Weimers Woche Ansichten eines Clowns

Steinbrück blamiert sich mit Clownerien, die Piraten verjuxen ihre Zukunft, und die FDP spielt Theater. Angela Merkel muss gar keinen Wahlkampf führen. In Anbetracht der Konkurrenz reicht schon ihre Seriosität zum Sieg.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Erst droht Peer Steinbrück der Schweiz im Steuerstreit mit dem Einsatz der “Kavallerie”, dann hält er Zypern für eine “Geldwaschanlage”, die man in piratenmanier mal ausheben sollte (“So'n kleiner Störtebeker, der da mal rüberschippert von der Ostsee ins Mittelmeer”). Und nun verunglimpft er Italien als einen Zirkus, der “Clowns” zu Spitzenpolitikern wähle. Die Frechheit wird ihm selber zur Blamage: Italiens Staatspräsident Napolitano lädt Steinbrück nach dieser Beleidung aus und nutzt die präsidiale Bühne mit Joachim Gauck dazu, den Kanzlerkandidaten der SPD vor der Weltöffentlichkeit zu maßregeln. Selbst Gauck kommentiert kopfschüttelnd, dass sich so etwas selbst entlarve. Und der italienische Wahlaufsteiger Beppe Grillo nennt Steinbrück nurmehr “schwachköpfig und arrogant”.

Eine derartige Serie von Eklats wie Peer Steinbrück hat noch kein Kanzlerkandidat in der Geschichte der Bundesrepublik verursacht. Immer wenn man gerade denkt, nun beruhige sich der Fettnäpchentanz, spritzt er schon wieder was Neues hoch. Die SPD müht sich gequält bis verzweifelt das Irrlichtern ihres Spitzenmannes als “Klartext reden” zu verbrämen. In Wahrheit sind die Genossen nur noch entsetzt.

Denn sowohl die unsägliche Störtebecker-Attacke als auch die Herabwürdigung Italiens als Clownvolk offenbaren, dass Steinbrück kaum zum Kanzler taugt. Gerade weil er ein Django des Politischen ist, fehlt ihm die diplomatische Kunst. Die Wortwahl des Clowns fält daher auf Steinbrück selbst zurück. Offensichtlich gefällt er sich immer noch in der Rolle des lustigen Normenbrechers. Doch der schwarze Humor, den er dabei offenbart, disqualifiziert ihn als Staatsmann. Wenn sich einer anschickt, Deutschland zu verkörpern, dann sollte er nicht andere Länder herabwürdigen, herumwitzeln und verbal attackieren. Sein loses Mundwerk war erfrischend, als er noch mit hoch bezahlten Reden seine Nebeneinkünfte aufbesserte. Als Spitzenpolitiker Deutschlands ist es fatal. Nicht einmal im Wahlkampf dürfte ihm das helfen.

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14 Kommentare zu "Weimers Woche: Ansichten eines Clowns"

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  • In Anbetracht der Konkurrenz reicht schon ihre Seriosität zum Sieg
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    Mein Gott, Herr Weimer, werden Sie von Merkel bezahlt? Man hat ja fast den Eindruck
    Diee Vasallen-Treue hat doch sonst nur noch Pofalla.
    Wo ist diese Frau denn seriös? Und lassen Sie das doch mal mit Pfarrerstochter. Pfarrer war Merkels Vater erst in 2. Linie, ansonsten war er guter Nachrichtenüberbringer an die SED, ein sog. Verbindungsglied
    Merkel ist eine stramme DDR-Frau mit bester Schulung bei der FDJ. Nicht umsonst ist unser Staat der ehemaligen DDR ja immer ähnlicher

  • verus
    das ist eine tolle Geschichte und so wahr

  • umismatiker
    dem stimme ich voll zu.

  • die welt wäre so schön ohne "weimers Woche" keiner braucht rechtskonservative sprüche eines alt Yuppies nebenbei grillo ist ein Clown Berlusconi ein fall für den Staatsanwalt ich mag Steinbrück nicht diesmal hat er recht

  • Zu "Merkeline"
    „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Und der Spiegel antwortete:
    „Frau Bundeskanzlerin, Ihr seid die Beste und die Schönste hier, aber Eine, über den sieben Bergen bei den lieben Zwergen ist noch tausendmal besser und schöner als Ihr.“
    Als sie das hörte, kochte sie vor Wut und wollte sich dieses Mal etwas besonderes ausdenken.
    Mit "DDR - Hexenkünsten" lud sie alle Chefredakteure ins Kanzleramt und befahl ihnen, von fortan nur noch gutes über sie zu berichten.
    Von nun an berichteten die braven Redakteure und Journalisten nur das Beste und das was sie durften, - aber nicht das was sie eigentlich sollten.
    Journalisten lassen sich das bieten, Hänsel und Gretel nicht, aber das ist eine andere Geschichte!

  • Man wäre auch geneigt zu sagen: „Ansichten eines Clowns“
    aber der hervorragende Roman von Heinrich Böll hat es
    nicht verdient das man ihn in den Schmutz zieht!!

  • @R.Ruf
    das ist allerdings richtig. Steinbrück hat Bersani einen Bärendienst erwiesen, indem er ihm ein Bein gestellt hat und Grillo und Berlusconi geholfen, vielleicht sogar dazu verholfen, dass sie bei der Wiederholungwahl in beiden italienischen Kammern die Mehrheit bekommen.

    Ein grotesker Fauxpass von Peer Steinbrück und eine Clownerie sondersgleichen.

  • Ob es legitim ist oder nicht, ist politisch völlig zweit-drittranig. Entscheidend ist wie die Äußerungen auf den italienischen Wähler bei einer Neuwahl wirken.
    Wenn Steinbrück unfähig ist zu erkennen, dass er nur Berlusconi und Grillo hilft, ist er kein Politiker sondern ein Schwachkopf.
    Die Mehrzahl der deutschen Wähler hat wenig Ahnung wie Politik "funktioniert" und wundert sich dann, wenn sie Resultate zur Kenntnis nehmen müssen, die genau das Gegenteil sind von dem, was sie sich erhofft haben.

  • hallo liebe HB-leser! stellt euch mal vor, ihr wollt mit eurem chef über eure zukunft auf grund eigener guter leistungen sprechen. und dann nennt ihr ihn einen clown, was glaubt ihr, was da los ist. ich kenn einen sack voll "anonymer chefbewertungen". die chefs haben sehr oft nicht gut ausgesehen - warum auch immer. und die gehaltserhöhung könnt ihr euch dann auch in die haare schmieren. so ist es mal und nicht anders! man muß oft gute laune machen - obwohl man innerlich kocht. sollte demnächst in italien wieder gewählt werden, was glaubt ihr, wie die aussagen von herrn steinbrück da nachwirken: "wir doofen steuerzahler müssen dann die suppe wieder auslöffeln (zahlen ohne ende)"! italien steht ja jetzt schon arg in der kreide bei herrn draghi! wo soll das enden??

  • allerdings ist das ganze schon eine echt schlimme Beleidigung, Herr Steinbrück sollte sich bei allen Clowns dafür entschuldigen, da Bunga-Bunga nichts mit Clowns zu tun hat.

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