Weimers Woche Die neuen Schlüsselfiguren der Republik

Die Bundestagswahl ist noch nicht vorbei, doch es zeichnet ab, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt. Merkel wird bleiben wie sie ist, doch vier Politiker werden das Kraftfeld der deutschen Politik neu definieren.
8 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die wahlkämpfende Republik fühlt sich an wie die Zeitlupenwiederholung vom Plätschern eines märkischen Sees. Über allen Wassern scheint Ruh, solange Angela Merkel darauf herum rudert. Auch das TV-Duell hat keine echten Wellen geschlagen. Die Strömungen verändern sich nicht mehr. Und doch passiert in den Untiefen mehr als man ahnt.

Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die CDU-Vorsitzende auch nach dem 22. September die Geschicke des Landes lenken wird, trübt den Blick darauf, dass sich die personelle Führungskonstellation der Republik wohl verändern wird.

In der SPD dürfte nach einem abermals gescheiterten Wahlkampf die große Führungsdebatte losbrechen. Die glücklose Troika Gabriel-Steinmeier-Steinbrück steht für den quälenden Gerhard Schröder-Erbfolgekrieg aus Richtungsfragen und Personaldebatten – aber nicht mehr für die Zukunft der Sozialdemokratie. Gabriel wird um seine Macht zwar kämpfen wie ein verletzter Leitwolf. Doch die SPD wird einen Neuanfang und eine personelle Perspektive neuer Integrität wagen müssen. Die Rolle der Hoffnungsträgerin hat Hannelore Kraft bereits. Nach einer weiteren Wahlniederlage der alten Berliner SPD-Combo wird ihr nun auch die Macht zufallen. Früher oder später. Kurzum: Sie wird eine erstarkte Schlüsselfigur der künftigen Republik.

Auch bei der FDP zeichnet sich ein Wachwechsel ab. Hier heißt die Figur der Zukunft Christian Lindner. Weder Rösler noch Brüderle, geschwiege denn Guido Westerwelle, werden die Liberalen dauerhaft stabilisieren, führen oder neu beseelen können. Selbst wenn sich die FDP noch einmal in eine Regierung rettet, so ist sie in ihrer Glaubwürdigkeit, Machtposition und Gestaltungschance doch derart stark geschwächt, dass sie einen neuen Kopf, eine neue Option, ein neues geistiges Format brauchen wird. In der FDP der Zukunft wird man darum an Lindner nicht mehr vorbei kommen.

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8 Kommentare zu "Weimers Woche: Die neuen Schlüsselfiguren der Republik"

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  • @Ric,

    wieso Eddie, ist das ein Versehen oder wollten sie gar nicht mir antworten?

    H.

  • @hermann.12
    Respekt Eddie, ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu.

  • MODERNISIERT ODER VERLINKT?

    >>Selbstbewusstsein und wird zum Fanal dieser neuen Rolle. Seehofer hat, was außerhalb Bayerns gerne übersehen wird, sein Land souverän regiert und – was ihm kaum einer zugetraut hatte – klug integriert. Dazu hat er seine Partei tiefgreifend modernisiert und verweiblicht.<<

    Modernisieren ist für viele besonders von der Linken nur ein Code-Wort für "Verlinken", die Partei in Richtung Multikulturalismus, Feminismus, und Gender-Ideologie bewegen.

  • "Horst Seehofer, den sie auch in der CDU zuweilen als „Crazy Horst“ oder „Drehhofer“ abkanzeln, wird ein enormes Gewicht bekommen."

    Das ist und bleibt wohl Wunschdenken.

    Zu sehr hat Seehofer gezeigt, dass er nicht in der Lage ist, einen Rechtsstaat in Bayern darzustellen. Zu zögerlich zu unentschlossen war und ist sein Handeln im Fall Mollath.

    Nach der gestrigen Klatsche vom Bundesverfassungsgericht muss ihm klar sein, dass seine Justizministerin Merk ein Totalausfall ist. Dennoch schafft er es nicht einmal als humanitäre Gründen gegenüber Herrn Mollath die Frau ob ihres Versagens zu feuern. Damit mutiert der Fall Mollath zu seinem persönlichen Fall.

    Ich bin gespannt, ob Seehofer diesen Fall politisch überlebt. Ich kann es mir nicht vorstellen.

  • Stellen Sie sich einmal vor, die AfD kaeme mit 5.1 Prozent in den Bundestag und die FDP bliebe mit 4.9 % draussen. Unvorstellbar ist dieses Szenario nicht. Die Karten wuerden dann neu gemischt. Koennen wir uns vorstellen, dass eine ziemlich laedierte SPD sich in einer weiteren grossen Koalition voellig kastrieren laesst? Koennen wir uns vorstellen, dass eine vor Selbstbewusstsein strotzende AfD mit der CDU eine Koalition eingeht, aber ohne Merkel? Koennen wir uns vorstellen, dass der bis dato gelaehmte liberale Fluegel der CDU sich auf die Wurzeln und Ludwig Erhard besinnt? Aber egal wie die Wahl ausgeht, der europaeische Dampftopf fliegt sowieso bald in die Luft und dann sehen wir ganz neue Konstallationen, vielleicht sogar die Verzweiflungstat einer Neuwahl.

  • @werner,

    lesen sie sich eigentlich selbst? Sie pflegen doch den Ton der bis 1945 regierungsfähig war.
    Es gibt sicher Vieles was zu Recht Unzufriedenheit hervorruft, aber Merkel mit "nichts gebracht" anzugreifen ist dumm. Ohne sie würden sie wohl heute wegen der Finanzkrise arbeitslos sein. Ob die Fortführung ihrer Politik die beste Möglichkeit aktuell darstellt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber es gibt gute Gründe für das Festhalten am EURO.
    Und nur, weil sie die Hintergründe weder verstehen, noch sich die Mühe machen darüber nachzudenken, ist plötzlich jeder Dreck aus den Medien die Wahrheit?
    Sie glauben wahrscheinlich nur, was Ihnen in den Kram passt, damit sind sie perfekt für Parteien, die sie genannt haben.

    H.

  • Wenn der Generationenwechsel für die SPD Hannelore Kraft heißt, dann bleib der SPD in der Tat noch weniger Perspektive als den Grünen. Die mit Kretschmer immerhin einen Realo bekäme.
    Es immer wieder bemerkenswert wie von Franz Josef Strauss über Stoiber bis zu Seehofer im linken Spektrum äußerliche Wahrnehmungen die Realität überdecken.
    Dabei ist sozialpolitisch die CSU seit dem Beginn der Bundesrepublik dem linken Lager voraus, aber das erklärt vielleicht das Festbeissen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
    Die Grünen entpuppren sic hals das, was so Mancher ohnehin als Verdacht beständig beschlich. Letztlich erweist sich ihr traditionelles Anarcho gehabe nur als ideologisch verbrämter Egoismus. Es ging eigentlich immer nur darum, sich den Regeln Anderer zu entziehen. Seit sie in den Ämtern angekommen sind, übertreffen sie den Regelungsmief der 50ziger und 60ziger lediglich mit eigenem Mief nur mit linkem Vorzeichen.
    Man wird den Verdacht nicht los, das links nur das Alibi war, weil mit rechter Gesinnung nun mal die Verbrechen der Nazizeit verbunden waren. Abgesehen von der Coleur unterscheidet sich der Habitus allerdings kein bißchen von der Elterngeneration, von der diese sich so vehement distanzierten.

    H.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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