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Auch Politiker kommen auf den Geschmack von Weblogs Rote Blogs und schwarzer Humor

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Dabei sein wollen offenbar alle, Weblogs sind das neue Lieblingsspielzeug in Berlin-Mitte. Das bemerkte auch FDP-Präsidiumsmitglied Silvana Koch-Mehrin. Sie bloggt seit Juni für das Internet-Angebot von "Focus". Auf einer Präsidiumssitzung der Partei stellte Hermann Otto Solms die Hierarchie klar: Er habe jetzt auch ein Weblog, erzählte er Koch-Mehrin stolz. In Zusammenarbeit mit AOL - "und die haben viel mehr Klicks". Doch auch er füllt es mit politischen Traktaten und dahinmäandernden Wahlkampfblasen. Nur selten zwinkert bei den Volksvertretern das Private durch, das Überraschende. Etwa wenn sich Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) über einen Sieg des SV Darmstadt freut.

Immerhin ist ihre Partei in Sachen Weblogs besonders aktiv. Man habe den Trend beobachtet, "und wir merkten, dass die Nutzer sich das Internet zurückerobern", erklärt SPD-Online-Bereichsleiter Sebastian Reichel: "Da haben wir uns gefragt: Wie reagieren wir darauf?"

Resultat: Die Plattform "Rote Blogs" mit über hundert Autoren, die gern auch mal schwarzen Humor liefern. Zum Beispiel mit einem fiktiven Angela-Merkel-Blog, in dem auch das TV-Duell protokolliert wurde. "Das war jetzt nicht nett: Edmund Stoiber wurde als mein Freund bezeichnet", heißt es da um 22.03 Uhr am Sonntag.

Klaus Eck, Chef der Internetberatung Econocon und selbst Blogger, rät Politikern, ins Netz zu gehen: "Sie müssen versuchen, den Diskussionsbedarf und die Klicks auf ihre Seiten zu steuern." Besser, dort werde diskutiert als auf einer Plattform, auf die man keinen Einfluss hat.

Gerade die Möglichkeit, auf den Artikel eines Politikers direkt zu reagieren, macht den Reiz von Weblogs aus: Jeder kann anonym seinen Volksvertretern an den Kopf werfen, was er von Angesicht zu Angesicht nicht wagen würde. Und das tun viele, sehr, sehr viele. Schließlich erreichen die Politik-Journale oft gute Klickzahlen, Ministerin Zypries kommt auf über 1 000 Leser täglich.

Diskutiert wird in harschem Ton, weiß FDP-Präsidiumsmitglied Koch-Mehrin: "Teils muss ich mich wegen meiner Haarfarbe oder wegen meines Doppelnamens mit blöden Kommentaren befassen. Ich versuche, das mit Professionalität zu sehen."

Ihre Artikel schreibt Koch-Mehrin selbst, darauf legt sie Wert. Ebenso Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, "weil ich beim Schreiben besser denken kann". Nicht immer aber müssen sich die Parlamentarier selbst an die Tastatur quälen, meint Berater Eck: "Wenn ein Politiker nicht gut schreiben kann, soll das ein Mitarbeiter unter seinem Namen tun."

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