte man das Gold schon vor Jahrzehnten verkauft, zum Gegenwert eines nicht nachhaltigen Wahlgeschenks.

  • Was Herr Seibert mitteilt, ist nicht unbedingt richtig. Ich kenne diese Loipe. Auf der gasamten Strecke ist immer mal wieder etwas Alpin-Ski-Erfahrung von Vorteil. Plötzlich geht es zwar kurz, aber ganz schön bergab, oft danach gleich wieder im Tannenzweig-Stil nach oben. Hier spaziert man nicht einfach so geradeaus vor sich hin. Ich wünsche unserer Kanzlerin gute Genesung und den Mut, fast alle Präsenz-Termine abzusagen.

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