Weimers Woche Schafft das Saarland ab!

Die Saarländer sind experimentierfreudig - besonders in der Politik. Die Umtriebigkeit kann sich das Land leisten, weil es seit Jahren bezuschusst wird. Zeit, für einen alten Vorschlag: Die Bildung der „Saarpfalz“.
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Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

BerlinDie Saarländer sind ein lustiges Völkchen. Gemütlich, kulinarisch, französisch. Sie stellen den Grillweltmeister und probieren gerne mal was Verrücktes aus. Vor allem in der Politik, die sie als eine Art Hexentanzfestival betrachten.

Einmal küren sie einen Ego-Zauberer wie Oskar Lafontaine zu einem druiden-ähnlichen Ministerpräsidenten, dann probieren sie eine wilde Jamaika-Koalition aus und wenn die Stimmung gerade danach ist, geben sie die auch plötzlich wieder auf und – fragen kostet ja nix – befragen sich, ob nicht eine Große Koalition viel besser und eine kürzere Legislatur viel cooler wäre. Und dann auch wieder nicht. Nun also wählt das sympathische Völkchen neu – und man darf sicher sein, es wird ihnen etwas Originelles einfallen, wie sich die politischen Tänzchen im Saarland denn weiter drehen können.

Denn im Grunde ist es egal, wer das Saarland regiert. Es kann ohnedies nicht aus eigener Kraft existieren. Das Bonsai-Bundesland – es ist etwas kleiner als der Landkreis Emsland und etwas größer als der Landkreis Bautzen – hat doch tatsächlich gut zwölf Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Bayerische Gemüter nennen es schon „das deutsche Griechenland“, was nicht stimmt, denn im Saarland tanzt keiner Sirtaki. Und doch haben sie sich für das Jahr 2012 im Haushalt 630 Millionen neue Schulden gegönnt. Es müssen ja schließlich so wichtige Etatposten wie „Zuschüsse zur Durchführung von Wanderungen“ (200.000 Euro) finanziert werden! Und auch das „Institut für Zukunftsenergiesysteme“ will mit 800.000 Euro bezuschusst werden. Ganz zu schweigen von der Förderung von „Waldpädagogik“! Die Saarländer sind eben pfiffig.

Ihre kreative Umtriebigkeit können sie sich nur leisten, weil das Saarland seit vielen Jahren von den Zuwendungen der anderen Deutschen lebt. Über die Jahre haben sich die Gelder des Länderfinanzausgleich auf 6,5 Milliarden Euro addiert. Jeder sechste Euro, den das Saarland ausgibt, wird nicht über Steuern finanziert, sondern über neue Kredite. Trotz einer akuten Staatsschuldenkrise lebt das Bundesland auch im letzten, in diesem und im nächsten Jahr massiv auf Pump.

Absurde Situation
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57 Kommentare zu "Weimers Woche: Schafft das Saarland ab!"

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  • Also beim Lesen dieses Artikels kann ich nur noch brechen. Wer in jedem Abschnitt schreiben muss, was für ein lustiges kleines Völkchen die Saarländer doch sind, der war im Leben noch nicht dort und hat die Menschen kennengelernt. Französich, gemütlich, arghhh. Der ganze Artikel schreit förmlich nach Unwissenheit und wirft den Saarländern Dummheit und Faulheit vor, was eine Unverschämtheit ist.

    Immerhin haben sich Deutschland und Frankreich ewig um das Saarland gerissen und es ist hin- und hergewandert wegen der Montanindustrie. So wie ich das sehe steht das Saarland im Bundesvergleich heute gar nicht so schlecht dar. Dann könnte man sich auch überlegen, was die Wiedervereinigung gebracht hat und ob es nicht schlauer gewesen wäre, die DDR 1990 links liegen zu lassen. Man sollte aber ungeachtet wirtschaftlicher Interessen mal die Frage nach den regionalen deutschen Identitäten geltend machen. Und da gehören die Sachsen und Thüringer usw. nunmal zu Deutschland und Saarländer und Pfälzer gehören nicht zusammen in ein Bundesland.

    Experimentierfreudigkeit in der Politik??? Das die Jamaika-Koalition an der FDP scheitern wird war ja jedem klar, oder? Und wieviel zahlen wir momentan für Griechenland? In Berlin, das eh schon verschuldet ohne Ende ist, wird das Schloss wieder aufgebaut. In die neuen Bundesländer, die wirtschaftlich noch viel weiter hinterm Saarland stehen, werden Milliarden reingepumpt, um irgendwelche Kulturdenkmäler (z.B. Dresdner Frauenkirche) wieder aufzubauen und im Westen (nicht nur im Saarland) wohnen wir demnächst wohl im Plattenbau, oder was?

    Also lasst den 1 Mio. Saarländern gefälligst ihr kleines eigenständiges Bundesland. Man sollte sich lieber mal über andere Sachen Gedanken machen.

  • Ich gebe Ihnen recht Herr Weimer, Auflösen! Ich bringe die Idee auch erst zwei Tage nach Ihnen wieder in die Welt. Aber in einer Sache muss ich Ihnen widersprechen: Die Saarpfalz? Das kann ja fast nur von einem Bayern kommen. Den bedeutenderen Teil des Bundeslandes, nämlich das Rheinland, würde man völlig vergessen. Mein Vorschlag: Rhein-Saar-Pfalz. Hat auch den gleichen Klang.

    http://themundi.wordpress.com/2012/01/24/auflosen-auflosen/

  • An dieser Stelle noch mal nachschlagen wie die Pro-Kopf-Verschuldung in SACHSEN ist.
    Soweit zum Verständnis des Saarländers "Boxerhandschuh".
    UMSATZ, BIP und solcherlei Kindskramkennziffern besagen überhaupt nichts im Vergleich der Leistungsfähigkeit.
    Wann begreifen das die Wessis endlich: Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit lassen sich nicht AUF PUMP erkaufen!
    Schönen Sonntag noch.

  • Ahnung von nix, aber davon eine ganze Menge. Was Herr Weimer hier zum Saarland absondert, ist weder originell noch zutreffend. Deutschland ist der einzige förderativ organisierte Staat, der seine Bundesländer-Strukuren immer wieder infrage stellt. In der Schweiz oder den USA käme niemand auf die Idee, kleinere Kantone oder Bundesstaaten von der Landkarte zu streichen. Wenn schon wir schon "Bundesländer abschaffen" spielen, dann kann man auch die ganz große Lösung finden, wie sie Harald Schmidt einmal vorgeschlagen hat: Aldi Nord und Aldi Süd.
    Auf verschriftete "Hasen-Gespräche" - man im Saarland sagt - von erfolglosen Ex-Chefredakteuren kann man getrost verzichten.

  • Abschaffen! Die einzigen Betroffenen wären ein paar hundert oder tausend Landesbeamte in überflüssigen Bürokratiepositionen.. und absolut niemand ausser diesen selbst (inkl. der Saarland-Parteipolitiker) hat ein Interesse daran, den Unfug weiter zu finanzieren, wenn angeblich kein Geld für Steuersenkungen vorhanden ist. Das gilt allerdings auch für Bremen - entweder man muss diese Zwergstaaten abschaffen oder den Länderfinanzausgleich und Bundeshilfen für sie abschaffen.

  • Vielleicht haben Sie auch in der Schule geschlafen, margrit117888, sonst hätten Ihre Beiträge mehr Gehalt. Europa ist ein Kontinent, die EU ein hybrides Gebilde mit intergouvernementalen und supranationalen Elementen. Und die "Vereinigten Staaten von Europa" wären ein Bundesstaat, der auf einem Kontinent liegt. Und er würde Weimers Forderung nach Kosteneinsparung sehr entgegenkommen, andererseits aber auch mit einer einheitlichen Wirtschaftsregierung besser auf Krisen (wie die aktuelle) reagieren können.
    Wohl zu lange bei PI herumgetrollt, oder was?

  • Boxerhandschuh hat ja schon angefangen – hier noch ein paar unwichtige Fakten:
    Das Saarland hat im Jahr 2010 aus dem Länderfinanzausgleich 89330633,53 Euro bekommen (also rund 89,3 Millionen) – das sind pro Kopf 87,32 € (wow damit kann man ja echt was machen). Wir liegen damit auf Platz 8 der 12 Empfängerländer. Von der Gesamtsumme des Länderfinanzausgleichs sind das ganze 1,27% !!! Zum Vergleich: Das Bundesland Berlin hat 2,899 Milliarden (842,28 € pro Kopf) erhalten. Aber darüber reden die lieben Bayern ja lieber nicht…
    (Quelle: Bundesrat und Wikipedia)
    Und noch was zur politischen Experimentierfreude: Saarländische Landesregierungen von 1959 bis 1985: CDU (Ministerpräsident von 1959 bis 1979: Franz-Josef Röder), von 1985 bis 1999 SPD, von 1999 bis 2009: CDU (Müller) – Ich gebe ja zu, CDU und SPD sind im Grunde anarchistische Parteien …
    Alles Fakten die den Autor und die meisten Kommentatoren anscheinend nicht interessieren – Es tut mir leid, aber dieser Artikel ist ein Armutszeugnis für das Handelsblatt.

  • Besser wäre ein Zusammenschluss von Saarland und Griechenland zur europäischen Union der nicht mehr alimentierten Länder. Dann können sie zusammen lustig, experimentierfreudig und arm sein.
    Stört keinen und kostet nichts.

  • Auch wenn hier das in der Tat sinnvolle ZENTRALABITUR auf Bundesebene gemeint ist:
    Rheinland-Pfalz hat immer noch kein zentrales Abitur auf BundesLANDSebene! Soviel zu den Fusionshindernisse der Saarpfalz.
    Das ältese Bundesland mit Zentralabitur ist Bayern (1854), das zweitälteste das Saarland (1952)! Das Zentralabitur wurde im Saarland von den Franzosen eingeführt und im Gegensatz zu anderen Bundesländern auch behalten, weil das Saarland erst ab 1957 der Bundesrepublik Deutschland beitrat. (Näheres bei Wikipedia).

  • Ein exzellenter Artikel. Der Mann hats getroffen. Als Saarländer der 10 JAHRE für Deutschland im Ausland Geld verdient hat und dann endlich seinen Ruhestand in Luxembourg verdient hat um sich nicht weiter von den Deutschen verarschen zu lassen kann ich nur zustimmen.

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