Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Analyse Warum der Anstieg des Ifo-Indexes kein Grund zum Jubeln ist

Der gestiegene Ifo-Index gilt für die Märkte als Entwarnung für die Konjunktur. Doch die Anleger freuen sich zu früh. Für die Industrie sieht es weiterhin schlecht aus.
1 Kommentar
Der Geschäftsklimaindex in Deutschland ist überraschend gestiegen. Quelle: dpa
Hamburger Hafen

Der Geschäftsklimaindex in Deutschland ist überraschend gestiegen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts ist im März nach sechs Rückgängen in Folge für die meisten Analysten überraschend gestiegen, von 98,7 auf 99,6 Punkte. Der deutsche Aktienmarkt nahm das positiv auf, hatte doch der verwandte Markit-Einkaufsmanagerindex am Freitag mit seinem sehr schlechten Ergebnis für kräftige Kursverluste gesorgt. Dort war der Index für die Industrie auf den tiefsten Stand seit 2012 gefallen, und auch der Gesamtindex für die deutsche Wirtschaft hatte merklich nachgegeben.

Der mit 9.000 an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen deutlich breiter aufgestellte Ifo-Index scheint nach dem Markit-Tiefschlag willkommene Entwarnung zu geben.

Nur eine scheinbare Entwarnung

Das ist allerdings nur auf den ersten Blick der Fall. Denn der für die Konjunkturentwicklung bedeutsamste Wirtschaftsbereich, die Industrie, schnitt bei beiden Umfragen sehr schlecht ab. Auch bei Ifo bewerteten die Industrieunternehmen ihre Lage erneut schlechter, und die Beurteilung der Aussichten sank sogar auf den tiefsten Wert seit 2012.

Den Unterschied machten die Dienstleister aus, die in beiden Umfragen ein hohes Gewicht haben und das Gesamtergebnis dominieren. In den Ifo-Gesamtindex geht das verarbeitende Gewerbe nur mit 30 Prozent ein, der Dienstleistungssektor dagegen mit 51 Prozent.

Das Bauhauptgewerbe und der Handel steuern sechs und 13 Prozent bei. Markit weist die Gewichte von Industrie und Dienstleistern im Gesamtindex nicht ausdrücklich aus. Aus den Einzelwerten lässt sich aber ein sogar noch geringerer Industrieanteil am Gesamtindex ableiten als bei Ifo.

Der Richtungsunterschied im März resultiert allein daraus, dass beim Markit-Einkaufsmanagerindex die Dienstleister auf hohem Niveau einen leichten Rückgang auswiesen – und nicht wie bei Ifo eine Verbesserung zum Vormonat. Da die Dienstleister beide Gesamtindizes dominieren, konnten sie somit bei Markit nur den Rückgang des Gesamtindexes kleiner ausfallen lassen als beim Blick allein auf die Industrie. Bei Ifo dagegen sorgte der Anstieg der Stimmung der Dienstleister trotz der deutlichen Verschlechterung in der Industrie für einen Anstieg des Gesamtindexes.

Phil Smith, Principal Economist von HIS Markit, sieht denn auch keine größere Diskrepanz zwischen Ifo-Index und Einkaufsmanagerindex: „Hält man die vergleichbaren Datenreihen nebeneinander, sind die Trends sehr ähnlich“, stellt er fest. Sie zeigten eine Verschlechterung der Geschäftslage von niedrigem Niveau aus in der Industrie und eine gute Geschäftslage im Dienstleistungsbereich, mit kleineren Unterschieden wie der Veränderung zum Vormonat.

Zyklusmacher Industrie

Der Dienstleistungssektor macht zwar auch in Deutschland zwei Drittel der Wertschöpfung aus und ist daher sehr wichtig, aber die Schwankungen der Konjunktur vollzieht er eher nach, als sie zu verursachen. „Die Industrie ist der Zyklusmacher“, beschreibt Ifo-Umfragenchef Klaus Wohlrabe, worauf es für die Konjunkturperspektiven vor allem ankommt.

Und dass der Ausblick für die Industrie sehr schlecht ist, haben Markit-Einkaufsmanager- und Ifo-Geschäftsklimaumfrage für März übereinstimmend ausgewiesen. Dass Dienstleistungen, Bau und Handel noch gut laufen, kann demgegenüber kaum beruhigen, weil diese Wirtschaftsbereiche nur mit Verzögerung auf konjunkturelle Umschwünge reagieren.

Etwas drastischer ausgedrückt heißt das: Wenn die Industrie in die Grütze geht, werden Bau und Handel den Abschwung nicht aufhalten. Und dass es schlecht um die Industrie steht, hat auch der Ifo-Index leider eindrücklich bestätigt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Analyse - Warum der Anstieg des Ifo-Indexes kein Grund zum Jubeln ist

1 Kommentar zu "Analyse: Warum der Anstieg des Ifo-Indexes kein Grund zum Jubeln ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Häring,

    natürlich haben Sie recht. Es gibt keinen Punkt, bei dem ich Ihnen widersprechen wollte.

    Aber vielleicht weiten Sie einmal Ihr Blickfeld. Fragen sich, worunter die Industrie eigentlich leidet. Sind vielleicht die Löhne zu hoch? Oder das Öl und andere Rohstoffe zu teuer? Oder vergeben die Banken keine Kredite? Oder was sonst?

    Sie kennen natürlich die Antwort. Das Gebrechen heißt Verunsicherung der Kunden. Verbraucher und Investoren fühlen sich durch den amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt und durch den Brexit verunsichert und zögern deshalb ihre Kaufentscheidungen hinaus.

    Aus meiner Sicht stellt sich damit die Frage, wie lange diese Verunsicherung der Verbraucher und Investoren noch fortdauern dürfte. Ich bin natürlich kein Hellseher. Aber nach menschlichem Ermessen dürften beide geopolitischen Ereignisse uns nicht jahrelang begleiten. Sie dürften in einigen Wochen zu Ende gehen.

    Unsere Industriefirmen, die in den guten Jahren hohe Auftragsreserveven angesammelt haben, werden diese Wochen der Unsicherheit wahrscheinlich überstehen. Jedenfalls habe ich bislang noch nicht gelesen, dass auch nur eine einzige Industriefirma Kurzarbeit
    angemeldet hätte. Also ganz so schlimm, wie unsere Meinungsmacher in den Medien uns vorgaukeln, kann es um die Industriekonjunktur nicht bestellt sein.