1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Bundestagswahl 2021: Welcher Kandidat hat die größte wirtschaftliche Kompetenz?

BundestagswahlLeser-Debatte: Welcher Kandidat hat die größte wirtschaftliche Kompetenz?

Die Handelsblatt-Leser debattieren, welche Partei und welcher Kandidat am meisten überzeugt. Lesen Sie hier eine Auswahl ihrer Kommentare. 23.09.2021 - 12:50 Uhr Artikel anhören

Die Auswahl ist groß, doch wem vertrauen Sie am meisten?

Foto: Imago

Wenn der aktuelle Wahlkampf ein Krimi wäre, hätten die Drehbuchautoren stellenweise ziemlich versagt. Dabei ist der Stoff gar nicht so sperrig. Der kommende Sonntag kündigt das Ende einer Ära an. Unter 16 Jahren Angela Merkel (CDU) erreichte Deutschland zwar großen Wohlstand – droht aber gleichzeitig in wesentlichen Bereichen den Anschluss zu verlieren.

In den Zukunftsthemen Digitalisierung und Innovation hinkt Deutschland bereits hinterher, und mit dem Klimawandel hat eine neue Regierung eine Herausforderung, die die kommenden Jahrzehnte prägen wird.

Alle Parteien versprechen hier zwar Lösungen, doch unklar bleibt oft, wie das alles bezahlt und umgesetzt werden soll. Wer auch immer Merkel beerben wird, muss wirtschaftliche Kompetenz mitbringen.

Zuerst muss er – oder sie – die Bevölkerung überzeugen: Armin Laschet (CDU), der auf einen Last-Minute-Sieg hofft, oder Olaf Scholz (SPD), der kühl und staatsmännisch ins Kanzleramt einziehen will. Annalena Baerbock (Grüne) hat kaum noch Chancen auf das Kanzleramt. Klar ist nur eins: Keine der Parteien wird allein regieren können, daher werden in unterschiedlichen Koalitionen auch andere Parteien an der Regierung beteiligt sein.

Natürlich treibt dieses Thema auch die Handelsblatt-Leserschaft um. Täglich erreichen uns dazu Hunderte Briefe, E-Mails, Kommentare und Messages. Eine Auswahl von besonders einprägsamen und überraschenden Zuschriften haben wir hier in unserem Handelsblatt-Forum für Sie gesammelt.

Radikale Energie- und Wirtschaftswende

„Ich spreche Annalena Baerbock und den Grünen die meiste Wirtschaftskompetenz zu. Sie hat/haben erkannt, dass ein Weiter-so langfristig wesentlich teurer wird als eine radikale Energie- und Wirtschaftswende jetzt. Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt und haben gewaltig umgesteuert (zum Beispiel RWE). Die Politik muss hier nur noch nachziehen und nun nachhaltige Rahmenbedingungen festlegen. Die Wirtschaft braucht Klarheit und Planungssicherheit. Ein klarer, schneller und konsequenter Ausstieg aus alten Technologien (zum Beispiel Verbrennungsmotor, Kohleverstromung) wird Ressourcen und Kreativität für Innovationen in nachhaltigen und klimafreundlichen Technologien freisetzen. Die deutsche Wirtschaft kann so an alte Exportschlager anknüpfen und moderne und zukunftsweisende Technologien in weniger entwickelte Regionen verkaufen, um dort einer weiteren Verschärfung der Klimaveränderung entgegenzuwirken.“
Udo Brücher 

Operation am offenen Herzen

„Am ehesten noch der CDU und ihrem Kanzlerkandidaten, da er wenigstens in Teilen verstanden hat, dass es für eine Energiewende mehr braucht als Windräder und Solaranlagen. Und dass es für Deutschland als Exportnation essenziell ist, preiswerten Strom ständig verfügbar zu haben. Im Grunde gleicht die Energiewende einer Operation am offenen Herzen, das haben alle anderen noch nicht mal im Ansatz verstanden. Da wird erst einmal der Ausstieg beschlossen, und wo die Energie der Zukunft bei Dunkelflaute herkommen soll … schauen wir mal, dann sehen wir schon.“
Frank Schott

Mittelschicht im Fokus

„Kompetenz zum Kanzler hat eindeutig Olaf Scholz, und das nicht, weil er aus Hamburg kommt und Regierungserfahrung als Arbeitsminister und Bürgermeister einer Großstadt hat, sondern weil er Wirtschaftserfahrung besitzt und auch die Mittelschicht und die einfachen Leute (zwölf Euro Mindestlohn) bei ihm im Fokus stehen. Annalena Baerbock ist eine gute Agitatorin, muss aber noch reifen. Es fehlt noch die nötige Detailkenntnis und Standfestigkeit von Robert Habeck. Armin Laschet kommt mir vor, als würde er auf einem Karnevalswagen stehen und mit Kamellen – sprich Millionen Euro – nur so um sich werfen. Die CDU, Merkel und Altmaier haben in der Vergangenheit nur an die Industrie und nicht an die Wähler gedacht.“
Horst Raczkowski


Deutschlands Sonderweg führt in ein wirtschaftliches Desaster

„Die Partei mit der größten Wirtschaftskompetenz ist für mich eindeutig die FDP. Umweltschutz muss von Europa, USA, Russland und China gleichermaßen vorangetrieben werden. Deutschlands Sonderweg führt uns in ein wirtschaftliches Desaster, ohne dass die Welt dabei gerettet würde. Vielmehr müssen wir technologieoffen alternative Energien weiterentwickeln und diese international vertreiben und einsetzen. Hier könnte Deutschland in der Tat eine Vorbildfunktion und Vorreiterrolle einnehmen.“
Frank Kirkorowicz


Auf breiter Basis kein wirtschaftlicher Sachverstand

„Meine Antwort ist ganz einfach: Mr. Nobody. Wir haben keine Wirtschaftskultur in Deutschland. Wenn sich Politik, Kultusbürokratie und Lehrer weigern, ein Schulfach Wirtschaft flächendeckend einzuführen beziehungsweise zu vertreten, kann auf breiter Basis, aber auch an der Spitze kein wirtschaftlicher Sachverstand entstehen. Zudem wird gern ‚die Wirtschaft‘ verteufelt. Ein schönes Beispiel gibt es im Zusammenhang mit dem Investieren in Aktien. Schnell wird von Spekulation und arbeitslosem Gewinn gesprochen, dabei aber unterschlagen, dass ein Investor unternehmerische Risiken eingeht – und dafür eine Risikoprämie reklamiert.“
Hans Meierhöfer

Es wird kaum an Finanzierbarkeit gedacht

„Zur Frage der Wirtschaftskompetenz sehe ich die Linke mit Frau Wissler führend. Sämtliche Parteien, vor allem die Union und FDP sprechen von Steuergeschenken und Investitionen, nicht jedoch von deren Finanzierung; beziehungsweise wollen über Schulden finanzieren. Bei dem sogenannten Vierkampf war Frau Wissler die Einzige, die überhaupt über Finanzierbarkeit sprach, und dies auch argumentativ logisch nachvollziehbar. O-Ton: ‚Die alleinerziehende Kassiererin im Supermarkt wird es nicht finanzieren (können).‘ Davon abgesehen sind die Gewinne großer Unternehmen in unserem Steuersystem wohl besser angelegt als bei den Aktionären.“
Martina Germano


Niedriglohnsektor belastet unsere Marktwirtschaft

„Trotz der vielfältig geteilten Meinung, die FDP wäre das Rückgrat der freien Marktwirtschaft, ist es bei dieser Wahl gänzlich umgekehrt. Die hohe Anzahl der im Niedriglohnsektor Angestellten belastet unsere Marktwirtschaft (nachfrageseitig) ebenso wie die marode Infrastruktur und daraus resultierenden langsamen Internetverbindungen. Der Staat muss hier entweder die Kriterien für den Netzausbau überarbeiten und das System der Frequenzversteigerung abschaffen oder selbst den Ausbau in den ‚rural areas‘ vorantreiben – im besten Fall auch außerhalb Bayerns. Den notwendigen Reformdruck und Themenschärfe erkenne ich hier für diese Bundestagswahl am ehesten bei der SPD.“
Philipp Hedwig


Die Hoffnung stirbt zuletzt

„Im Herzen bin ich Sozialistin, die SPD hat aber in der Vergangenheit ihre Werte und Wählerschaft grandios verraten. CDU/CSU und genauer gesagt Frau Merkel, bedeuteten für mich Vernunft und Stabilität, leider wurde und wird hier weiterhin hauptsächlich den Interessen der Vermögenden, jetzigen Rentner, Industrielobbys beigepflichtet, auf Kosten der kommenden Generationen. Man hält am Status quo fest. Zukunftsvisionen sowie Mut zur Veränderung und unpopulären, aber notwendigen Entscheidungen – Fehlanzeige. Nun sind für mich die Grünen dran und Frau Baerbock. Auch sie sollen eine faire Chance bekommen, es besser zu machen oder halt wie die anderen zu versagen. Meine Hoffnung hält sich zwar in Grenzen, sie stirbt aber bekannterweise zuletzt.“
Malgorzata Hanshew


So optimal wie möglich

„Die meiste Kompetenz traue ich einer von Herrn Laschet geführten Bundesregierung zu. Ich setze dabei voraus, dass die Herren Merz und Linnemann sowie Herr Lindner als Koalitionspartner mit im Boot sein werden. Dann hätten wir zumindest das, was in der gegenwärtigen politischen Landschaft als optimal bezeichnet werden muss.“
Peter Hetz


Innovation statt Verboten

„Ich sehe finanzwirtschaftlich die FDP als kompetent und lösungsorientiert. Ich finde, dass Innovation statt Verbote der richtige Weg ist. Steuersenkung für Privatpersonen, Freibetrag für die Grunderwerbsteuer, das sind reale Entlastungen für Familien.
Die Rentenreform der FDP ist richtig, wir müssen langfristig denken, die Börse arbeitet nicht gegen uns, sondern für uns. Bezüglich zwölf Euro Mindestlohn kann man sich noch mit der FDP-Spitze streiten.“
Baris Gecgel


Fehlende Power gegen Lobbyismus

„Die ‚Wirtschaftskompetenz‘ sehe ich schon in der CDU/CSU. Auffällig ist jedoch leider auch die fehlende Power, sich gegen den Lobbyismus durchzusetzen. Da wünsche ich mir doch ab und zu eine Janine Wissler, die so manchen Lobbystuhl im Bundestag entweder aus dem Schlaf rüttelt oder etwas heiß werden lässt. Denn den selbstgefälligen Schlaf in der Politik brauchen wir nicht mehr!“
Reinhold Narewski

Verwandte Themen
FDP
CDU
Deutschland
Annalena Baerbock
Janine Wissler
Armin Laschet

Wenn auch Sie sich im Forum zu Wort melden möchten, dann schreiben Sie uns einen Kommentar zu dem Wirtschaftsthema, das Sie diese Woche am meisten beschäftigt. Per Mail an forum@handelsblatt.com oder auf Instagram unter @handelsblatt.

HB
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt