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Kommentar Die Unwetterkatastrophe ist ein Schicksalsschlag mit Ansage

Der Klimawandel trifft nicht nur die Menschen in Bangladesch oder auf den Malediven. Er zeigt sich nun auch in Erftstadt, Schuld oder Ahrweiler. Das erfordert Anpassungen.
19.07.2021 - 13:43 Uhr Kommentieren
Zwei Männer sitzen vor einem Haus, dessen komplette Fassade von der Flutwelle fortgerissen wurde. Quelle: dpa
Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz

Zwei Männer sitzen vor einem Haus, dessen komplette Fassade von der Flutwelle fortgerissen wurde.

(Foto: dpa)

Man redet in Deutschland nicht gern über das Schicksal. Natürlich gibt es den persönlichen Schicksalsschlag, eine schwere Erkrankung, einen Unfall, den Verlust eines geliebten Menschen. Aber dass das Schicksal die Menschen in zwei Bundesländern und in den westlichen Nachbarstaaten einmal in kollektivem Leid verbindet, das hat man kaum für möglich gehalten.

Zu groß war der Glaube, in unserer industrialisierten und hochtechnisierten Welt unverletzlich zu sein. Schlimme Ereignisse katastrophalen Ausmaßes, die sich menschlicher Berechnung und menschlichem Einfluss entziehen, die kennen wir aus anderen Teilen der Welt. In Deutschland wähnten wir uns weitgehend sicher.

Schon die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie brüchig das Fundament unseres Glaubens an die eigene Unverletzlichkeit ist. Von einem Markt im chinesischen Wuhan breitete sich ein bis dahin allenfalls Fachleuten vertrautes Virus rasend schnell rund um den Globus aus und traf in Deutschland die Schwächsten und Schutzbedürftigsten zuerst – die Menschen in den Altenheimen.

Vor zwei Jahren hätte es niemand für möglich gehalten, dass eine Seuche ein Land wie Deutschland, das über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt verfügt, so treffen kann. Mehr als 90.000 Menschen haben hierzulande ihr Leben verloren, Tausende leiden unter den Spätfolgen einer Covid-Erkrankung.

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    Und jetzt die Unwetter. Ortsnamen wie Erftstadt, Schuld oder Ahrweiler stehen für eine nationale Tragödie, die so niemand für möglich gehalten hat. Schlammlawinen, Erdrutsche, Krater, die sich auftun und Häuser verschlingen – das kannten wir in dieser Dimension nur von Fernsehbildern aus anderen Teilen der Welt.

    Wurde alles Menschenmögliche getan, um die Tragödie zu verhindern?

    Mehr als 150 Menschen haben ihr Leben verloren, viele werden noch vermisst, Tausende stehen von einem Tag auf den anderen ohne ihr Hab und Gut da. Und während das Wasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen langsam abfließt, richtet sich der nächste bange Blick schon nach Bayern und ins Erzgebirge.

    Natürlich stellt sich jetzt die Frage, ob alles Menschenmögliche getan wurde, um eine solche Tragödie zu verhindern. Aber es ist, man muss es wohl so sagen, eine Verkettung unglücklicher Umstände. Aufsteigende Luftmassen, die wegen der hohen Temperaturen besonders gesättigt sind, dazu fehlender Wind und festgekeilte Hoch- und Tiefdruckgebiete: Bei diesen Wetterlagen entfachen die Gesetze der Physik Naturgewalten, denen sich auch mit dem besten Hochwasserschutzkonzept oder dem ausgefeiltesten Frühwarnsystem nur wenig entgegensetzen lässt.

    Die andere Frage ist, ob der menschengemachte Klimawandel eine Mitschuld an der Katastrophe trägt. Meteorologen sind sich weitgehend einig, dass Extremwetterereignisse, wie wir sie jetzt erleben, auch eine Folge der Erderwärmung sind. Und dass sie mit ansteigenden Temperaturen weiter zunehmen werden.

    Und doch ist es zynisch, jetzt glauben zu machen, dass sich solche Katastrophen verhindern ließen, wenn wir nur noch mehr Tempo beim Klimaschutz machten. Deutschland und die EU haben schon ein sehr ambitioniertes Klimapaket vorgelegt, das Wirtschaft und Gesellschaft eine enorme Kraftanstrengung abverlangen wird. Selbst wenn wir ab morgen kein CO2 mehr ausstoßen würden, könnten sich Tragödien wie die gerade erlebte wiederholen.

    Wir werden lernen müssen, uns an geänderte Wetterphänomene anzupassen

    Die weitere Erderwärmung zu stoppen ist alle Anstrengungen wert. Aber so, wie wir lernen müssen, mit dem Coronavirus und seinen immer neuen Varianten zu leben, so werden wir auch lernen müssen, uns an geänderte Wetterphänomene anzupassen. Der Klimawandel trifft nicht nur die Menschen in Bangladesch oder auf den Malediven, er zeigt sich auch in Kanada oder jetzt in Erftstadt, Schuld oder Ahrweiler.

    Und er erfordert Anpassungen. Das fängt bei der Versiegelung von Böden oder der Ausweisung von Wohnflächen in Risikogebieten an und hört bei der Renaturierung von Flussläufen noch nicht auf. Und wir brauchen ein effektiveres Risikomanagement und Warnsystem, um zumindest eine Wiederholung so hoher Opferzahlen zu verhindern.

    Bei Corona ist es in Rekordzeit gelungen, Impfstoffe zu entwickeln und der Pandemie so zumindest vorübergehend ihren Schrecken zu nehmen. Ein einfaches Gegenmittel gegen Naturkatastrophen gibt es nicht. Das einzig Tröstliche ist der funktionierende Katastrophenschutz, das gute Zusammenspiel aller Rettungskräfte von Feuerwehr über Bundeswehr bis hin zu den ehrenamtlichen Helfern des Roten Kreuzes oder des Technischen Hilfswerks.

    Ihr Einsatz kann gar nicht genug gewürdigt werden. Genau wie die enorme Hilfsbereitschaft von Nachbarn und Freunden, die bei den Aufräumarbeiten anpacken, und von Bund und Ländern, die Millionenhilfen zusagen.

    Ein schwerer Schicksalsschlag hat ganze Regionen Deutschlands heimgesucht. Aber die Menschen sind nicht allein.

    Mehr: „Da hilft auch kein Hochwasservorsorgekonzept mehr“ – Klimaministerin von Rheinland-Pfalz im Interview

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