Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Analyse Warum Trump im Ölpreiskrieg zum Vermittler – und Klimaretter werden könnte

Ein grotesk niedriger Ölpreis ist schlecht für die Weltwirtschaft. Russland und Saudi-Arabien müssen zur Raison gebracht werden, um den Ölpreis auf höherem Niveau zu stabilisieren.
02.04.2020 - 11:24 Uhr Kommentieren
Blick auf die Ölraffinerie und Ölterminals Ras Tanura von Saudi Aramco: US-Präsident Trump schaltet sich in den Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland ein. Quelle: Reuters
Saudi Aramco

Blick auf die Ölraffinerie und Ölterminals Ras Tanura von Saudi Aramco: US-Präsident Trump schaltet sich in den Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland ein.

(Foto: Reuters)

Berlin Im Kalten Krieg hat Saudi-Arabien schon einmal das getan, was es auf dem ökonomischen Schlachtfeld heute wiederholt: Das Land flutet den Ölmarkt. Eines war aber damals aber anders: Ende der 80er-Jahre handelten die Saudis auf Bitten der USA. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan wollte durch einen abstürzenden Ölpreis die von ihm als „Reich des Bösen“ diffamierte Sowjetunion wirtschaftlich in die Knie zwingen – und so deren Zusammenbruch herbeiführen.

Das ist diesmal genau andersherum: Denn heute sind es die USA, die ihren engen Verbündeten Riad auffordern, den von ihnen ausgerufenen Ölpreiskrieg sofort zu beenden. Dazu kommt, dass nun US-Präsident Donald Trump als Schlichter im geopolitisch und weltwirtschaftlich fatalen Ölhandelskrieg auftritt. Ausgerechnet der Mann, der sonst Handelskriege anzettelt.

Aber seit Ausbruch der Coronakrise hat sich die Welt geändert, kaum noch etwas ist wie vorher. Plötzlich ist Saudi-Arabien der Gegner. Dabei hatte Trump nach seinem Amtsantritt dem Land als erstes seine Aufwartung gemacht und Milliardenverträge über US-Waffen angedient. Und Russland rückt diesmal an die Seite der USA in diesem merkwürdigen Vielfronten-Krieg.

Gewohnte Welt ist dagegen, dass Trump wieder einmal mit der Waffe droht, die er schon gegen China und Europa eingesetzt hat – Strafzölle. Diesmal soll es saudische Ölexporte treffen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Denn Trump hat ein großes Problem: Die USA brauchen billiges Öl als Schmiermittel für ihre Wirtschaft. Deshalb hatte er in der Vergangenheit immer wieder die Saudis als größte globale Ölexporteure aufgerufen, Preise zu senken.

    Erfüllen sie Trumps Wunsch, ist es auch nicht recht: Denn während Teile der US-Wirtschaft billiges Öl brauchen, benötigt die US-Öl- und -Gasindustrie relativ hohe Preise. Denn ihre Produktionskosten, vor allem für das ökologisch umstrittene Schieferöl und -gas, sind deutlich höher als die, zu denen Saudi-Arabien, Russland und andere konventionell Rohöl und Erdgas fördern können.

    Ökonomisch hat der US-Präsident recht

    Bei einem in den Bereich von 20 Dollar abgestürzten Ölpreis droht der US-Energiewirtschaft der Kollaps. US-Banken und Anlegern, die Anleihen und Aktien der Schieferölbranche gekauft haben oder Kredite an sie vergeben haben, fürchten den Totalverlust.

    Den Bankrott eines ganzen Industriezweiges, weitere Jobverluste in hoher Zahl und eine radikal unzufriedene Wall Street kann sich gerade Trump im Wahljahr nicht leisten. Ausgerechnet jener US-Präsident, der mit Schecks gerade die in der Corona-Schockstarre gefangenen US-Bürger für sich gewinnen will.

    Ökonomisch hat Trump allerdings recht: Ein grotesk niedriger Ölpreis ist schlecht für die Weltwirtschaft. Die Streithähne Russland und Saudi-Arabien müssen zur Raison gebracht werden und zu Fördermengenbegrenzungen, um den Ölpreis auf höherem Niveau zu stabilisieren.

    „Trump muss den Ölpreis stabilisieren, sonst erwartet uns eine Pleitewelle im Ölsektor“

    Niemand ist mit dem Preiskrieg zwischen Moskau und Riad gedient: Die beiden Staaten ruinieren ihre Staatsbudgets, lassen ihre Währungsreserven rasant abschmelzen und schwächen sich so im Kampf gegen das ökonomische Desaster der Coronakrise. Zudem fallen sie so auch immer stärker als Kunden für Importe von Industriewaren aus, ganz gleich ob die aus den USA, China oder Europa kommen.

    Auch Deutschland und die EU müssen sich jetzt an Trumps Seite stellen. Denn die Welt braucht, wo immer möglich, wirtschaftliche Stabilität dringender denn je angesichts der ohnehin riesigen Herausforderungen durch das Coronavirus und der anstehenden Rezession.

    Saudi-Arabien will mit der deutlichen Ausweitung der Ölproduktion seine Marktmacht ausspielen. Saudi Aramco, der weltgrößte Ölkonzern, kann mit Förderkosten von etwa drei Dollar pro Barrel Rohöl so günstig produzieren wie sonst kaum ein anderer Produzent.

    Russische Ölfirmen liegen teilweise bei dem Zehnfachen, US-Schieferölförderer noch mal deutlich darüber, internationale Konzerne wie Exxon-Mobil, Shell, BP oder Total dazwischen. Nur einige andere arabische Scheichs können mit Aramco mithalten. Riad will also Konkurrenz aus dem Markt drücken und über schiere Menge genügend Geld verdienen.

    Trump der ungewollte Klimaretter

    Dieses Vorgehen aber ist für Saudi-Arabien selbst, die Weltwirtschaft und besonders Trump ein hochriskantes Unterfangen. Es muss beendet werden, niemand kann es sich wirklich leisten.

    Vor allem Saudi-Arabien und Russland müssen Mengenbegrenzungen beschließen und so den Ölpreis aus dem kritischen, zu niedrigen Bereich zu holen. Allerdings müssen sich russische Ölkonzerne auch an die Abmachungen halten. Das war in der Vergangenheit oft nicht der Fall. Die russischen Förderer – staatliche wie private – ignorieren häufig die Abmachungen zwischen dem Kreml mit dem Ölkartell Opec.

    Trump muss also auf alle Druck ausüben. So würde er sogar ein bisschen zum Klimaretter, was er ganz sicher nicht im Sinn hat. Denn bliebe Öl auf Dauer so billig wie jetzt, würde keines der großen und viel Energie verbrauchenden Schwellenländer künftig in erneuerbare Energien investieren. Zu verlockend wäre die alte CO2-Schleuder Öl. Und auch Kohle bliebe attraktiv.

    Mehr: Der Kampf um den Ölpreis: Wie sind Saudi-Arabien und Russland aufgestellt?

    Startseite
    Mehr zu: Analyse - Warum Trump im Ölpreiskrieg zum Vermittler – und Klimaretter werden könnte
    0 Kommentare zu "Analyse: Warum Trump im Ölpreiskrieg zum Vermittler – und Klimaretter werden könnte"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%