Was vom Tage bleibt Thilos Tabus

Ex-Bundesbankvorstand Sarrazin stürmt nach bewährter Methode auf die Bestsellerplätze. Und Zuckerberg handelt mit Tomaten, glaubt die Börse. Der Tagesbericht.
14 Kommentare
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mit Grass auf die Insel

Mein Kollege hat es vorhin so gesagt: „Was Thilo Sarrazin mit dem Kopf aufbaut, reißt er mit dem“, hier zitiere ich nicht wörtlich, „Hinterteil wieder ein.“ Ich gehöre nicht zu denen, die sein Buch zum Leben ohne den Euro bereits in die Hand genommen haben. Die, die das Vergnügen hatten, versichern, es stecke voller nachvollziehbarer Fakten, sei aber ungenießbar scharf gewürzt mit unappetitlichen Vergleichen wie dem, dass die Zahlungsbereitschaft der Deutschen für den Euro etwas mit der „Buße für Holocaust und Weltkrieg“ zu tun habe. Für mich ist der Mann ein kalkulierter Tabubrecher. Vielleicht lädt Günter Grass ihn mal für eine Woche auf eine einsame Insel ein und die beiden knobeln eine neue Strategie aus, wie sie ihre Werke unters Volk bringen können.

Buffett schlägt Zuckerberg

Facebook lernt eine neue Richtung kennen. Sie heißt: nach unten. Um mehr als zehn Prozent brach der Kurs der jungen Aktie heute ein. Hat Zuckerberg mit Tomaten gehandelt? Nein. Die Chancen und Risiken von Facebook liegen auf dem Tisch. Es ist nur eben so, dass mal wieder gilt, was Warren Buffett sagte. Auf seiner jüngsten Pilgerveranstaltung in Omaha hat er es als "dümmlich" bezeichnet, Aktien am Tag der Erstnotierung zu kaufen. Dass sie dann aus Käufersicht den richtigen Preis hätten, sei extrem unwahrscheinlich. Der Mann hat recht. Wie immer.

Bauch gegen Kopf

Die Weisheit gilt übrigens noch mehr bei einem Börsengang, der sich abzeichnet, wenn die Nachrichtenagentur Bloomberg Recht hat. Sie glaubt, und hat dafür ihre Quellen, dass die Formel Eins in Startposition an der Börse in Singapur steht. Bis zu drei Milliarden Dollar sollen dabei herausspringen. An alle die Benzin im Blut haben: Halten sie sich beim Aktien ordern zurück! Sport und Geschäft geht selten gut. Das liegt daran, dass beim einen der Kopf und beim anderen der Bauch entscheidet.


Die Herren Aufsichtsräte

Runter kommen wir immer, wissen Flugkapitäne. Die Bruchpiloten vom Berliner Hauptstadtflughafen wollen das nicht glauben. Nachdem Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit vergangene Woche einräumte, dass sich die Eröffnung nicht um ein paar Wochen sondern gleich um knapp ein Jahr verzögert, räumte heute Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ein, dass das neue Terminal mit 1,22 Milliarden auch doppelt so teuer wird wie gedacht. Die beiden Herren sitzen übrigens im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Irgendwann müssen sie runterkommen diese Aufsichtsräte und uns erklären, wo sie waren, als sie Aufsicht führen sollten.

Wenn die Mutter Probleme macht

Wer gedacht hat, heute entscheidet sich die Zukunft des Opel-Werks in Bochum war blauäugig. Sie bleibt weiter ungewiss. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke konnte auf einer Betriebsversammlung nur versichern, dass er bis Ende 2014 geltenden Verträge zur Standortsicherung für Opel-Werke in Deutschland einhalten wird. Das Problem der Opelaner ist die Konzernmutter in Detroit. Sie will schwarze Zahlen sehen, erlaubt dem Konzern aber nicht, dahin zu expandieren, wo die Konkurrenz Erfolge feiert. Solange Opel künstlich klein gehalten wird, nimmt das Sterben auf Raten kein Ende. Saab läßt grüßen.

Das Leben ist Hertha

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat entschieden, dass das Relegationsspiel zwischen Berlins Hertha und Düsseldorfs Fortuna trotz chaotischem Spielverlauf nicht wiederholt wird. Düsseldorf hat also gewonnen und es gilt: Die erste Liga ist hart, die zweite Liga ist hertha.

Nehmen Sie es nicht zu hart heute Abend

Oliver Stock

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14 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Thilos Tabus"

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  • Es ist erstaunlich wie Sozen versuchen gegenseitig die Trommel zu schlagen.

    Sarrazin um sein Buch zu verkaufen und Steinbrück einen Vortrag für 20.000 Euro an Land zu ziehen.

    Das ist unterste Schublade, was die beiden da mal wieder abgezogen haben.

    Wären beide ethisch und moralisch nicht so verbrannt, könnte man ja über das was sie so von sich geben einmal nachdenken. Da sie sich mit früheren Äußerungen bereits außerhalb der Gesellschaft gestellt haben, darf man ihre geistigen Winkelzüge nicht mehr als deren eigene Meinung fehlinterpretieren. Das ist alles nur um in die Medien zu kommen und die eigene "Mark" zu kassieren.

    Wie bereits geschrieben: Unterste Schublade!

  • ich bin ihrer meinung und folglich geht daraus hervor: banken verstaatlichen, abschreiben (volkswirtschaftlich gezielt oder pauschaler bruchteil für alle), exzellente sannierer aus der realwirtschaft rein und aufräumen, rekapitalisierung "aus der dünnen luft". und weiter die wesentlichen probleme der menschheit und der "mutter erde" angehen.
    ps: und was die ezb angehen, denn wie sagte noch der freie geist und "der exzellenteste bänder der moderne" a. rothschild: "Gib mir die Kontrolle über die Währung (Geld) einer Nation und es interessiert mich nicht wer die Gesetze macht!"
    was für ein liveau hat dieses land bekommen! Das mann/frau so was sagen muss. es baucht eines richtigen luthers!

  • die Kommentarfunktion zum Bericht über Sarrazin war ausgeschaltet und auf Nachfrage beim HB warum, erhält man keine Antwort. Ist schon irgendwie verdächtig komisch !

    wie auch in anderen Beiträgen ausgedrückt, fürchtet man wohl eine mehrheitliche Zustimmung. Ich habe die Sendung mir angesehen und zusätzlich aufgezeichnet, dann sieht man vielleicht in einiger Zeit, wohin die Reise gegangen ist und wer Recht hat.

    Das "Publikum" bei Jauch war wohl handverlesen, fast auschliesslich Claqueure für Steinbrück, der wie aufgezogen immer denselben alternativlosen Müll laberte. Ich glaube nicht, daß er an Wertschätzung gewonnen hat.

    Es ist schade, daß der ESM nicht zur Sprache kam, seine Rechtmäßigkeit, seine Konsequenzen, keine Frage zum Demokratieverständnis der Parteien, daß wir Bürger in den wichtigen Fragen entmündigt werden und mehr oder weniger offen als zu blöde betrachtet werden.

    Es wird höchste Zeit, daß die selbstverliebten Politiker aller Parteien aus ihrem Elfenbeinturm herausgezerrt werden
    und zur Rechenschaft gezogen werden.

  • Das Sarrazin mit "gewissen spitzen Formulierungen" Aufmerksamkeit sucht, mag vielleicht sein. Aber das ändert nichts an der Tatsache, das er leider der EINZIGSTE (!) echte Geselslchaftskritker des heutigen Deutschlands ist, der die Dinge auf den Punkt bringt. Wir brauchen Menschen, welche echte Systemkritk üben, weil in jedem System (egal ob Familie, Firma, Partei oder Gesellschaft) Dinge schief laufen und wenn diese Dinge nie angesprochen werden können sie auch nicht verbessert werden. Das erfodert immer Mut, weil damit auch Persönlichkeiten kritisiert und in Frage gestellt werden. Aber anders geht das nicht.
    Eine Firma, wo Probleme nicht angesprochen werden, geht irgendwann mal pleite. Deshalb müssen Problemfälle auf den Tisch und es muss Klartext geredet werden. Im Interesse der ganzen Firma.
    Mit Deutschland als Land ist das nicht anders. Und wenn dann denjenigen, der dazu den Mut hat - selbst wenn er einige ungeschickte Formulierungen benutzt - als Populist beschimpft, dann ist das sehr unklug. Mutige Menschen muss man loben und nicht beschimpfen.

  • Wer ist Steinbrück?
    Sarazin hat doch überwiegend recht.
    Der Euro war das Werk von Profilneurotikern, zum Schaden
    der Völker Europas. Die sogenannte Elite und die mit Ihnen
    unter einer Decke steckenden Kasten haben doch mehr als
    üppig profitiert und das Volk verschauckelt.
    Jetzt wird der Souverän als Pöbel tituliert.
    Wenn Steinbrück - der fünf Jahre - bis zum Schulabschluß
    benötigte hier den überhellen und allwissenden Matador
    raushängt, dann doch nur weil er von diesem perfiden
    System profitiert. Ernennt ihn zum "General", damit er
    weiteren vorbildlichen Staaten -wie der Schweiz- drohen
    kann. Kanzler wird der hoffentlich nie.

  • Genau,

    die Meinungsfreiheit wird also doch zensiert!!!!!!!!!
    Er hat Recht, und wie ich finde bei weitem einen besseren Eindruck gemacht als Steinbrück!
    Außer "Warnungen" das es Dominoeffekte gibt kommt nix neues!
    Fakt ist: die Mehrheit der Deutschen will bestimmt keine Eurobonds oder mehr Sozialkürzungen um den Griechen zu helfen!

  • @1444057
    Das muß man verstehen - das Forum wäre wahrscheinlich vor lauter Zustimmung zu den Thesen Sarrazins übergelaufen.
    Ein Auszug aus dem sog. Dossier:
    "Volker Beck: Das ist beidseitig schäbig und im Fall von Günther Jauch eine große Verschwendung von GEZ-Mitteln.“ Jauch habe damit den Bildungsauftrag des öffentlich rechtlichen abgeschaltet."
    Richtig muß es heißen:
    Jauch habe damit den Volksverblödungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abgeschaltet.

  • @R.Rath
    Auch "nett" das Plakat, das neben dem besagten kurz zu sehen war "Deutschland, halt´s Maul"
    Offizielle Juso-Politik?

  • War, wenn sich die Jusos mit einem Plakat vor den Gasometer aufstellten, wo das Streitgespräch Sarrazin-Steinbrück stattfand und auf diesem Plakat stand "Halt´s
    Maul Sarrazin, oder wir schlagen zurück.", ein Tabubruch oder eher keiner, obwohl man solche Sprüche eigentlich nur aus der Weimarer Republik von den Nazis kannte?
    Schwer zu beurteilen. Ich glaube es war eher kein Tabubruch, denn die Jusos und Teile der SPD, deren Mitglied Sarrazin immerhin ist, sind so.

  • Sarrazin geht gewohnt provokant vor. Aber im Grunde genommen finde ich es sogar gut, das er gewisse Vergleiche und Verbindungen mit der Vergangenheit herstellt. Und zwar deshalb weil sie zuviel Wahrheit enthalten.
    Das wirklich ärgerliche ist die Ignoranz mit der das Tabu verteidigt wird, obwohl es geschichtsfälschenden Karakter besitzt (weil es eine Diskussion über unbequeme Ursachen verhindert). Aber es reicht um das Hirn bei den Betroffenen reflexartig auszuschalten und die Diskussionen zum Wesentlichen zu verweigern.
    Das Sarrazin dazu in seinen jeweiligen weiteren Ausführungen dann noch zu schlampig und ungenau ist, und damit den Ignoranten die Munition liefert ihn mit dummer Arroganz zu ignorieren macht die Sache auch nicht besser.

    Jedenfalls sollten wir ernstlich darüber nachdenken wieviel unterwürfiges mea culpa in unserer Haltung zu Europa und dem Euro enthalten ist und die grundsätzlich vernünftigen Ziele überlagert bzw. sogar schädigt.
    Ich bezweifle jedenfalls mittlerweile, dass Deutschland als soziales Gemeinwesen vom EURO in seiner aktuellen Ausgestaltung profitiert.
    Es zwingt uns vor allem unsere gesellschaftlichen Stärken zugunsten des niedrigerer EU Standards aufzugeben.
    Der Schaden mag rein volkswirtschaftlich nicht direkt spürbar sein, sogar kurz- und mittelfristig gewinnträchtig bleiben. Aber die Krise hat mich vollständig davon überzeugt, dass der EURO übereilt und deshalb ein katastrophaler Fehler zu werden droht.
    Es stellt sich allerdings die Frage, ob wir das überhaupt noch beeinflussen können.

    H.

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