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Weimers Woche Der Transparenz-Terror tobt

Steueroasen trockenlegen, Gehälter offenlegen, Bankgeheimnis ausrotten – die Transparenzfanatiker des Steuerstaats sind in der Offensive und alle applaudieren. In Wahrheit zahlt die Gesellschaft dafür einen hohen Preis.
12.04.2013 - 12:05 Uhr 37 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Debatte um Steueroasen funktioniert wie mediale Lynchjustiz. Wer ein Konto im Ausland hat und skandalöserweise auch noch Geld darauf, den darf man namentlich an den Pranger stellen. Die Schnellgerichtsszenerie kennt nur noch geldgierige Nimmersatts hier und den armen, betrogenen Staat da. Keiner fragt mehr danach, ob das nicht vielleicht ganz legal ist, was Sparer da tun? Ob nicht unser Steuersystem so miserabel kompliziert und ungerecht ist, dass man es lieber verbessert, anstatt immer nur die Steuerzahler zu malträtieren. Ob nicht die eigentliche Gier unserer Zeit bei Staaten liegt, die mit keinem Geld der Welt auskommen, die Billionen Schulden auftürmen, als gäbe es kein morgen, und die am Ende immer neue Steuern und Steuerjagden brauchen, um ihr eigenes Versagen zu kaschieren.

Mit jedem Monat dieser Schuldenkrise baut der Staat seinen Zugriff auf die Bürger finanziell wie informationell immer weiter aus. Banken sind zu staatlichen Datenstaubsaugern mutiert. Ob Börsenhandel, Managergehälter, Steuerbescheide oder Kapitalanlagen – die Politik fordert permanent “mehr Transparenz”, also die informationelle Sozialisierung von eigentlich privaten Dingen. Die Staatbürokratie frönt dabei einer besonderen Variante der Gier – der Neugier.

Diese Gier nach Transparenz droht zusehends eine Ligatur unserer Zeit zu werden. Was vermeintlich demokratisch daherkommt ruiniert in Wahrheit einen Grundwert der Demokratie: die Integrität des Privaten. In der schönen, neuen Welt der Transparenz verschlingt das Öffentliche geradezu das Private. Der Überwachungsstaat wühlt sich mit Lauschangriffen, Onlineüberwachungen, Bankkontenchecks und Millionen von Videokameras in das Privatleben der Menschen. Der Fiskus holt sich – neben dem Geld - auch Detaileinblicke unserer Lebensumstände. Der Sozialstaat macht aus souveränen Bürgern lauter gläserne Systemlinge des Gesellschaftlichen. Überall müssen wir Privates preisgeben, von der Größe des Badezimmer beim Bauantrag bis zur Angabe chronischen Fußpilzes bei der Krankenversicherung.

Die ehrwürdige Kategorie “Diskretion” wirkt heute in der so dominanten “Kultur der Offenheit” wie Omas übrig gebliebener Kaktus. Unternehmen müssen nicht nur Managergehälter offenlegen sondern auch Sozialbeziehungen, Ökobilanzen, den “Diversity”-Status von Fremdheiten und – die Gender-Transparenz darf auch noch ran – das firmeninterne Geschehen zwischen Herren und Damen. Sie nennen es “Corporate Social Responsabiltity” und meinen den Sozialismus des Habituellen.

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    37 Kommentare zu "Weimers Woche: Der Transparenz-Terror tobt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich möchte Ihnen folgende Gedanken mitgeben.

      Wenn der Staat Probleme hätte seine Steuern einzutreiben würde ich Ihnen vielleicht zustimmen.
      Fakt ist aber, das seit Jahrzehnten der Staatsanteil steigt, ebenso das Steueraufkommen und zwar schneller als das Sozialprodukt. Das ist nicht immer sichtbar oder offiziell ausgewiesen, aber auch zunehmende Kontrolle über privatwirtschaftliche Verwendung, durch Bestimmungen und immer enger werdenden Normen ist im Grunde genommen nichts Anderes.
      Offensichtlich ist der Staat hungriger als seine Wirtschaftskraft und offensichtlich dient das Geld nicht der sozialen Verbesserung oder Gerechtigkeit, denn ansonsten müsste der soziale Status im Schnitt steigen.
      Das Gegenteil ist aber der Fall und das macht diese Debatte äußerst fragwürdig.
      Denn damit wird Steuervermeidung und Hinterziehung zum Symptom und nicht zur Ursache.
      Es war noch nie sinnvoll auf den Buchstaben des Gesetzes zu bestehen um Recht und Unrecht zu beurteilen. Gesetze müssen auch danach beurteilt werden, in wie weit sie überhaupt Recht schaffen können oder Unrecht erst verursachen.
      Gesetze sind nicht per se richtig oder moralisch, das wäre eine zutiefst spießbürgerliche Haltung, auf der sich eben auch so mancher Nazibverbrecher zurückgezogen hat(nur um die Fragwürdigkeit der Legitimation durch pure Legalität deutlich zu machen).
      Gerade Steuergesetze und besonders die häufigen Änderungsvorschläge bezüglich Entfernungspauschale, Splitting etc. sind verfassungsmäßig äußerst fragwürdig, moralisch nur durch Verschweigen anderer Gesichtspunkte positiv darstellbar und zeigen, dass damit keinerlei Interesse an Gerechtigkeit vorhanden ist, die andere Vorstellungen als die Eigenen respektiert.
      Damit sind sämtliche Voraussetzungen für demokratische Gerechtigkeit im Prinzip gebrochen worden.
      Da kommt es reichlich heuchlerisch rüber dies dann denen anzulasten, die die Macht und Möglichkeit haben sich davon abzukoppeln ggf. sogar unter Umgehung oder Bruch der Legalität.

    • Sie haben völlig Recht, aber Untertanengeist ist wieder hoffähig und zu dem sehr attraktiv für dumme Karrieristen, die anschließend wieder nichts gewusst haben werden.

      H.

    • Der Unterschied ergibt sich aus der Diskrepanz zwischen legaler Steuervermeidung und Steuerhinterziehung, die bewusst zur Zeit in der Öffentlichkeit verwischt wird.
      Fragwürdig ist das Thema Steuerhinterziehung auch weil es extrem einseitig propagiert wird und die zunehmende (Steuer-) Kriminalität und aktiven Gesetzesbrüche des Staates völlig außen vor lässt und sogar völlig straflos lässt. Anderswo würde man das Mafia nennen, wenn es nicht zufällig bei uns identisch mit dem Staatsapparat wäre.
      Ein vernünftiges Bild bei diesem Thema kann man sich nur machen, wenn man beides zur Kenntnis nimmt.
      Ich persönlich kann nur jedem raten, soviel Geld wie möglich vor den deutschen Behörden zu verbergen, weil diese weit mehr damit beschäftigt sind Gründe zu finden, wie sie mit Vorwänden an privates Geld herankommen, als sich Gedanken zu machen, wie man der Masse Gelegenheit gibt ordentliche Löhne zu verdienen.
      Und das ist für viele Anwälte des Sozialen ja auch persönlich einfacher als wirklich Mehrwert zu schaffen und den Wohlstand insgesamt zu mehren.

      H.

    • Diese Auferstehung einer neu legitimierten „Stasi“, als bewusst überzogene „Steuerfahndung“, weil die Zentralregierung zum Finanzsozialismus rüber gemacht hat, wird auch noch von den Deppen beklatscht, denen es dabei am dreckigsten geht.
      Das die „Steuer-Stasi“ seltsamerweise niemals bei den eigenen Politikern im Land zugreift, deren Nebenerwerbs-Einnahmen und deren Verstecke publiziert, noch Lobby-Netzwerke zwischen angeblichen Umwelt-Verbänden und -Stiftungen, da versagt dann das Geschrei nach Transparenz, „nackig“ sollen sich nur die Anderen machen.
      Statt einfacher und günstiger Steuern die einer gesamten Bevölkerung Zusammenhalt bescheren, plündern die Politiker und rufen auch noch haltet den Dieb, um nicht selbst als das ursächliche Problem erkannt zu werden.

    • Lieber Herr Weimer, viel gutes von Ihnen gelesen. Hier liegen Sie jedoch in Vielem daneben, finde ich. Bei Offshore Leaks geht es im Kern darum, dass Reiche Vermögen vor dem Fiskus verstecken. Und das ist unmoralisch. Der Wunsch vieler Menschen nach mehr Transparenz rührt doch aus dem dramatischen Vertrauensverlust in Politik und Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten. An dieser Ursache müssen wir arbeiten. Und ja, Transparenz wird inzwischen häufig instrumentalisiert.

    • Der Artikel hat Aufforderungscharakter.

      herr Weimar jagt wütende Mäuse, die fette Beuteltiere jagen. Jedoch in Wirklichkeit ist der Artikel in_vers.

      See the Interview " Why the world is losing faith in democracy" CFR

    • Was wohl unsere Vorfahren bewogen haben mag dem Obrigkeitsstaat Rechte wie Bankgeheimnis und Briefgeheimnis unter Gefaehrdung ihres beruflichen Fortkommens, ihrer Freiheit und sogar ihrer koerperlichen Unversehrtheit abzutrotzen?

    • Das Bankkonto in der Steueroase als letzte Bastion der Privatheit der ach so geschröpften Bürger im Würgegriff der staatlichen Datenkrake. Lange keinen solchen Schwachsinn mehr gelesen...

    • Die Motivation von Herrn Weimar einmal dahingestellt - der philosophische Ansatz findet meine Zustimmung. Freiheit und grenzenlose Transparenz widersprechen sich. Ich lebe lieber damit, dass einige das System ausnutzen als dass man alles über jeden weiss. Der Spagat dazwischen ist die Herausforderung unserer Zeit...

    • SIND DENN ALLE SO , KANN NUR ERFAHREN MIT WAHRHEITEN SEHEN DÜRFEN ÜBERS GELD , den ALLES GEHT NUR UMS GELD und MANSCHEN NUR UM MIT MACHT ÜBER . . . .

      NIEMAND HATTE GEFRAGT , DOCH ich , " WER " BESITZER VON ESM WIRD UND FÜR IMMER und FÜR IMMER GLEICHE RECHTE HAT WIE ESM !! ANTWORT WURDE NICHT GEGEBEN ABER TROTZDEM HABEN BUNDESTAG " IHNEN " GEBEN WOLLEN , WAS ??? UND ich SOLL AKZEPTIEREN NICHT ZU WISSEN VON WELCHEM GELD GERADE WIEDER VERFÜHRT WIRD oder GEKAUFT WERDEN KANN UNKONTROLLIERT WEIL GELDBESITZ GEHEIM ??? BIN DOCH KEIN NORMALER und SWO BENUTZBARER !!! KLAR GIBT ES WELCHE DIE DAS NICHT WOLLEN und auch HIER IN DEN BEITRÄGEN aber OHNE ZU ERKLÄREN OB BETROFFENE WÄREN oder NUR GLAUBENDE . . .

      HAB HEUTE GELESEN GEHABT das GRATISKÄSE ES NUR IN MAUSEFALLE GIBT und HAB DRÜBER NACHGEDACHT und hab FÜR mich DIESE WAHRHEIT FESTGELEGT : " GRATISKÄSE GIBT ES IMMER NUR IN MAUSEFALLEN mit ZIEL und GESELLSCHAFT SOLL NICHT FRAGEN DÜRFEN , OB GRATISKÄSE VON EHRLICHEN GELD BEZAHLT SONDERN NUR IN FALLE GEHEN , weil ABGEORDNETE ihr ZUSATZGELD ( BESTECHUNG ) WEITER BEKOMMEN WOLLEN DÜRFEN und WISSEN . . . . "
      SCHWACHEN STAAT/EN KÖNNEN SICH NUR . . . ABER GEHÖREN TUT er / sie ihnen NOCH NICHT ???
      DEMOKRATIE BEKOMMT DAS RECHT , JEDER , WAHRHEITEN ZU WISSEN , wie SONST SOLL WÄHLEN UND NICHT BLOS LOTTO SPIELEN ??? WORTE HAB SCHON VIELE GEHÖRT aber TATEN HABEN IMMER ALS LÜGE DIESE BEWIESEN ?


      ATHEIST SICH Gott , im WISSEN Gott . . .
      und SO KANN GARNICHT RASSIST SEIN und NIEMANDEN RASSEMACKE LEBEN LASSEN KÖNNEN .
      SOUVERÄN
      Frank Frädrich WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN

      ATHEIST SICH Gott , im WISSEN Gott . . .
      und SO KANN GARNICHT RASSIST SEIN und NIEMANDEN RASSEMACKE LEBEN LASSEN KÖNNEN .
      SOUVERÄN
      Frank Frädrich WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN


      MEDIEN WO EIN WORT VERBOTEN IST BETRÜGEN .
      AUF EINER ERDE WO GELDRECHT BEDIENEN MEHR WERT IST ALS MENSCHEN ZUM MENSCH SEIN DAS RECHT GEBEN und LEBEN LASSEN AUCH .

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