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Analyse Die Börsen-Kurse steigen nicht trotz, sondern wegen Corona

Geht es um die Realwirtschaft, dann sind die Perspektiven besser als die triste Gegenwart. Hoffnung und mangelnden Alternativen beflügeln die Aktienkurse.
11.11.2020 - 16:22 Uhr Kommentieren
Alle wichtigen Indizes dieser Welt haben sich vom März-Tief erholt und peilen Rekordhochs an. Quelle: dpa
Börse in Frankfurt Main

Alle wichtigen Indizes dieser Welt haben sich vom März-Tief erholt und peilen Rekordhochs an.

(Foto: dpa)

Wie passen Corona und steigende Kurse an den Börsen zusammen, fragten sich viele Börsianer, Analysten und Kommentatoren. Vor allem seitdem sich Dax, Dow und alle anderen wichtigen Indizes dieser Welt fulminant vom März-Tief erholt haben und Rekordhochs anpeilen. Als törichte Ignoranten, die Risiken kurzerhand ausblenden, mussten sich Anleger verunglimpfen lassen.

Wer seit März auf Aktien setzte, schien aus Sicht der Skeptiker einfach nicht sehen zu wollen, was so offensichtlich ist: Corona und der erneute Teil-Lockdown in weiten Teilen der Industriestaaten schwächen die Weltwirtschaft und drücken die Unternehmensgewinne.

Diese sind langfristig der wichtigste Treiber für Aktien, weil es ohne Gewinne keine Erträge und Dividenden gibt und eine börsennotierte Firma so keine Perspektive bietet. Insofern schienen sinkende und nicht etwa steigende Kurse angebracht.

Doch die Kurse stiegen trotz fallender Unternehmensgewinne unbeirrt weiter. Aber sind sie tatsächlich so stark gestiegen? Offenbar nicht, zumindest nicht stark genug, wie wir seit Montag wissen. Die Pandemie hat für lange Zeit den Deckel auf den Börsen gehalten und die Kursentwicklung gedämpft. Das ist abzulesen an der flächendeckenden Kursexplosion.

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    Nicht nur die Aktien der Impfstoff herstellenden Pharmafirmen steigen, sondern so gut wie alle Titel der Unternehmen, die unter den Corona-Beschränkungen leiden. Dazu zählen in Deutschland BASF, Bayer und Fresenius, die um mehr als zehn Prozent zulegten, genauso wie Lufthansa, Airbus, Fraport, MTU und Eventim, die mehr als 20 Prozent nach oben schnellten.

    Und das alles, weil die Hoffnung auf einen Impfstoff besteht, der das öffentliche Leben samt industrieller Produktion, Fliegerei und Veranstaltungen schneller als gedacht zurückbringt.

    Börsen streben mittelfristig nach oben

    Die Kurse werden wohl weiter steigen, solange sich die Impfstoffmeldungen nicht als verfrühte Euphorie entpuppen – und in den USA der demokratische Machtwechsel tatsächlich gelingt. Trotz aller Schwankungen und Rückschläge an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen aufgrund hoher Infektionszahlen und negativer Meldungen aus der Realwirtschaft streben die Börsen mittelfristig nach oben.

    • Sie steigen, erstens, weil allzu einseitige Prognosen, wonach bei einem Wahlsieg des Präsidenten-Herausforderers Joe Bidens der weltweit größten Volkswirtschaft wochenlange Straßenschlachten und eine tiefe Verfassungskrise drohen, nicht eingetreten sind. Präsident Donald Trump mag das Ergebnis nicht anerkennen, doch ändern kann er daran wohl nichts. Das sorgte für massive Käufe der Pessimisten, die zuvor verkauft und auf sinkende Kurse spekuliert hatten.
    • Die Kurse steigen, zweitens, und das ist längerfristig noch viel wichtiger, weil bei Anlegern die Gewissheit herrscht, dass die Wirtschaft nach Corona durchstarten wird. Egal ob es noch zwei, vier oder sechs Monate dauert, bis Massenimpfungen die Pandemie wirkungsvoll eindämmen.

    Aus Sicht der Börse, die nicht die Vergangenheit und die triste Gegenwart beurteilt, sondern stets auf die Zukunft spekuliert, ist Corona schon heute Geschichte. Darauf setzen Anleger jetzt, um nicht zu spät Aktien von Unternehmen zu kaufen, die von einer anspringenden Weltwirtschaft 2021 und 2022 mit steigenden Konzerngewinnen profitieren werden.

    Unberechenbare Politikstil der USA ist Geschichte

    Dazu zählen ganz besonders die vielen auslandsstarken konjunkturempfindlichen Industriekonzerne im Dax um BASF, BMW, Daimler, Henkel, Siemens und Volkswagen. Sie profitieren von den besseren Aussichten der Realwirtschaft.

    Zudem leiden sie mit ihrem starken US-Geschäft nicht mehr unter den Launen eines Präsidenten, der an einem Tag Zölle androht, um sie am nächsten Tag wieder infrage zu stellen, und in der Woche drauf neuerliche Attacken gegen deutsche Exporte fährt. Dieser unberechenbare Politikstil ist Geschichte.

    Starke Gewinnperspektiven führen dazu, dass immer mehr Anleger die kurzfristige Sicht mit Gewinneinbrüchen und Milliardenabschreibungen ausblenden, weil sie rechtzeitig dabei sein wollen. Das gilt umso mehr, als die Anlagealternativen fehlen.

    Daran ändert sich unter Biden genauso wenig wie unter Trump. Es bleibt die Gewissheit, dass die Zinsen rekordniedrig bleiben. Dafür sorgen die großen Notenbanken, allen voran die Federal Reserve in den USA, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan.

    Am Ende bleibt es für Anleger eine Wette mit zwei starken Kaufargumenten: Die Kurse steigen, weil es für Erspartes auf dem Konto und für Anleihen, egal ob von Staaten oder Unternehmen herausgegeben, kaum Zinsen gibt. Sie steigen, weil sich die Perspektiven für anwachsende Unternehmensgewinne immer weiter aufhellen – nicht trotz, sondern wegen Corona.

    Die Pandemie hat die Ausgangsbasis dafür aufgrund der kräftigen Nachfrage-, Auftrags- und Ertragseinbrüche in diesem Jahr erheblich verbessert. Insofern erweist sich Corona jetzt als Beschleuniger für steigende Kurse.

    Mehr: Neuer Optimismus bei den Dax-Konzernen

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