Weimers Woche Alternative gegen Deutschland

Die „Alternative für Deutschland” mischt den langweiligen Wahlkampf auf. Das bürgerliche Lager wird nervös. Denn was Steinbrück nicht vermag, ist den Eurokritikern zuzutrauen: Merkels Wahlsieg ernsthaft zu gefährden.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Linke beschimpft sie als rechts-reaktionär. Die Liberalen diffamieren sie als nationalistisch. Die Union verfemt sie als verantwortungslos, Grüne witzeln über „deutschtümelnde Protest-Professoren” und Piraten versuchen sie als „D-Mark-Opas” abzustempeln. Die neuen Eurokritiker „Alternative für Deutschland” (AfD) provozieren das parteiliche Establishment und haben binnen weniger Wochen die politische Szenerie aufgemischt.

Mit erstaunlichem Zulauf und einem gewaltigem Medienecho sammelt sich eine zutiefst bürgerliche Protestbewegung, wie sie Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hat. Frustrierte Konservative, die sich über die Sozialdemokratisierung der CDU ärgern, treffen auf Deutschnationale, Europaskeptiker und Wirtschaftsliberale, die den europäischen Schuldensozialismus heraufziehen sehen. Dazu gesellen sich Protestwähler mancher Couleur und all die, die der repressiven Korrektheit und dem politischen Gleichsprech endlich einmal den diskursiven Ungehorsam zeigen wollen.

Die „Alternative für Deutschland” hat dabei drei Vorteile, die aus dem Nischengeraune rasch eine Massenbewegung machen könnten: Erstens vertritt sie mit der Euro-Kritik ein wichtiges, brisantes Thema, das in Deutschland 20 bis 30 Prozent der Wähler unmittelbar anspricht. Die Tabuisierung der grundsätzlichen Eurokritik bei den jetzigen Bundestagsparteien verschafft ihr eine Ventilfunktion für Sorgen, die von den klassischen Parteien nicht adressiert werden, aber massenweise in der Gesellschaft vorhanden sind. Zweitens hat die neue Partei ein verblüffend seriöses Spitzenpersonal. Ein Kreis von Professoren, Wirtschaftswissenschaftlern und Publizisten bilden den akademischen Kern in einer zutiefst bürgerlichen Formation, der verhindert, dass die Partei in Extremismus oder Klamauk abgleitet.

Alle Versuche, die AfD in eine rechtsextreme oder unernste Ecke zu stellen, dürften daher scheitern und die Bewegung gerade wegen ihres Eintretens für politische Unkorrektheit eher stärken. Der dritte Startvorteil liegt in der grundsätzlichen Bereitschaft großer Wählergruppen kurzerhand einmal etwas ganz Neues zu wählen. Wie beim Piratenboom vor Jahresfrist können daher auch hier plötzlich erdrutschartige Wählervoten entstehen.

Diese Umstände führen dazu, dass insbesondere bei Union und FDP die Nervosität von Tag zu Tag wächst. Man spürt, wie es im eigenen Lager rumort. Manches erinnert an die Absetzbewegungen von klassischen SPD-Wählern hin zur WASG-Linkspartei während der Agendapolitik. Und ähnlich wie damals könnten auch diesmal die Protestbewegten genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich wollen.

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Die Prozente der AfD könnten Merkel fehlen
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115 Kommentare zu "Weimers Woche: Alternative gegen Deutschland"

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  • Ich stimme Ihnen in den meisten Punkten zu. Mit der AfD verbinde ich ebenfalls die Erwartung, sie könne, erst einmal im Bundestag angekommen, sowohl europa- als auch innenpolitisch als Regulativ zu den jeweils Regierenden dienen. Und zwar als eines mit (Zitat) "geballter Sachkompetenz" (Zitat Ende). Auch mit CDU/CSU und evtl. mit Frau Dr. Merkel in Regierungsverantwortung käme es dann womöglich zu einer (Zitat) "Regeneration des bürgerlichen Lagers" (Zitat Ende). Die AfD ist eine Partei, der niemand ernsthaft vorwerfen kann, sie handele gegen die Grundwerte unserer Gesellschaft und gegen das Grundgesetz. Wähler, die bisher vom Opportunismus der gewählten Parteien (man könnte auch sagen, von deren Macchiavellismus, wenn man richtig ernüchtert ist, aber so weit möchte ich dann doch nicht gehen) nach den Wahlen regelmäßig entmutigt worden sind, wären dann im Bundestag durch die AfD vertreten. Was ich mir ebenfalls wünsche.

  • fransch
    ja stimmt. Das macht wirklich bedenklich
    Wir nähern uns immer mehr einer DDR 2.0

  • Die AFD wird vielleicht Schwarz/Grün die Mehrheit kosten, ok,,kannmsein, was geschiehtndann:

    Rot/Grün wäre natürlich das Schlimmste, was uns passieren könnte, doch wenn sie die Mehrheit bekommen werden sie es machen.
    Grün ist mittlerweile genauso regierungsschädlich wie die Freiemdeutsche Partei beeinflussbarer Politiker, sprich FDP?
    Grün hat die Solarindustrie an die Wand gefahren, da sie mit einer vollkommen überzogenen Förderung ein Baby fett gemacht hatten, dass nie lernte auf dem Weltmarkt zu laufen.
    Die katastrophale Wärmedämmverordung von ROT/GRÜN sorgte für feuchte Wände und erheblichen Sanierungsbedarf nach ein paar Jahren bei sanierten und neuen Häusern.
    Im Bereich Gesundheit sind sie fast genauso tot wie unser Gesundheitsminister Bahr/FDP.
    Um es noch ein wenig zu überspitzen, es sind tote Leichen.
    Grün ist mittlerweile Purpur, ausser gegen Atomkraft zu sein, dälltndenen nichts mehr ein.
    Ein grinsender "Tritt Ihn" und eine Claudia Roth die in türkischen Krimis auftritt um Wählerdtimmen von Deutsch/Türken zu ergattern, obwohl danach Vergewaltigungs- und Unterdrückungs Novelas im türkischen Fernsehen laufen, was soll man davon halten?

    SPD zu wählen in der Hoffnung, es komme SCHWARZ/ROT kann schief gehen und schon haben wir den Salat, SCHWARZ/ROT bestellt und ROT/GRÜN erhalten und schon verderben wir uns den Magen mit einer Kombination die fast bar jeglicher Wirtschaftskompetenz wäre und das in diesen Zeiten!

    Also, was tun? Ich wähle schwarz, wobei ich auch mit der FD sympatisiere, denn dort ist, was anderen fehlt, wirtschaftliche Kompetenz. Doch auch hier ist mir das Risiko zu gross, dass eine zu starke AFD ROT/GRÜN erwirkt, also hebe ich mir die AFD als Nchtisch f.d. nächste Landtagswahl vor, dannnhaben die auch einigermassen brauchbare Strukturen geschaffen.

  • Hallo @ Ron,

    ich kenne keinen, der nicht auch so denkt ! (Von ein paar grüninfiltrierten sogenannten "Journalisten" mal abgesehen.)

    Wenn wir nicht nur AfD wählen, sondern auch aktiv dort mitarbeiten, werden wir es schon packen.
    Ich freue mich schon auf das Ende dieses Uneuropa und danach auf den Wiederaufbau eines freien Europas selbstbestimmter Völker und freier Menschen.

  • Die Euro-Krise hat - siehe entsprechende Nachrichten vor ein paar Tagen - zur bislang höchsten Schuldenlast der Bundesrepublik seit ihrer Geschichte geführt. Ohne diverse Rettungsschirme und Hilfskredite hätten "wir" ein Haushaltsplus von rund 4 Milliarden gehabt, so sind es jetzt rund 80 Milliarden "Nasse". Den gigantischen Vorteil, den wir laut Herr Weimer aus dem Euro-Desaster angeblich ziehen, kann ich also nicht erkennen.
    Ich selber bin seit Jahren Stammwähler der FDP und seit kurzem auch Parteimitglied dort, aber meine Stimme im September bekommt die "AfD". Und wenn das genau die Prozente sein sollten, die Merkel, Rösler, Brüderle und Seehofer dann zur Regierungsbildung fehlen - drauf gesch...! Ich denke, diesen drei Parteien tun ein paar Jährchen Opposition mal ganz gut, der FDP am besten sogar außerparlamentarische Opposition, um ein bisschen zur Besinnung zu kommen, wo ihre Stammwähler hin sind und warum. Und dann werden diese Parteien ganz, ganz schnell "euro-kritischer", wetten? Und darauf setze ich.
    Dafür nehme ich ganz gerne 4 Jahre Rot/Grün auf mich.

  • Ich bin zutiefst enttäuscht über diesen Artikel.

    Ich werde die AfD wählen und komme aus dem Rot-Grünen-Lager. Und ich wurde nicht von den Thesen der AfD „eingefangen“, sondern bin nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema zur Überzeugung gekommen, dass unsere derzeitigen Parteien Deutschland finanziell an die Wand fahren und durch ihr hineinregieren in andere Länder den Hass gegen D in ungeahnte Höhen treiben. Ich bin froh darüber, dass meine Meinung durch eine große Gruppe von Wirtschaftsexperten bestätigt wird.


    Ihr Versuch Angst zu schüren, weil durch die Wahl der AfD statt Merkel Rot-Grün unsere nächste Regierung sein könnte werte ich mal als Wahlwerbung für Frau Merkel. Hat sie Sie unter Druck gesetzt?


    Das Statement eines Wirtschaftsjournalisten, dass Deutschland der große Profiteur des Euros ist, verwundert mich sehr. Ja klar haben wir einen Zinsvorteil bei unseren Staatsanleihen. Aber haben Sie mal dagegen gerechnet, welche Nachteileund Gefahren wir durch Target2, Staatsanleihenkäufe durch die EZB, ELA, EFSF, ESM, usw. haben? Wie hoch schätzen Sie ein, dass aus Bürgschaften reale Zahlungen werden? Die Nachteile einer Aufwertung werden zu einem großen Teil durch reduzierte Einfuhrkosten ausgeglichen. Haben Sie vergessen wie gut es Deutschland in den Jahren der Aufwertung ging? Vom Euro profitieren allenfalls die Exportunternehmen, dies aber zu Lasten der Steuerzahler Deutschlands.


    Die Staaten, die jetzt unterstützt werden müssen, haben sich in den Euro-Jahren im Gegensatz zu Deutschland Wohltaten gegönnt, die sie sich nicht leisten konnten, oder Misswirtschaft betrieben, z. B. in extensivem Wohnungsbau weit, weit über den Bedarf hinaus. Trotzdem sind diese Staaten in den Jahren vermögensmäßig viel stärker gewachsen als Deutschland, das sich gesund gespart hat.

    Siehe hierzu den Vermögensbericht der EZB.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/armut-und-reichtum/ezb-umfrage-deutsche-sind-die-aermsten-im-euroraum-12142944.html

  • hallo@ron,
    auch ich bin ein ehemals aktiver Aussteiger der CSU- CDU..aber schon vor einigen
    Jahren fiel bei mir der Groschen. Nicht mit dieser Politik, schon gar nicht mit Merkel.
    Tut das gut , soviele vernünftige Ansichten und Eistellungen zu lesen, wie auch die vielen anderen Kommentare.
    Hoffentlich zeigt das im Herbst auch den Erfolg

  • als Jahrzehnte langer Stammwähler der CDU habe ich mit der Merkel Ära meine politische Heimat verloren, mit der AfD habe ich sie wiedergefunden.
    Seit mehreren Wochen verfolge ich die Lesermeinungen der Online Zeitungen, mehr als 80% pro AfD, da ist viel richtiges geschrieben worden, aber auch einige krankhafte Selbstdarsteller waren dabei, deren Geschreibsel wirkt wie eine Rutschbahn zur AfD. Nun sind Stimmungen keine Stimmen, aber wenn von diesem Trend nur ein Teil sich in Stimmen wandelt, dann sind die von Meinungsforschern, Politikberatern prognostizierten 3-5% sehr stark untertrieben, deren Wunschdenken wird wie eine Maske vom Gesicht fallen.
    Statements von Politikern oder aus der Presse hatten teilweise eine verheerende, kontraproduktive Wirkung für deren persönliches Bild, es wäre eine recht interessante Sammlung für den 22.9.13 18:00 Uhr geworden, denn da wird es so manche Versteifung im Kieferbereich dieses Personenkreises geben und noch ein letztes, nach dem Wendejahr 1990 in D hat es jede Menge sogenannte Wendehälse gegeben, die immer schon alles gewusst haben, obwohl sie zu dem Thema Jahre zuvor das Gegenteil behauptet haben, bin gespannt ob das ab September wieder zu sehen ist, leider ist der deutsche Michel sehr vergesslich.
    Natürlich wird es CDU/FDP Stimmen kosten, auch aus den anderen Parteien wird sich der AfD speisen, aber wenn sich die Wahlbeteilung erhöht und die prozentuale größere Gruppe, die Nichtwähler, bleiben nicht zu Hause, das sollten selbst die AfD Kritiker das als positive Entwicklung anerkennen.
    Mein persönlicher Wunsch: ein drastisches Abrutschen der Grünen, weg mit Trittin, Roth und Konsorten.

  • Werter Wolfram Weimer,

    könnten Sie sich auch vorstellen, daß AfD Wählern völlig egal ist, welche tatsächliche Konstellation nach der Wahl entsteht?

    Zumindest mir ergeht es so. Bis jetzt habe ich auch immer nach der Devise "Pest oder Cholera" gewählt.

    Wenn ich jetzt die Chance auf "Schnupfen", bestenfalls "grippalen Infekt" habe, was kann dann schlimmer werden?

    Schlimmstenfalls "Pest oder Cholera", aber muß ich das gleich wählen und dami wünschen?

    Nein!

    Deshalb: Meine Stimme (und die meiner Familie) geht and die AfD.

    Alternativlos!

  • Alternative --GEGEN--Deutschland...
    sie meinen natürlich "für" Deutschland...und..die Stimmen dafür könnten Merkel fehlen.
    Richtig, sie werden ihr fehlen, hoffentlich.
    Die Zustimmung ist überall zu sehen.
    Die Werbung für die AFD läuft überall , vor allem auch in privaten Kreisen. Das sollte man nicht unterschätzen.
    Egal wo, im Freizeitbereich, beim Sport, überall wo Menschen sich treffen, läuft die Werbung , trifft man auf Befürworter für die AFD.
    Die Menschen haben die Zustände, die alte Politgarde in Berlin einfach sowas von satt, der Unmut ist überall erkennbar.
    Man will neue Leute, mit Sachverstand, die das Eurodesaster und das Europaproblem anpacken und wieder solide Verhältnisse schaffen. Dazu brauchen sie aber einen beachtlichen Stimmenanteil. Sie werden ihn hoffentlich bekommen.
    Jeder spürt es, so geht es nicht mehr weiter.

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