Contra Hoeneß Uli, bitte abtreten

Die Finals sind gespielt, nun müssen der FC Bayern und seine Sponsoren die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. An diesem Sonntag wäre ein guter Tag für Bayern-Präsident Uli Hoeneß, um abzutreten.
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Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

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Große Männer erkennt man an ihren mutigen Entscheidungen. An diesem Sonntag, wo ganz München im Freudentaumel ist, wäre ein guter Tag für Uli Hoeneß, um sich als Präsident des FC Bayern zu verabschieden.

Nie war die Gelegenheit so günstig wie heute. Viel höher kann selbst für den erfolgsverwöhnten FC Bayern nicht mehr gehen. Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League – alles, was in diesem Jahr zu gewinnen war, wurde gewonnen. Uli Hoeneß, der Mann der den Verein hierhin geführt hat, könnte als Legende abtreten – bevor das Verfahren wegen Steuerhinterziehung, das gegen ihn eingeleitet wurde, den Glanz der Pokale überschattet.

Ein Verfahren, das den Präsidenten des Triple-Gewinners im schlimmsten Fall hinter Gitter bringen könnte. Dass der Bayern-Präsident die großen Auftritte seiner Mannschaft überhaupt im Stadion und nicht in Untersuchungshaft mitansehen durfte, ist nur einer Millionenkaution zu verdanken. Ein Haftbefehl lag vor.

Einen Vergleich der Hoeneß-Verteidiger, der dem Bayern-Präsidenten eine Bewährungsstrafe eingebracht hätte, wurde von der Staatsanwaltschaft bereits abgelehnt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte Hoeneß nach dem Verfahren ein vorgestrafter Steuerhinterzieher sein. Das ist keine Vorverurteilung, sondern die nüchterne Bewertung der bisher bekannten Fakten. Welchem Spitzenmanager, oder welchem Politiker würde man eine derartige Straftat durchgehen lassen? Und wie mutig ist eine Selbstanzeige, die keine Konsequenzen nach sich zieht?

Es geht um mehr als Gerechtigkeit gegenüber den ehrlichen Steuerzahlern, sondern auch um die Glaubwürdigkeit der Sponsoren. Adidas, Allianz, Audi, Telekom und Volkswagen – diese fünf deutschen Großunternehmen sind die größten Sponsoren der Münchener, gleich vier davon sitzen im Aufsichtsrat des FC Bayern. Dass diesen fünf deutschen Vorständen der Mut fehlte, die eigenen Grundsätze einer sauberen Unternehmensführung durchzusetzen, ist peinlich genug für die Deutschland AG. Die Finals sind gespielt: Nun muss es darum gehen, auch die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Es stimmt: Uli Hoeneß ist das Gesicht des FC Bayern. An der Spitze des Clubs ist er scheinbar unersetzlich. Doch das darf kein Argument sein, seine Straftaten zu tolerieren. All seine Verdienste könnten das Strafmaß mildern, nicht aber die eigentliche Tat relativieren. Uli Hoeneß hat den FC Bayern an die Spitze des europäischen Fußballs geführt. Nun muss er die mutigste Entscheidung seines Lebens treffen – und abtreten.

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13 Kommentare zu "Contra Hoeneß: Uli, bitte abtreten"

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  • @thomas

    Es steht doch richtig im Artikel, dass die Allianz zu den Sponsoren gehört. In der Auflistung werden 5 Dax-Konzerne erwähnt und vier davon sitzen im Aufsichtsrat.

    Im Radsport haben sich Sponsoren von Dooping-Sündern distanziert und ihre Sponsorengelder gestrichen. Von der Allianz könnte man nun genau das Gleiche erwarten. Solange ein Fussballverein mit Vorbildcharakter Steuerhinterzieher auf dem obersten Kontrollposten beschäftigt, ist dieser Verein mit Sicherheit ein Vorbild, wie man sich über bestehende moralische Wertvorstellung wie Gesetze/Verpflichtungen gem. Corporate Governance hinwegsetzt. Die Maßstäbe des FCB sind doch mehr als zweifelhaft. Hoeneß selbst unterstreicht mit jedem Tag der Verweildauer auf seinem Posten, dass er die Maßstäbe für sein eigenes moralisches Verhalten auf kriminellem Niveau ansetzt. Mit seinem Abtritt könnte er sich davon distanzieren und seinem Handeln mit der Selbstanzeige Glaubwürdigkeit verleihen.

    Man kann nur hoffen, dass dieser Mann für lange Zeit Kleidung mit einer Nummer trägt und leckere Kantinenkost aus der Gefängniskantine bekommt. Da kann er dann auch gleich resozialisiert werden.

    PS. 3-Streifenanzüge für den Knast kann ihm ja Adidas spendieren!

  • Geld korrumpiert die Macht, welche nur geliehen, stets als Eigenleistung verkauft wird. Solche Lloyds, wie nun auch Hoeneß, sie sind ein vortrefflicher Werbeträger (auch Einnahmen) einer ganz bekannten Klebstoff-Marke. Nicht wirklich oder?

  • Lieber Herr Bay,

    die Allianz ist nicht im Aufsichtsrat vertreten.

    http://www.fcbayern.telekom.de/de/verein/ag/organe/00158.php

    Viele Grüße

  • Gartenzwerg
    Auch das Handelsblatt sollte Realität und Objektivität walten lassen. Weshalb schreiben Sie nicht endlich einmal etwas über die vollkommen untaugliche Struktur der Steuerfahndung - also unter Verantwortung der Bundesländer - in der BRD. Diese Struktur ist geradezu ein Einladung für Steuerhinterziehungen in erheblichen Größenordnungen. Mir geht es nicht darum, die (noch nicht bewiesene) Straftat von Herrn Hoeneß zu verharmlosen, sondern die wesentlichste begünstigende Ursache für derartige Straftaten zu nennen. Die Medien (auch das Handelsblatt!)sind bisher so gut wie nicht auf diese leicht erkennbare Ursache eingegangen. Weshalb eigentlich nicht? Es muss schnellstens die "Zentrale Steuerfahndung der BRD" her.

    Das Buch "Finanzrevisor Pfiffig aus der DDR" wurde u.a. deshalb geschrieben, damit auch der Normalbürger derartige Sachverhalte bzw. Zusammenhänge relativ leicht versteht und dazu noch gut unterhalten wird.

    Nicht nur die Steuerfahndung ist übrigens dringend reformbedürftig. Das gesamte kommunale Prüfungswesen sowie die Wirtschaftsprüfungen gemäß HGB müssen im Interesse des Gemeinwohls vollkommen neu strukturiert werden!




  • Der Klebt am posten wie ein Minister, Macht und Gier, das will er nicht aufgeben. Ein Mensch wie jeder andere, der kleine Hoeness

  • Sperrt diesen Hoeneß endlich ein!
    Neben millionenfacher Steuerhinterziehung einer
    der größten Heuchler und Pharisäer, den diese Republik
    je erlebt hat (".....ich bin ja so doof, ich zahle alle
    meine Steuern....." sagt der Ulli mit treuherzigen Dackelblick
    im Interview....).

  • Der Fall Hoeneß wirkt angesichts der vielen von unseren Politikern veruntreuten Milliarden nur als Ablenkungsmanöver von den echten Problemen. Er passt jedoch wunderbar in die Neidkampagne unserer rotrotgrünen
    Opposition. Unser Steuersystem belastet schon jetzt nur noch die Leistungsträger. Doch solange Steuerverschwendung nicht ebenso hart bestraft wird wie Steuerhinterziehung, solange bleibt Steuerehrlichkeit nur Beihilfe zur Steuerverschwendung.

  • ".....Dax-Vorständen der Mut fehlte, die eigenen Grundsätze einer sauberen Unternehmensführung durchzusetzen,...."
    Ist wohl eine eher lächerliche Aussage, denkt man an die Affäre um Peter Hartz und die mit Sexreisen und Geld bestochenen Betriebsräte im VW Konzern zu dem unstrittig auch Audi gehört, oder nehmen wir die Telekom mit ihrem Anlagebetrug genannt T-Aktie der tausende Existenzen in den Ruin geführt hat.

  • Merkel, Schäuble, Wowereit, Platzek und Steinbrück treten auch nicht zurück. Da geht es um mehr Geld.

    Bevor man einen einzigen Steuerflüchtling verfolgt sollte die Abgeornetenkorruption, wie seit 2003 international eingefordert, in das deutschebStrafgesetzbuch aufgenommen werden.

    Im Gegensatz zu den Politikern ist Herr Hoeneß einsichtig. Ein neuerliches Fehlverhalten nahezu auszuschließen.

  • Nein, es ist anders herum als Sie schreiben. Die Bayern haben ihre Auftritte - eben auch - weil U. Hoeneß als Präsident offenbar in eben jener Tätigkeit gute Arbeit machte. Man sollte den Beteiligten überlassen, wann für was die richtigen Zeitpunkte gekommen sind, das können Außenstehende sehr schlecht eintüten wollen.

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