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Corona-Sorgen An der Wall Street heißt es: Bye-bye Bullenmarkt

Die Angst vor den Folgen des Coronavirus hat in New York den längsten Aufwärtstrend aller Zeiten gestoppt. Jetzt beginnt im Dow Jones der Bärenmarkt.
12.03.2020 - 06:34 Uhr Kommentieren
Elf Jahre lang ging es an der US-Börse aufwärts. Quelle: AP
Die Bullenstatue an der Wall Street in New York.

Elf Jahre lang ging es an der US-Börse aufwärts.

(Foto: AP)

New York Er lief und lief und lief. Der Bullenmarkt, der im März 2009 begann, schien lange Zeit unkaputtbar. Nur ein halbes Jahr nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers sollten die US-Aktienmärkte ihre Tiefststände erreicht haben. Amerika blickt schließlich am liebsten optimistisch in die Zukunft. Unterstützt von der US-Notenbank Federal Reserve, legten die Aktien stetig zu. Zunächst zögerlich. Schließlich waren die Erinnerungen an die Finanzkrise noch so frisch, während der Millionen von Amerikanern nicht nur ihren Job, sondern auch ihr Haus, ihre Krankenversicherung und einen Großteil ihrer Ersparnisse verloren hatten.

Dann jedoch gewöhnten sich die Anleger an die immer neuen Höchststände. Noch im vergangenen Jahr legte der US-Leitindex Dow Jones 23 Prozent zu. Wer nicht in Aktien investierte, war selber schuld.

Am Mittwoch jedoch endete für den Dow der längste Bullenmarkt aller Zeiten. Der Aktienindex schloss bei 23.553,22 Punkten und damit 20,3 Prozent unter dem Rekordhoch, das der Dow am 12. Februar erreicht hatte. Damit hat der Bärenmarkt offiziell begonnen, der per Definition immer dann eintritt, wenn ein Index mehr als 20 Prozent zum letzten Rekordhoch verliert.

Der breiter gefasste S&P 500 ist mit einem Minus von 19 Prozent gerade noch an einem Bärenmarkt vorbeigeschrammt. Doch er könnte schon bald ebenfalls den längsten Aufwärtstrend in seiner Geschichte beenden. Goldman-Sachs-Stratege David Kostin geht davon aus, dass der S&P zur Jahresmitte auf 2450 Punkte fallen wird – das wäre ein Minus von elf Prozent gemessen am derzeitigen Stand und 24 Prozent weniger als noch am Jahresanfang. Unternehmensgewinne könnten um fünf Prozent sinken, wie aus seiner am Mittwoch veröffentlichten Prognose hervorgeht.

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    Der niedrige Ölpreis und Zinsen, die die US-Notenbank Fed noch vergangene Woche außerplanmäßig und deutlich senkte, werden Energiekonzerne und Banken besonders treffen.
    Und das ausgerechnet unter Donald Trump, dem Präsidenten, der den Erfolg seiner Amtszeit so gern mit dem der Aktienmärkte verbunden hat. Der Banken und die Ölindustrie zu seinen engen Verbündeten zählt, die unter ihm lange Zeit besonders stark profitiert haben. In den vergangenen drei Wochen wurden mittlerweile die Kursgewinne von mehr als einem Jahr zunichtegemacht. Und schon am Donnerstag könnte es noch turbulenter werden, glaubt der ökonomische Chefberater der Allianz, Mohamed El-Erian.

    Trump hat am Mittwoch noch alles versucht. Er hat den Rat der wichtigsten Bankenchefs des Landes eingeholt. Und obwohl er bei dem Treffen im Weißen Haus noch desinteressiert wirkte, wandte er sich ein paar Stunden später mit einer für seine Verhältnisse staatsmännischen Rede an die Nation und kündete eine Reihe von Hilfsmaßnahmen an. Doch es war zu wenig, wie die ersten Reaktionen aus Asien, der Futures in den USA sowie die vorbörslichen Kurse in Europa zeigen. Investoren halten die Maßnahmen für nicht weitreichend genug. Europa und Asien für das Virus die Schuld zuzuschieben sei noch kein strategischer Plan, moniert etwa Stephen Innes, Marktstratege des Finanzdienstleisters Axicorp.

    Rosige Zeiten noch zu Jahresbeginn

    Noch im Januar hatten viele Wall-Street-Analysten vorhergesagt, dass der Bullenmarkt mindestens noch ein Jahr halten könnte. Schließlich lag die Arbeitslosenquote auf einem Rekordtief, die Unternehmensgewinne sollten nach einem mittelmäßigen Jahr 2019 wieder steigen, und in einem Wahljahr hat die Regierung ohnehin die Ambition, alles zu tun, um weder Aufschwung noch Bullenmarkt zu gefährden.
    Doch ausgerechnet im Wahljahr haben die Anleger das Vertrauen in Trump verloren, und zwar im Eiltempo. Vom Rekordhoch am 12. Februar zum Bärenmarkt brauchte es nur 19 Handelstage. Der Durchschnitt liegt bei 136 Handelstagen.
    Schon seit Jahren hat die Wall Street gerätselt, was den Bullenmarkt beenden könnte. Vielleicht die Schuldenkrise in Europa 2012? Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten 2016? Das Amtsenthebungsverfahren im vergangenen Jahr? Oder doch der Handelskrieg zwischen Washington und Peking? Immer lagen die Bedenkenträger falsch. Immer wurden die Notenbanken aktiv, um die Märkte zu beruhigen. Noch Anfang des Jahres sorgte ein erstes Handelsabkommen zwischen den USA und China für eine dringend geforderte Pause im Streit um immer neue Strafzölle.

    Nun ist die Antwort klar. Ein Virus hat den Bullen besiegt. Und während Trump vor laufender Kamera noch hofft, dass der Spuk schnell vorübergeht, haben die Investoren längst begriffen, dass Corona langfristige Folgen für Lieferketten und die globale Wirtschaft haben wird und dass die guten Zeiten wohl so schnell nicht zurückkehren werden.
    Auf dem Parkett zeigt sich derweil die menschliche Seite: „Wir können mit Adrenalin umgehen, mit Angst, mit Bären- und mit Bullenmärkten“, sagt Peter Tuchman von Quattro M Securities, dem „Wall Street Journal“, der mit 35 Dienstjahren einer der erfahrensten Händler der New York Stock Exchange ist. „Wir werden nicht emotional, wenn es ums Geld geht. Aber wenn unsere Gesundheit auf dem Spiel steht, dann zehrt das an den Nerven.“ Die CME, die wichtigste Börse für den Derivatehandel, schließt ab kommender Woche das Parkett in Chicago.
    Die Bullen verabschieden sich, und die schwierigen Zeiten – sie fangen gerade erst an.

    Mehr: Lange hat die US-Regierung die Gefahr heruntergespielt. Jetzt will Trump die Wirtschaft mit Milliarden unterstützen und die USA vor Europa schützen.

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