Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise Die Wirtschaft braucht vernünftige Krisenpolitik statt Söders Corona-Populismus

Deutschland muss zielgenau gegen das Coronavirus kämpfen. Tests für alle, wie sie Bayerns Ministerpräsident Söder plant, sind der falsche Weg.
29.06.2020 - 19:10 Uhr Kommentieren
Bei Söders Vorstoß für Corona-Tests nach Gießkannenprinzip stehen Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis. Quelle: AFP
Der bayerischer Ministerpräsident Markus Söder

Bei Söders Vorstoß für Corona-Tests nach Gießkannenprinzip stehen Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis.

(Foto: AFP)

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder unternimmt mal wieder einen Alleingang im Kampf gegen das Coronavirus. Sein Versprechen: Corona-Tests für alle, egal ob die betreffenden Menschen Symptome zeigen oder einem begründeten Infektionsrisiko ausgesetzt waren.

Der CSU-Chef sagt, er wolle den Bürgern Sicherheit geben. Diese Sicherheit sei auch „der wichtigste Konjunkturimpuls“. Eine gewagte These. Denn Söders Corona-Populismus birgt eher neue Unsicherheitsfaktoren, die eine wirtschaftliche Erholung bremsen können.

Unternehmen brauchen eine Krisenpolitik, die mit klarem Blick auf die Risiken angemessene Maßnahmen ergreift, um das Virus so lange in Schach zu halten, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Bayerns Testballon gehört nicht dazu.

In der Anfangsphase der Pandemie beschränkten sich die Tests weitgehend auf Corona-Verdachtsfälle, bei denen Krankheitsanzeichen auftraten. Dieser Ansatz war viel zu begrenzt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Umfangreiches Testen ist beim Aufkommen eines Infektionsherds unerlässlich, um Menschen mit dem Virus schnell zu isolieren, deren Kontakte nachzuverfolgen und die Ansteckungsketten so zu unterbrechen. Deshalb hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den richtigen Weg gewählt, die Testmöglichkeiten auszuweiten. Kliniken und Pflegeheime sollen regelmäßig durchgetestet werden. Gesundheitsämter können auch Tests für Menschen ohne Symptome veranlassen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten – zum Beispiel bei Corona-Ausbrüchen in Schulen oder Schlachthöfen.

    Diese Strategie ist angemessen, weil die Pandemie durch lokale Ausbrüche und klar benennbare Risikogruppen gekennzeichnet ist. Wie die neuen Möglichkeiten verantwortungsvoll eingesetzt werden, zeigt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gerade in Gütersloh.

    Falsche Gewissheit

    Bei Söders Vorstoß für Corona-Tests nach Gießkannenprinzip stehen Aufwand und Ertrag dagegen in keinem vernünftigen Verhältnis. Der Plan könnte sogar kontraproduktiv sein: Denn Massentests quer durch die Bevölkerung vermitteln ein trügerisches Sicherheitsgefühl.

    Ein negatives Testergebnis kann Menschen die falsche Gewissheit geben, virenfrei zu sein – und dann möglicherweise dazu verleiten, es mit den Corona-Regeln etwas lockerer zu nehmen.

    Das Testergebnis ist lediglich eine Momentaufnahme, die den Zeitpunkt der Probeentnahme abbildet. Eine wenige Stunden später erfolgte Infektion fällt schon durch das Raster. Die Tests schlagen außerdem oft nicht an, wenn die Infektion noch ganz frisch ist.

    Fragwürdig sind auch die Motive, die Menschen zu einem Corona-Test bewegen könnten, wenn sie weder Symptome zeigen noch in einem Risikoumfeld unterwegs waren. Dient der bayerische Ansatz dann dazu, vorübergehend das Gewissen besonders ängstlicher Patienten zu beruhigen? Oder vielleicht sogar, um eine fast schon voyeuristische Neugier zu befriedigen, wie es im eigenen Körper an der Corona-Front aussieht?

    Gesundheitsämter und Ärzte werden sich jedenfalls bedanken, wenn sich in der breiten Bevölkerung eine „Ich will mich testen lassen“-Mentalität durchsetzt. Entscheidend für eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung ist, wie häufig und in welchen Abständen die Menschen aus verschiedenen Risikogruppen getestet werden. Darauf muss der Schwerpunkt liegen.

    Corona-Tests als Volkssport ohne medizinischen Nutzen binden dagegen wichtige Ressourcen, die anderweitig dringender benötigt werden. Die Laborkapazitäten in Deutschland sind begrenzt, Reagenzien und andere Arbeitsmaterialien sind wegen der weltweit hohen Nachfrage knapp.

    Sorgen der Krankenkassen sind begründet

    Schon die von Spahn ermöglichte Ausweitung der Tests bedeutet zusätzliche Ausgaben in Milliardenhöhe für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Zwar sollen die Kosten durch einen höheren Steuerzuschuss des Bundes an die GKV abgedeckt werden, die Einzelheiten dazu sind aber noch nicht geklärt.

    In Bayern hat Söder verkündet, dass der Landeshaushalt für Kosten einspringt, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Doch auch bei dieser Finanzierungszusage fehlen bislang Details.

    Die GKV veranschlagt ab Juli pro Corona-Test einen Preis von rund 40 Euro. In Bayern leben 13 Millionen Menschen. Den Freistaat auch nur ein einziges Mal durchzutesten kostet also 520 Millionen Euro. Da nur regelmäßige Überprüfungen sinnvoll sind, könnte für das bedingungslose Testangebot schnell eine noch viel größere Summe zusammenkommen – selbst wenn nur jeder Zweite oder Dritte dieses Angebot wahrnimmt.

    Die Sorgen der Krankenkassen, dass sie zumindest einen Teil der Kosten aus Beitragsgeldern bezahlen müssen, sind nicht unbegründet. Finanzlöcher in der GKV führen mittelfristig zu steigenden Beiträgen, die neben den Versicherten zur Hälfte die Unternehmen schultern müssten.

    Und selbst wenn in Bayern der Staat für die Testkosten vollständig aufkommen würde: Das Steuergeld, das dafür eingesetzt werden muss, könnte viel sinnvoller für die Belebung der Konjunktur verwendet werden als für ein flüchtiges Sicherheitsgefühl.

    Mehr: Für die Kosten von Corona-Tests müssen die Steuerzahler aufkommen. Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

    Startseite
    Mehr zu: Coronakrise - Die Wirtschaft braucht vernünftige Krisenpolitik statt Söders Corona-Populismus
    0 Kommentare zu "Coronakrise: Die Wirtschaft braucht vernünftige Krisenpolitik statt Söders Corona-Populismus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%