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Analyse Kollaps der Weltwirtschaft oder kräftige Erholung? Beides ist richtig!

Zwischen den neuen Konjunkturberichten von OECD und Weltbank und dem neuen Optimismus vieler Verbraucher und Börsianer klaffen Welten – aber nur scheinbar.
10.06.2020 - 17:57 Uhr 2 Kommentare
Welcher Effekt wie lange das Wirtschaftsgeschehen prägen wird, ist daher schwer vorauszusehen. Quelle: dpa
Kräne in Baden-Württemberg

Welcher Effekt wie lange das Wirtschaftsgeschehen prägen wird, ist daher schwer vorauszusehen.

(Foto: dpa)

Größer kann der Kontrast nicht sein: OECD-Chef Angel Gurria und Chefökonomin Laurence Boone sprechen an diesem Mittwoch vom „Kollaps der Weltwirtschaft“, von hohen Unsicherheiten, vom Virus, das so bald nicht verschwinden wird.

Mit dem aktuellen Wirtschaftsausblick malen sie für alle Industriestaaten dicke Minuszeichen vor die Schrumpfungsraten des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Gleichzeitig herrschte an den Börsen bis zum Dämpfer durch neue pessimistische Einschätzungen der US-Notenbank fast schon überschäumender Optimismus: Etliche Analysten sprachen von der kräftigen Erholung, die jetzt, nach dem Ende der Shutdowns, in Gang kommt. Die Frage liegt daher nahe: Spinnt die eine oder andere Seite? Wie ist die Lage denn nun wirklich?

Tatsächlich haben beide Seiten Recht, die Diskrepanz ist Teil der „neuen Normalität“, nachdem es in den meisten Industriestaaten gelungen ist, die steile Kurve von Neuinfektionen abzuflachen und den Lockdown zu lockern. Die Unsicherheit über den genauen Verlauf der Erholung allerdings ist hoch, weshalb die Börsen wohl noch länger sehr volatil bleiben werden.

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    Die internationalen Organisationen vergleichen Daten aus allen Staaten der Welt. Das braucht Vorlauf. In den Prognosen fehlen so meist die aktuellsten Daten. Hinzu kommt: Unterschiedliche Staaten haben zu unterschiedlichen Zeiten den Höhepunkt der Infizierungswelle durchgemacht. In Asien liegt sie hinter den meisten Staaten, vor allem China lässt die akuten Auswirkungen seit April hinter sich.

    Der April aber ist der Katastrophenmonat für Deutschland und die meisten EU-Staaten gewesen, in Großbritannien und den USA wurde es der Mai. Und die meisten Schwellen- und Entwicklungsländern scheinen das Schlimmste noch vor sich zu haben.

    Internationale Organisationen blicken auch stärker auf die Hürden für den Handel, welche die Pandemie drastisch erhöht hat. Die anhaltenden Restriktionen für die Reisebranche sehen sie nicht nur aus touristischer, sondern auch aus Sicht der Industriebranchen.

    Das „neue Normal“ wird daher wohl lange noch nicht zum reibungslosen Handel und zu normalen Lieferkettenbeziehungen führen.

    OECD-Beschreibung „Kollaps“ ist zutreffend

    Gleichzeitig stimmt auch die Wahrnehmung vieler Bürger, nachmessbar in Konsumbarometern, dass mit dem Ende der Lockdowns der Großteil der Wirtschaft wieder in Gang kommt. Frühindikatoren aus den Industriestaaten weisen deutlich nach oben.

    Im Vergleich zum April wird im Mai die Wirtschaft in Deutschland mit höchster Wahrscheinlichkeit wieder gewachsen sein. Im Vergleich zum Vorjahres-Mai aber wird das BIP weiter sehr schlecht aussehen.


    Und auch, wenn das Schlimmste hinter zumindest der deutschen Wirtschaft liegt, ist die Krise noch lange nicht vorbei, leider. Für etliche Kurzarbeiter könnte noch immer die Arbeitslosigkeit folgen.

    Nicht jedes Unternehmen, schon gar nicht in den Gastronomie- und Veranstaltungsbranchen oder in der Autoindustrie, die länger schon vor einer Strukturkrise steht, kann mit einer schnellen neuen Boomphase rechnen. Aus Sicht von Restaurantbetreibern ist die OECD-Beschreibung eines „Kollapses“ leider zutreffend.

    Arbeitslosigkeit oben auf der Agenda

    Währenddessen blicken andere Unternehmen nach vorne. Die Digitalwirtschaft bekommt einen Push, das Konjunkturpaket wird alle klimanahen Branchen nach vorne bringen, und öffentliche Investitionen können am Bau den Absturz verhindern.

    Gleichzeitig ist gerade für diese Branche längst nicht ausgemacht, wie das Ende des Umzugssogs in die angesagten Großstädte ihre Auftragslage noch verschlechtern wird.

    Welcher Effekt wie lange das Wirtschaftsgeschehen prägen wird, ist daher schwer vorauszusehen. Kommt es zu einer größeren zweiten Corona-Welle im Herbst, dann wird die Erholung wirklich schwer. Bleibt sie aus, spricht viel dafür, dass gerade Deutschland gut aus der Krise kommen wird.

    Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sofort: Der Verlust beim BIP, da sind sich viele Ökonomen einig, wird wohl bis weit ins Jahr 2022 spürbar bleiben. Für die Bundesregierung heißt das: Das Thema Arbeitslosigkeit steht wieder ganz oben auf ihrer Agenda.

    Wie die Leute, die jetzt ihren Job in schrumpfenden Branchen verlieren, möglichst schnell einen neuen in modernen Sektoren finden können, wird entscheidend dafür werden, ob auf diese Rezession ein Boom folgen kann – oder eine längere Stagnation.

    Mehr: Die Weltwirtschaft kollabiert – OECD warnt vor hartem Konjunkturabsturz

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    2 Kommentare zu "Analyse: Kollaps der Weltwirtschaft oder kräftige Erholung? Beides ist richtig!"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein sehr schöner Lesestoff zum Thema ist auf Wikipedia zu finden. https://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenmanie
      und https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Ponzi#Ponzi_scheme
      Momentan ist so viel Geld im Markt. Es kann nur nach oben gehen. Wenn man überhaupt noch von "Markt" reden kann. Er wurde quasi von den Notenbanken abgeschafft. Durch diese Politik findet momentan eine gigantische Umverteilung von "unten" nach "oben" statt. Durch den jahrelangen und jetzt beschleunigten Zugriff der Notenbanken auf stille Vermögensreserven (Renten und Lebensversicherungen) werden enorme Geldmengen frei.

    • "Tatsächlich haben beide Seiten Recht" - da bin ich nicht so sicher. Es wird ja immer klarer, dass der Hype an der Boerse von Daytradern auf Robinhood etc. befeuert wird (siehe etwa https://markets.businessinsider.com/news/stocks/robinhood-traders-betting-stocks-against-veteran-investors-winning-buffett-icahn-2020-6-1029289894). Ein langwieriger Erholungsprozess, eine zweite Welle oder sonstige Risiken (etwa neue Handelshemnisse) sind hier nicht eingepreist. Superriskante Stocks wie GNUS oder NKLA (letztere mit P/E Ratio von 1.167...) erleben sagenhafte Booms. Hertz ist auch so ein verrueckter Fall... Wenn das Zentralbankgeld ausreicht, um solche Uebertreibungen dauerhaft zu finanzieren, laeuft irgendetwas massiv falsch. Ich bleibe bearish - das kann nicht gut gehen.

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