Weimers Woche Sie wollen an die deutsche Kreditkarte

Francois Hollande und die europäische Linke kommen mit immer neuen Ideen: Eurobonds, Altschuldenfonds, Projektanleihen, Einlagensicherungsfonds. Das Ziel ist immer das gleiche: Deutschland soll für ihre Schulden zahlen.
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Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Griechenland erprobt die Nahtod-Erfahrung, Portugal, Irland und Zypern liegen auf der Intensivstation, Spanien wird ins Krankenhaus eingeliefert, Italien ist schwer infiziert und Frankreich fordert die Sozialisierung des Krankenhauses auf deutsche Rechnung. Europas Schuldenkrise bekommt pathologische Züge.

Plötzlich schlagen alle Alarm. Der Bundesbankchef fleht um Einsicht, die Kanzlerin spricht von der Schicksalsstunde, die IWF-Chefin Christine Lagarde warnt, dass die Euro-Zone in drei Monaten kollabiert ist, wenn nicht rasch Entscheidendes passiert. Hastig werden Spaniens Banken 100 Milliarden versprochen, doch Spanien als Staat braucht bis 2014 mehr als 350 Milliarden Euro neues Geld, nur um seine Schulden zu refinanzieren. Italien muss sich sogar 670 Milliarden besorgen. Es sieht nicht danach aus, dass das gelingen könnte. Kurzum: Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Die Notenbank-Legende Alan Greenspan und mit ihm die ganze angelsächsische und die halbe asiatische Welt halten den Euro schon für einen historischen Fehlschlag.

Die Lösung besteht für Südeuropa darin, dass Deutschland einfach für alles zahlt. Mit maximaler Kreativität werden immer neue Konstruktionen ersonnen: Schuldentilgungsfonds, Eurobonds, Einlagensicherungsgemeinschaft, Projektanleihen, Altlastenpool. Wie bei den Hütchenspielern auf der Straße zaubern sie immer neue Überraschungseier hervor. Doch was auch immer da an Vorschlägen kommt, es kennt nur ein Ziel: das deutsche Geld. Das ganze Bestreben von Francois Hollande ist der Zugriff auf die goldene Kreditkarte aus Berlin.

In dieser kurzsichtigen Strategie zeigt sich das eigentliche Problem Europas. Es gibt keine wirkliche Einsicht, dass die Überschuldungspolitik beendet werden muss. Dass eine Wählerbestechungsdemokratie auf Pump unseriös und unverantwortlich ist. Dass Schulden irgendwann gezahlt werden müssen und man besser gleich damit beginnt, auch wenn es eine Rezession bedeutet. Solange diese einfache aber fundamentale Erkenntnis nicht gereift ist, wird Europa an seinen Schulden zerbrechen. Die Strategie Hollandes und weiter Teile der europäischen Linken ist es, die alte Schuldenpolitik nur mit neuen Instrumenten weiter zu treiben. Er führt inmitten dieses Dramas sogar die vorgezogenen Renten ein, was nur durch neue Schulden zu finanzieren ist. Während Deutschland sein Renteneintrittsalter erhöht, will sich Frankreich das kollektive Frührentnertum gönnen. Alleine das ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Reformbemühungen für Europa.

Ausgerechnet in dieser dramatischen Lage wanzt sich die deutsche SPD-Troika von Möchtegernkanzlern an Hollande heran, dass es peinlich ist. Wie drei Schulbuben laufen sie dem linken Oberprimaner nach, der ihnen zeigt wie man Schuldenjoints dreht. In Wahrheit riskieren die drei Ober-Sozialdemokraten für den kleinen Auftritt im Elysee lebenswichtige deutsche Interessen. Sie fallen der Kanzlerin aus billigem Parteikalkül in den Rücken, wo diese tapfer und zusehends alleine für eine Stabilitätsunion kämpft und die Ersparnisse der Deutschen verteidigt.

Das größte Risiko sind daher weder das Wahlverhalten der Griechen noch die Bilanzen spanischer Banken. Es liegt in der fehlenden Einsicht Frankreichs zur Umkehr. Wenn sich Paris mit den Rezepten der frühen siebziger Jahre ins Schuldenfeuer stürzt und Deutschlands Geld verbrennt, dann wird man nicht mehr über einen einseitigen Austritt Griechenlands sondern über einen einseitigen Austritt Deutschlands aus dem Euro reden müssen.

 

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50 Kommentare zu "Weimers Woche: Sie wollen an die deutsche Kreditkarte"

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  • Das Geld der "Anderen" ist das clandestine Hohelied aller Staatsschauspieler sprich "verantwortungsvoller" Politiker dieser Welt. Sie brauchen es zur Verteilung unter ihren Wählern und nennen das "repräsentative" Politik. Das Fatale ist, daß sie NIE zur Verantwortung gezogen werden können wie zB der kleine Häuslebauer, der sich übernommen hat. Dieser wird alles verlieren. Ein Hasardeur wie mancher Politiker wird nur dazugewinnen und es auch noch für gerecht empfinden. Hat er doch den Bürgern in großzügiger selbstloser Manier das Geld in Form von Transfer gebracht, das er ihnen vorher aus der Tasche gepresst hat.

  • Ein hervorragender Artikel von Herrn Weimer
    Danke.
    Warunm rumort es nicht längst in unsrem Lande? Warum nehmen die Deutschen alles hin?
    Sind wir wirklich alle so verdummt?
    Wie sagte der große Nachkriegs-Politiker kurt Schumacher?
    Sollte dies heute etwa wieder zutreffen?

    "Wenn wir irgendetwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, daß ihm zum erstenmal in der Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist."

    Kurt Schumacher (1895-1952), deutscher Politiker und Patriot

  • Elinix
    Widerspruch.
    Ich finde, Herr Weimer hat das fantastisch ausgedrückt mit dahin wanzen.
    Genau so war es auch
    Und ich fand es einfach nur ekelhaft
    Dazu paßt übrigens der Satz
    "Das Abendland geht nicht zugrunde an den totalitären Systemen, auch nicht an seiner geistigen Armut, sondern an dem hündischen Kriechen seiner Intelligenz vor den politischen Zweckmäßigkeiten." Gottfried Benn

  • Ja, wir brauchen eine Organisation ähnlich der weißen Rose. Die täglich Flugblätter verteilt und die deutschen wachrüttelt

  • kognitiver
    das sehe ich auch so.
    Merkel hat ja diesen Unsinn mit den Rettungsschirmen begonnen.
    Und hier verstehe ich auch Weimer nicht ganz. Merkel ist genau so eine stramem Sozialistin wie die Grünen oder die SPD

  • Genau, sie hätte sich lakonisch am 9.5.2010 auf die Maastricht-Regeln berufen sollen, eine Brandmauer mit ein paar zig-Mrd. um Deutschland bauen sollen, und alles wäre heute bereits überstanden. Aber sie hat damals den Rubicon überschritten, und ist damit für die Eskalation verantwortlich

  • Hollande hat eben verstanden, dass die Austeritätspolitik der deutschen Kanzlerin auf der ganzen Linie gescheitert ist. Oder hat sich irgend etwas in den letzten 3 Jahren zum Besseren gewendet?
    Ganz abgesehen davon, dass diese Politik offenbar nur den anderen Ländern oktroyiert wird, denn die Deutschen haben ja mit 2 Konjunkturpaketen und Kurzarbeiterregelung genau das Gegenteil dessen gemacht, was sie den anderen zumuten wollen.
    Richtig ist aber dass es wohl besser für alle wäre, wenn Deutschland aus der Eurozone rausgehen würde, als so weiter zu machen wie bisher.

  • Endlich wird mal die Wahrheit gesagt, Bravo und danke für den Artikel.
    Schade ist nur das es den Roten, sowie auch den Anderen Farben egal ist, was mit dem deutschen Bürger passiert.

  • Der Ausstieg Deutschlands aus dem Euro darf auch für die CDU kein Tabu-Thema mehr sein.
    Es geht nicht immer nur um den Euro bzw. "mehr Europa", sondern auch um die Freiheit - die ist ja wohl wichtiger als der Euro, auch wenn ein Ausstieg durchaus Nachteile bringt.
    Abgesehen davon kann man sich sicher sein, dass einige Ländern Deutschland folgen werden, bzw. dass die "anderen" dann überrascht feststellen, dass der Euro eigentlich nicht funktioniert.

    Gratulation zu dem Artikel.

  • Dem kann ich auch nur zustimmen und gehe noch ein wenig weiter und stelle ein paar Fragen.

    1) Was versprechen sich SPD und Grüne hinsichtlich der Wahlen im Jahr 2013 davon, die Schulden der Euroländer zu sozialisieren, 2) wie denken sie die Wähler mit ihrer Politik zu überzeugen und (3) was versprechen sich die Wähler davon, dass deutsche Steuergelder in Zukunft nach Frankreich, Griechenland oder Portugal wandern anstatt im Land zu bleiben? Ich kann es nicht begreifen - inzwischen muss ich immer häufiger sagen, dass die Deutschen einfach nur dumm sind ...
    Die aktuelle Regierung macht wohl einen schlechten Job, doch angesichts dessen was SPD und Grüne jetzt im Wahlkampf von sich geben - es geht wohlgemerkt darum, Wähler zu überzeugen - kann einem nur Angst und Bange werden, wenn man daran denkt, dass diese beiden Parteien ab 2013 die Bundesregierung stellen könnten.

    Metaphorisch gesprochen könnte ich jetzt sagen, dass alle Parteien Schafe sind, Rot-Grün allerdings ein Wolf im Schafspelz, bei dem der Kopf schon zu sehen ist.

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