Was vom Tage bleibt Wahllust

Ganz subjektiv aufgeschrieben: Was Sie von den Parteien erwarten dürfen, wenn Sie am Sonntag Ihr Kreuz machen. Zwischen "Weiter so" und "alternativlos" ist alles dabei. Ein Überblick.
18 Kommentare
Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Weiter so

Gehen wir sie mal durch, die Parteien und ihre Kandidaten. Ganz subjektiv: Merkels CDU setzt auf ein "Weiter so". Ganz schlecht gefahren sind wir mit der Kanzlerin nicht, ihre Mischung aus Beharrlichkeit und Sachverständnis hat uns wirtschaftlich zum erfolgreichsten Land Europas gemacht. Es hat dazu beigetragen, die europäische Union zu erhalten und die finanziellen Belastungen aus diesem Bündnis bisher erträglich zu halten. Wäre da nicht diese Ahnung, dass nicht Merkels Politik, sondern Schröders Reformen die Quelle des heutigen Wohlstands sind - die Amtsinhaberin hätte einen Bonus verdient.

Mehr Staat

Die SPD von Steinbrück und Gabriel will einiges anders machen. Ihr Programm heißt: mehr Staat. Der Staat setzt einen flächendeckenden Mindestlohn fest. Er mischt sich in den Wohnungsmarkt ein und begrenzt die Mieten. Er regelt unsere Krankenversicherung und sagt uns, wann wir aufhören sollen zu arbeiten. Alle Ideen, die Geld kosten, sollen durch höhere Steuern gedeckt werden, die den Gutverdienenden abverlangt werden. All das ist das Gegenteil von den Schröderschen Reformen, die Steinbrück einst vehement unterstützte. Steinbrück wäre ein gewendeter Kanzler, wenn er sie sich wirklich zu eigen macht. Macht er es nicht, ist er für die SPD der Falsche.

Abgegriffen

Auch die Grünen verteilen um, noch ein bisschen rabiater als die SPD, und es geht noch mehr in Bildung, Erziehung und öffentlichen Verkehr. Sie brauchen also noch mehr Geld. Deswegen müssen sie sich mit dem Argument auseinandersetzen, dass Deutschland schon jetzt so hohe Steuereinnahmen wie niemals zuvor erzielt. Dass der Staat offenbar kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem hat. Ihr Kernthema, die Umweltpolitik, ist den Grünen genauso abhanden gekommen, wie ihre Spontanität und das Erfrischende, das ihr Personal einst ausstrahlte. Sie kommen mir vor, wie ein oft gelesenes Buch: Inhalt bekannt, etwas abgegriffen, es wäre schön, wenn der Autor mal eine Fortsetzung liefern würde.

Strohhalm gesucht

Die FDP ist bei den vergangenen Wahlen als Tiger gestartet und nach ein paar Wochen als Bettvorleger gelandet. Überzeugende Liberale sehen anders aus. Sie sehen aus wie Lord Dahrendorf und nicht wie Rainer Brüderle. Sie sehen aus wie Hans-Dietrich Genscher und nicht wie Guido Westerwelle. Oder sie treten auf wie Graf Lambsdorff und nicht wie Philipp Rösler. Wo keine Schwergewichte sind, gibt es auch keine schwerwiegenden Positionen. Immerhin: Soli weg, Betreuungsgeld abschaffen - ein paar Strohhalme zum Festhalten haben die, die die Liberalen nicht nur aus Mitleid oder Mehrheitsbeschaffer der Union wählen wollen.

Die Gespaltene

Ist mit der Linken ein Bundeswehreinsatz im Ausland zu machen oder nicht? Haben Banken ein Geschäftsmodell, wenn die Linke mitregiert oder bleiben nur noch Sparkassen übrig? Ist sie die große Geldausgeber-Partei und besorgt sich die Grundlage für ihre Wohltaten bei den Gutverdienenden oder schafft sie es, ein System mit Leistungsanreizen zu erhalten? Keiner weiß es, Gregor Gysi sagt etwas anderes als Sahra Wagenknecht.

Die Alternativlosen

Ein Thema, ein Mann, ein Problem: Die AfD befürwortet Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Euro. Mit einem anderen Thema identifiziert sie niemand. Ihr Personal besteht aus Professor Lucke, Professor Lucke und nochmal Professor Lucke. Wer weder das Thema noch den Kandidaten mag, braucht sich nicht weiter mit dieser Alternative zu beschäftigen.

Nichts dabei für Sie? Machen Sie es einfach wie bei der Wohnungssuche oder dem Gebrauchtwagenkauf: Wenn das Bad mal kein Tageslicht hat, oder die Lackfarbe nicht passt, kann es immerhin sein, dass eine Sonnenterasse oder ein flotter Motor locken. Machen Sie Kompromisse und gehen Sie wählen.

Ein spannendes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Startseite

Mehr zu: Was vom Tage bleibt - Wahllust

18 Kommentare zu "Was vom Tage bleibt: Wahllust"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zitat:
    Ihr (AfD) Personal besteht aus Professor Lucke, Professor Lucke und nochmal Professor Lucke.
    Zitatende

    Und das Personal der CDU besteht nur aus der Physikerin Dr. Merkel, Dr. Merkel, ..., und nochmals Dr. Merkel!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • https://www.youtube.com/watch?v=eewLb9UVyXo
    NICHT GEBOREN UM ZU GEHORCHEN

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Um Gottes Willen, Herr Sock: gibt's denn nichts anderes als WEITER SO --- MEHR STAAT --- ALTERTNATIVLOS ???

    Doch es gibt den richtigen Kurs: WENIGER STAAT, REFORMEN und MASSIVE SENKUNG der STAATSQUOTE !!!

    Daran sollten wir alle am 22. 9. denken und die PARTEI der VERNUNFT wählen, die als EINZIGE für WENIGER GÄNGELUNG der Bürger eintritt und durch weniger Staat auch in der Lage ist, STEUERN MASSIV zu SENKEN !!!

  • Was kann ich von einem Redakteur, und erst recht von einem Chefredakteur erwarten, wenn dieser über Parteien schreibt? Dass er deren Wahlprogramm kennt. Der Chefredakteur des Handelsblatt kennt anscheinend das Wahlprogramm der AfD nicht oder will es nicht kennen. Die AfD hat Positionen im Wahlprogramm zu Wirtschaft, Familie, Erziehung, Bildung, Zuwanderung, Energiepolitik und weitere. Genauso wie die etablierten Parteien. Die AfD ist eine Partei der bürgerliche Mitte. Und besteht neben Hr. Prof. Lucke noch aus weiteren Personen an der Parteispitze. Ich nenne hier nur die Namen Petry/Gauland oder Starbatty. Diese hatten im Wahlkampf ebenfalls öffentliche Auftritte. Das weiß man, wenn man sich mit der Partei näher beschäftigt hat. Und eine Zeitung wie das Handelsblatt MUSS das wissen. Jetzt immer noch zu behaupten, die AfD wäre eine Ein-Themen-Partei und bestünde nur aus Prof. Lucke, zeugt von einer erschreckenden Unkenntnis von Hr. Stock bzw. des Handelsblattes. Und woher nehmen Sie das Wissen, jeder identifiziere die AfD nur mit dem Thema Euro und Prof. Lucke? Das ist eine bloße Behauptung. Die Bürger sind wesentlich klüger, als Sie meinen. Der Chefredakteur einer so renommierten Zeitung sollte besser recherchieren und neutraler berichten können. Dieser Artikel ist schlecht recherchiert und einseitig geschrieben. Das können Sie doch besser, Hr. Stock, oder?

  • Gott, wie peinlich.
    Man erwartet eine Empfehlung und liest so billige Polemik.
    Warum diese Meinungsmache, Herr Stock?

    Aber ja, mir hilft dann am Ende dieser Artikel doch, um meine Entscheidung jetzt endgültig festzuzurren: am Sonntag wähle ich die AfD. Schon um den Eindruck zu vermeiden, dass ich derart verblödet bin, wegen eines so billig gemachten Artikel das eigene Denken einzustellen . Danke!

  • Billig - billiger - Handelsblatt!!!

    Man, was ein schwacher Beitrag. Soll der etwas helfen, eine Wahlentscheidung zu treffen? Oder war dies wieder nur ein Lückenfüller? Ihr könnt noch so polemisch über die AfD schreiben, sie wird es definitiv in den Bundestag schaffen. Und das ist gut so!!!
    Delling und Netzer würden jetzt über das Handelblatt sagen: Ein noch tieferer Tiefpunkt des Journalismus.

    Viele Grüße an alle AfD-Wähler!!!

  • ...und sei es Lucke, der mit der Ahnungslogikeit seiner Klientel munter herumspekuliert.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%