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Weimers Woche Verkauft das Gold!

Ein Streit um die Sicherheit der deutschen Goldreserven im Ausland ist entbrannt. Doch die Debatte in dieser Form ist lächerlich. Wir sollten besser über eine Radikallösung nachdenken: Alles verkaufen!
156 Kommentare
Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Die Bundesbank besitzt 3396 Tonnen Gold im Wert von rund 150 Milliarden Euro. Das ist nach den USA immerhin der zweitgrößte Goldschatz der Welt. Da ein Großteil des deutschen Goldes bei den Zentralbanken der USA, Großbritanniens und Frankreichs einlagert, ist eine bizarre Diskussion darüber ausgebrochen, ob das denn auch sicher genug sei. Diese Sorge ist ungefähr so interessant wie die Frage, ob der Sandmann seinen Sand wohl aus Deutschland hat. Dabei harrt eine viel wichtigere Frage der Beantwortung: Was machen wir eigentlich mit dem Gold?

Denn seit dem Ende des Goldwährungsstandards von Bretton Woods machen Goldreserven währungspolitisch überhaupt keinen Sinn mehr. Sie helfen weder in guten Tagen eines Booms noch – wie derzeit – in Krisenzeiten einer Schuldenkrise. Sie sind nichts als das tote Kapital der Nation. Einst hart erarbeitet – und nun nutzlos in New Yorker Kellern herumliegend.

Der gewaltige Goldschatz wirft nicht einen einzigen Cent Zinsen ab. Das heißt: Wir verzichten Jahr für Jahr freiwillig auf Milliarden Sondererlöse, die wir bekämen, wenn die Reserve bloß vernünftig angelegt würde.

Es wird also höchste Zeit, den Goldschatz nicht nur mit dem Misstrauen eines nationalen Spießers zu prüfen – man sollte ihn jetzt verkaufen und in verzinsliche Anleihen tauschen.

Nie war der Zeitpunkt dafür so günstig: Denn der Goldpreis ist in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar verfünffacht, und seit einiger Zeit wird Goldpreis von reiner Angst bestimmt, er steigt in irrationale Höhen.

Darum warnt der weltgrößte Fondsanbieter Pimco auch vor einem Zusammenbruch der Angst-Hausse: „Wenn es eine Blase gibt, dann beim Gold”, meint der Pimco-Deutschlandchef Andrew Bosomworth. Sobald in Europa die Sorge vor einem Euro-Crash schwinde, könne der Goldpreis dramatisch einbrechen. Wer also – wie Notenbanken – die langfristige Linie im Auge hat, der sollte lieber jetzt Gold verkaufen. Denn noch nie hätten wir so viel für unsere Reserven bekommen wie derzeit.

Nach dem hohen Verkaufserlös würde Deutschland ein erheblicher Zinsgewinn winken. Da Deutschland und die EZB sich ohnedies entschieden haben, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen und wir unseren Euro-Partnern finanziell helfen müssen, so sollte man das wenigstens mit einem Geschäft zu wechselseitigem Nutzen verbinden.

So könnten wir die Golderlöse in italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen investieren. Die rentieren im Zehnjahresbereich zwischen 4,8 und 8 Prozent. Bei einer geschickten Durchschnittsverzinsung könnte man also mit 10 Milliarden Euro im Jahr an Zinseinnahmen rechnen. Wir würden uns gewissermaßen das Geld für die Euro-Rettung, das wir vorne für Rettungsmaßnahmen ausgeben müssen hinten am Anleihemarkt wieder hereinholen.

Man könnte mit dem Erlösen aus dem Goldverkauf zwar auch auf einen Schlag alle deutschen Städte und Kommunen komplett entschulden (immer noch besser als sie nutz- und zinslos herum liegen zu lassen). Aber die Gold-Anleihe-Tauschoption ist attraktiver.

Auch aus psycho-politischer Sicht. Denn der Vorgang würde auf den Märkten als starkes Vertrauenssignal in den Euro gewertet und die Krise beenden helfen. Zugleich würde das in Südeuropa als ein Akt der Solidarität empfunden.

Kurzum: Anstatt über den Lagerort für deutsches Gold zu zanken, sollten wir endlich etwas aus dem Erbschatz machen. Über die Verwendung der 10 Milliarden Sondererlöse pro Jahr können die Politiker ja dann wieder streiten.

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156 Kommentare zu "Weimers Woche: Verkauft das Gold!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da hat sich wieder einmal einer an einem seriösen Thema versucht, mit dem Ergebnis, daß das HABLA den Schaden hat.

    Wenn sich Herr Weimer anstelle dieses Beitrags bemühen würde, seiner bunten Postille mehr Nachrichten von den Royals zu liefern, wäre uns allen gedient worden.

  • Leute, kommt doch mal von den Palmen wieder runter! Der Artikel kann doch nur als Satire gemeint sein.

  • Auf die Billionen-Scheine aus der Zeit des Deutschen Reichs wäre ich schon scharf, denn die Kosten je nach Qualität einige Hunderter an harten Euros. Also her damit! Das gibt für mich eine bessere Rendite als die 20-€-Goldmünzen. Nachdem sie für Sie ja nur Müll sind, kauf ich Ihnen die Billionen-Scheine gerne für ein Taschengeld ab.

  • @ Schuischel
    Ihr Vergleich hinkt gewaltig! Sie nehmen als Beispiel eine Banknote des Deutschen Reichs, die es massenhaft gibt wie im Handel überteuert angebotene Goldmünzen aus Vanuatu. Warum nehmen Sie nicht einen bankfrischen Schein aus der Hyperinflationszeit von 1923 zu 100 Billionen Reichsmark? Der ist nämlich heute noch mehr wert und seltener als Ihre angepriesene Goldmünze zu einem Goldpreis, der auch mal wieder 30 Jahre brachliegen kann. Auch (Sammler-)Banknoten sind (Anlage-)Sachwerte. Gucken Sie mal in den Pick-Katalog (bitte nicht mit dem Michel-Katalog und seinen Mondpreisen verwechseln). Also ich würde sogar den 1000-Mark-Schein von 1896 des Kaiserreichs bevorzugen. Der ist sogar in gebraucht mehr wert als Ihre Goldmünze. Von Sachverstand zeugt Ihre Auffassung nicht!

  • Also echt, so schlau wie sie sich geben sind sie nun auch nicht.

    Die Nazis waren ihrerzeit in der Mehrheit, personell und auch demonstrativ. ..

    Genau das Gegenteil war der Fall. In der Mehrheit waren politisch nicht intressierte Bürger der Mittelschicht. Danach kamen die Sozialisten.

    Erst durch die unerträglichen, von übrigens amerikanisch-englischen Banken geforderten Zahlungen in "Gold" und nicht in Reichsmark, kam es zu dem fürchterlichen Wirtschaftszusammenbruch im Deutschen Reich.

    Als Hitler damals den Leuten versprach dem ein Ende zu machen, erst dann bekam er den Zuspruch der breiten Masse.

    Und noch was um 1929 bekamen sie für ein paar Unzen Gold einen kompletten Strassenzug mit Villen in bester Berliner Lage.

    Auch kein schlechter Tausch.

  • hi hi, ihre Kommentare werden Ihren Namen stets gerecht.
    Sehr gut, lese ich immer wieder gerne.

  • Er ist ein billiger Auftragsschreiber für Pimco und die Hochfinanz, die gerne alles Gold hätte um dann auf zuerst Papiergeld und dann auf elektronisches Geld / Plastikkarte mit digitalen Nullen drauf umzustellen möchte.
    Er ist eine Witzfigur, wie der Artikel offenbart.

  • Haben sie ein Problem damit das jemand jüdische Bank sagt?
    Dann sind sie ein schlechter Demokrat. Schon mal was von freier Meinung gehört? Von Menschenrechten??

  • Vielleicht ist es dem Autor noch nicht bekannt, aber die EZB und die FED geben kleine bunte Papierscheinchen aus, die sie "Geld" nennen. In den letzten 3 Jahren übrigens mehr als in 30 Jahren vorher zusammen. Das liegt daran, daß die das einfach nach Belieben drucken können, was mit Gold eben nicht geht. Zentralbanken halten zum Ausgleich Währungsreserven, z.B. auch in Gold. Soll die EZB zukünftig um die Stabilität des Papiergeld-Euros zu sichern, Papiergeld-Euros in den Keller legen? Das wäre doch der gespielte Witz...

  • Entschuldigung, aber meint der Autor den Beitrag wirklich so oder ist das ironisch. Er kann doch nicht ernsthaft behaupten, daß Gold eine schlechte Anlage ist, weil es keine Zinsen abwirft. Die letzten 10 Jahre hat es keine Zinsen abgeworfen, aber sich in Euro und in US-Dollar jedes Jahr im Wert mehr gesteigert, als ich woanders an Zinsen in Euro oder US-Dollar bekommen hätte. Was macht der Autor eigentlich beruflich ?

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