Automobilindustrie In der Umweltfalle

  • Michael Scheerer
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Die Automobilindustrie hat die Klimaschutzpolitik der Europäischen Union lange Zeit nicht wirklich ernst genommen. 1998 verpflichtete sich die Branche, den CO2-Verbrauch von Neuwagen bis zum Jahr 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Dieses Ziel werden sie massiv verfehlen, weil den Konzernen der Wunsch der Kunden immer wichtiger war als umweltpolitisches Vorreitertum. Vor allem die deutschen Hersteller bekommen jetzt die Quittung für ihre Modellpolitik, die bereitwillig dem Trend nach PS-starken SUVs und Sportwagen gefolgt ist. Schicke Boliden verkaufen sich besser als dröge Spar-Vehikel.

Da das Instrument der Selbstverpflichtung versagt hat, führt die EU nun auf gesetzlichem Wege strengere CO2-Grenzwerte ein. Gleichzeitig erwägt sie eine Art Emissionshandel für den Automobilbau. Die Klimasünder müssen zahlen, die anderen, die Höchstwerte einhalten oder sogar unterschreiten, erhalten Gutschriften. Die Kombination beider Vorschläge ist durchaus logisch. Grenzwerte machen doch nur Sinn, wenn ihre Überschreitung mit Sanktionen bestraft wird.

Klar, dass den Konzernoberen in Stuttgart und München angst und bange wird. Es besteht die Gefahr, dass Mercedes, BMW und Porsche dauerhaft Schecks an Fiat und Renault überweisen. Deutschlands Autobauern wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als für die Entwicklung umweltfreundlicher Motortechnik mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Die Branche darf jedenfalls nicht darauf hoffen, dass die Bundesregierung am Ende das Schlimmste verhindert. Angela Merkel hat sich beim G8-Gipfel an die Spitze der Klimaschutz-Bewegung gestellt. Nun soll sie der deutschen Automobilbranche aus der selbst verursachten Patsche helfen? Das wird nicht funktionieren.

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