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Aktivistischer Investor Elliott hätte bei Twitter beißen sollen

Die Investmentfirma Elliott lässt Twitter-Chef Jack Dorsey im Amt. Schade. Im Silicon Valley werden schwache Chefs viel zu selten zur Verantwortung gezogen.
09.03.2020 - 23:26 Uhr Kommentieren
Der Twitter-Chef bleibt weiter im Amt. Quelle: Reuters
Twitter CEO Jack Dorsey

Der Twitter-Chef bleibt weiter im Amt.

(Foto: Reuters)

San Francisco Es ist heute kaum zu glauben, aber Twitter galt mal als ernstzunehmender Konkurrent von Facebook. Im arabischen Frühling 2011 wurde der Kurznachrichtendienst als Organisationstool der Aktivisten in Ägypten und Tunesien weltberühmt und es schien, dass das Unternehmen dahinter die menschliche Kommunikation revolutionieren könnte. Twitter hatte den Hashtag erfunden und – wegen seines Zeichenlimits – das Bonmot als Form des kulturellen Kommentars zu neuen Höhen geführt.

Neun Jahre später zählt Facebook zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Und Twitter-Gründer und -Chef Jack Dorsey hat mit Mühe und zum Preis eines faulen Kompromisses eine Attacke des aktivistischen Investors Elliott Management abgewehrt, um überhaupt im Amt bleiben zu können.

Elliott-Chef Paul Singer wollte Dorseys Kopf – nun bekommt er ein Aktienrückkaufprogramm und neue Aufsichtsratsmitglieder, die den Twitter-Chef und seine wolkigen Visionen in Schach halten sollen. Singer gilt als eiskalter No-Nonsense-Investor – schade, dass er bei Dorsey zurückgezuckt ist. Gerade bei Dorsey.

Der Twitter-Chef macht es einem allzu leicht, ihn als Karikatur des ins Luftschloss entflatterten Gründer-Genies zu zeichnen. Mit seinen Meditationstrips nach Myanmar, seiner Fastenroutine und seinem Plan, ein halbes Jahr nach Afrika auszuwandern wirkt Dorsey selbst unter all den Steve-Jobs-Epigonen im Silicon Valley exzentrisch.

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    Twitter lässt sich nicht als Halbtagsjob führen

    Das wird Dorsey nicht wirklich gerecht. Nach seinem ersten Rauswurf als Twitter-Chef 2008 gründete er einen weiteres Milliardenunternehmen, den erfolgreichen Zahlungsdienstleister Square – ein beeindruckendes Zeichen für seinen Gründergeist. Dass er nun aber seit seiner Rückkehr 2015 Twitter als Halbtagsjob führt, hat dem Unternehmen sichtlich nicht gut getan. Zumal Dorsey schon immer Probleme mit seinen Prioritäten hatte: 2008 feuerte ihn das Twitter-Board, weil er häufig früher das Büro verließ, um Modedesign- und Yoga-Kurse besuchen zu können.

    All das wären irrelevante Anekdoten, wäre Dorsey heute ein guter Twitter-Chef. Er ist es nicht.

    Das Unternehmen hat in den fünf Jahren unter Dorsey unzählige Chancen vergeben, seine kulturelle Bedeutung in Umsatz und Börsenwert umzusetzen:

    • Unter Dorsey stellte Twitter das Kurzvideo-Portal Vine ein, das der heutigen chinesischen Social-Media-Sensation TikTok zum Verwechseln ähnlich sieht.
    • Das Livestreaming-Portal Periscope hätte ein Konkurrent für Amazons Twitch werden können.
    • 2016 investierte Twitter 70 Millionen Dollar in die Berliner Musikplattform Soundcloud und schrieb sie keine zwei Jahre später fast komplett ab.
    • In den USA kaufte Twitter Sportrechte, um seinen Ruf als Live-Plattform zu begründen – und ließ es dann schnell wieder.

    Initiativen und Investments scheitern auch bei Amazon, Facebook oder Alphabet, aber Twitters Pleitenserie unter Dorsey ist einzigartig. Er ist ein umgekehrter König Midas, der vielversprechende Ideen nicht zu Gold, sondern zu App-Store-Leichen macht. Nur um wenige Jahre später zuzusehen, wie dieselbe Idee in den richtigen Händen zur kulturellen Triebkraft mit Milliardenumsatz wird.

    Auch die Twitter-Plattform selbst hat sich unter Dorsey kaum weiterentwickelt. Während Facebook von Marketplace über Dating bis zur VR-Brille Oculus Quest links und rechts neue Produkte auf den Markt bringen, quält sich Twitter monatelang, ob das Zeichenlimit für Tweets angehoben oder eine Korrekturfunktion für Tweets eingeführt werden sollen.

    Seine kulturelle Bedeutung hat Twitter über all die Jahre nicht verloren, dafür sorgen alleine schon Donald Trump, Elon Musk und andere mächtige Twitter-Influencer. Doch die Hoffnung, dass Twitter noch einmal mehr sein könnte als eine Plattform für Nachrichten und Witze, ist längst verflogen.

    Es gibt Hunderte Unternehmenschefs, die für weniger ihren Job verloren haben. Der 2006 gegründete Kurznachrichtendienst ist eines der wenigen großen Unternehmen aus seiner Generation, die sich nicht über eine Trennung von Stamm- und Vorzugsaktien gegen Aktivisten abgesichert haben.

    Also wäre Elliott-Chef Paul Singer genau der Mann gewesen, der Jack Dorsey zur Rechenschaft hätte ziehen können. Und Twitter genau das Unternehmen, an dem vor den Augen vieler kleiner Jack Dorseys im Silicon Valley ein Exempel statuiert hätte werden können. Der Heldenkult um Erfinder wie Dorsey behindert in vielen schwach geführten Tech-Unternehmen notwendige Wechsel.

    Doch ein Exempel ist für Singer nur ein Mittel zum Zweck. Der Investor will in erster Linie Geld verdienen, das tut er nun auch ohne dass Dorsey gehen muss. Schade. Twitter hätte ein Neustart gut getan.

    Mehr: Der berüchtigte Investor Paul Singer, Chef des US-Hedgefonds Elliott, will Twitter umkrempeln. Für CEO Jack Dorsey könnte das gefährlich werden.

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