Angela Merkel Die müde Europäerin

Die Bundeskanzlerin kämpft in der Euro-Krise für deutsche Interessen – und erreicht das Gegenteil. Sie muss begreifen: Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Und sie muss aufhören, so zu tun, als könnten wir zum Nulltarif aus der Krise kommen.
118 Kommentare
Jens Münchrath leitet den zentralen Newsdesk. Quelle: Judith Wagner

Jens Münchrath leitet den zentralen Newsdesk.

(Foto: Judith Wagner)

Empathie ist keine außenpolitische Kategorie. Vielleicht nicht einmal die Solidarität. Allein das Interesse prägt den politischen Kurs gegenüber anderen Staaten. So lehrt es die Geschichte. Und viele Wissenschaftler sind der Auffassung, dass es richtig so ist, da es die Außenpolitik rational und damit berechenbar macht.

Daran gemessen erscheint der europapolitische Kurs der Bundeskanzlerin auf den ersten Blick konsequent. Wie kaum ein Kanzler vor ihr setzt sich Angela Merkel als Anwältin deutscher Steuerzahler in Szene – zum Wohl Deutschlands, wie sie glaubt. Doch das Gegenteil ist richtig. Das Krisenmanagement der Bundesregierung in der Euro-Krise schadet genau dem, wofür es zu kämpfen vorgibt: dem politischen und ökonomischen Interesse des Landes. Der richtige Weg führt in die andere Richtung: Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger. Europa ist nicht das Problem, es ist die Lösung.

Die über Jahrzehnte gereifte Überzeugung, deutsches und europäisches Interesse seien eins, hat an Kraft verloren – auch außerhalb unserer Grenzen. Großen Anteil daran hat die Berliner Diplomatie. Dabei führt uns gerade der gefährdete Euro in aller Deutlichkeit vor Augen, wie eng das Schicksal der EU-Länder miteinander verknüpft ist.

Merkel hat recht, wenn sie sagt, der Euro sei „die Grundlage unseres Wohlstands“. Unrecht hat sie, wenn sie glaubt, mit ihrer rigorosen Europa-Politik die Gemeinschaftswährung vor dem Scheitern zu bewahren. Zwar hat sich die Bundeskanzlerin bislang mit keinem ihrer zentralen Anliegen in der Euro-Krise durchsetzen können. Weder für die automatischen Sanktionen gegen Schuldenstaaten noch für die zwangsläufige Beteiligung privater Gläubiger an den Rettungskosten hat sie Rückhalt gefunden. Aber für Unsicherheit an den Märkten und Misstrauen der europäischen Partner hat sie trotzdem gesorgt.

Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

118 Kommentare zu "Angela Merkel: Die müde Europäerin"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Euro ist ein Sklavenring.

  • ich finde die Antwort "Mehr Europa" auch besser als "Mehr nationales interesse"! Aber das bundesdeutsche Miteinander von bayern, b.-Württemberg, Hessen mit bremen, Saarland, Sch.-Holstein u. berlin kann und soll nicht das Vorbild sein sondern es zeigt im Gegenteil wie man die EU nicht machen sollte. Und den Marsch zum Föderalismus sollte man nicht mit der Vergemeinschaftung des Fiskus beginnen. Seit wann sind Finanzminister die Gestalter und Architekten von Staaten? Nein, Politiken -auch die die Geld kosten!- müssen europäisiert werden, und dabei sollte man auf die klassischen Felder zurückgreifen, in denen einigungswillige Staaten schon immer angefangen haben, nämlich z b Verteidigung, Grenzkontrolle, Außenpolitik, Verkehr und Kommunikation, mit den dazugehörigen infrastrukturen. Einiges davon hat die EU bereits, anderes wie Außen- und Verteidigungspolitik hat sie erst rudimentär. Nur Alimente zu verteilen (bzw dafür gerade zu stehen), solang man etwas zu verteilen hat ? Wie langweilig und integrations-politisch wie gefährlich - schon auf mittlere Frist !

  • Frau Merkel sollte die interessen Deutschlands vielmehr in den Vodergrund stellen als bisher. Eine Ausweitung des Rettungsfonds stärkt nur die unsägliche Transferunion. Auch die angesagte europäische Wirtschaftsregierung wird nur neue Kosten und keinen Nutzen bringen. Der letzte Paukenschlag der EU Kommission gegen deutsches Steuerrecht läßt grüßen. Das einzige was brüssel zu Wege bringt, sind immer neue weitgehend sinnlose Regulierungen. Einen solches Europa braucht niemand in Deutschland und Europa. Je länger es der Politik und ihren befürwortern gelingt, den EURO am Leben zu halten, umso teurer wird die Zeche am Ende werden! Der EURO ist eine Totgeburt, der entweder in der infation oder in der Deflation enden wird!

  • Die EU ist ja bereits eine "Transfergemeinschaft". Man schaue sich mal die Zahlungsströme an. Aber das reicht eben nicht. Man möchte permanent (und ohne lästige Haushaltsdebatten) den soliden Ländern, vor allem Deutschland in die Kasse greifen können. Via
    EURO-bonds, EU-Steuern, EZb-Anleihekäufen etc. Man wird sich schon noch etwas ausdenken. Nicht, dass Deutschland zahlt (zahlen muss) ist das Problem, sondern dass die anderen ungehinderten Zugang zu den deutschen Steuergeldern wollen ......und eben auch, früher oder später bekommen werden ....spätestens 2050 ist dann auch Deutschland pleite und der EURO am Ende .....

  • bei Geld fängt die Freundschaft an.

    Mariana Mayer, Originalspruch

  • Der Umgang mit der Verschuldungskrise in Europa war vom ersten Ansatz her falsch. Man hätte Griechenland direkt aus dem Euro werfen sollen. (ja, das geht. Zumal sich Griechenland die Teilnahme am Euro erlogen hat)
    Aber Frau Merkel wollte den banken ja genügend Zeit lassen die toxischen Staatsanleihen der EZb zuzuschieben. Hat Sie ja nun auch geschafft. Die Umschuldung Griechenlands kann nun also kommen.

    Der Autor des Artikels hat Recht. Zahlen müssen wir sowieso. Und die DM wieder einzuführen hilft auch nicht.
    Aber wir sollten die Zeche nicht zahlen ohne den wahren Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.
    Die banken müssen endlich ihre Geschäftszweige entflechten. Passivgeschäft muss vom investmentbanking getrennt werden. Zugegeben, banken ohne investmentbanking werden keine fetten boni mehr ausschütten. Aber die banken sind auch die Einzigen die darunter leiden.
    Wären die investmentbanken nicht 'too big to fall', dann hätten sie die Risikoaufschläge für Staatsanleihen schon vor Jahren angepasst und die blase wäre nie entstanden.
    Die Zeche für PiiGS werden wir zahlen müssen. Aber nur unter der bedingung das banken in Zukunft abgewickelt werden wenn sie versagen.

  • @Peter Scholz

    Hör auf dagegen zu kämpfen und höre den schlauen Spruch:"bei Geld hört die Freundschaft auf".

    Die PiGS haben rücksichtslos in die deutsche Geldbörse gegriffen und wurden leider zu spät beim Diebstahl erwischt. Aber das Vertrauen ist erstmal für die nächsten 50-60 Jahre weg! Wenn Vertrauen weg ist, dann kann nichts auf der Welt es wieder zurückholen.

    Deswegen ist der "Euro" gescheitert.

  • Lieber Herr Münchrath,

    soviel Müll hab ich lange nicht mehr gelesen.

    Am ehesten erinnert es mich an eine Wahlveranstaltung der "bündnis90/Die Grünen" als es um das Thema Wirtschaftspolitik ging.

    Es fehlt ihnen doch etwas an Weitsicht über den kümmerlichen Horizont hinaus.

    Den Euro retten wird der erste Staat der ein Jahr hinlegt in dem KEiNE neue Schulden gemacht werden.

    Dann erst kehrt Zuversicht ein. Dann erst ist der Weg gewiesen.

    bis das passiert dürfen wir hoffen, daß die USA sich mit den Chinesen arrangieren und der Rest der Asiaten uns nicht mit Rohstoffen erpressen.

    in ihrem Artikel verweisen auf den schwachsinnigen Länderfinanzausgleich, der dazu führt das Sparmaßnahmen als Strafe empfunden werden, weil eingesparte Gelder den Verschwendern hinterhergeworfen werden.

    ich glaube Sie haben viel vergessen oder müssen noch viel lernen.

    Gute besserung


    Artur Gilles

  • [109] Rainer_J,

    kein Argument? Da muß man zwischen den Zeilen lesen.
    Es hat sich herausgestellt, daß keiner so richtig die Europa haben will weil sie inzwischen einen buckel hat. Nur der besoffene Jüngling von der PiGS-Garde ist wegen ein paar Euro bereit und erkennt seinen eigenen Nachteil nicht. Die Euros stecken in einem brodelden bankster-Loch.

  • @Peter Scholz

    Scheinbar sind dir die Argumente ausgegangen.

    Naja, in den letzten Wochen ist das meistgenannte Pro-Euro Argument:"Ein Ausstieg würde es nur schlimmer machen"

    Diese Tatsache zeigt deutlich, wie erbärmlich die Eurobilanz nach 10 Jahren aussieht und welch unsinnige Fehlkonstruktion der Euro ist!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%