Deutsche Bank Ackermanns Verwirrspiel

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Die Botschaft hört ich wohl – aber wie soll ich sie verstehen? Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hat wahrscheinlich in bester Absicht angedeutet, dass er sehr beherzt, wo immer es Zweifel über Wertansätze in der Bilanz gibt, abschreiben, also Verluste buchen will. Nur so, sagt er, können die Märkte wieder Vertrauen zu den Banken fassen – und empfiehlt seinen Konkurrenten daher dasselbe Verfahren.

Die Absicht ist gut. Die Argumentation ist einleuchtend: Nur Transparenz schafft Vertrauen. Und das haben die Banken zurzeit bitter nötig, vor allem gegenseitiges Vertrauen, damit die gegenseitigen Kredite wieder fließen und das ganze Finanzsystem auch wieder ohne Unterstützung der Notenbanken funktioniert.

Doch der Effekt seiner Ankündigung ist zweifelhaft. Denn seither überschlagen sich die Gerüchte. Zunächst ging der Kurs nach oben nach dem Motto: Der Mann zeigt Stärke. Dann als er seine Andeutungen wiederholte und einen Hauch präzisierte, kam plötzlich die Angst vor allzu bösen Überraschungen beim nächsten Quartalsergebnis auf, und zog Gerüchte nach sich, die den Kurs deutlich unter Druck brachten. So hat die angekündigte Transparenz erst einmal Verwirrung geschaffen.

Die US-Banken haben dagegen in der letzten Woche, mit Ausnahme von Bear Stearns, recht unspektakuläre, aber auch nicht sonderlich transparente Quartalsbilanzen veröffentlicht und sind damit von den Märkten gnädig aufgenommen worden. Ist also doch der Ehrliche der Dumme?

Es gibt freilich noch eine andere Lesart von Ackermanns Andeutungen: dass sie eine Gewinnwarnung in Scheibchen in darstellen. Damit die Märkte ihm später ein schlechtes Quartalsergebnis verzeihen – nach dem Motto: war ja nicht ganz so schlimm wie befürchtet.

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