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Deutsche Telekom Ein Spiel mit dem Feuer

Seit fast vier Wochen streiken im Schnitt täglich 9000 Telekom-Mitarbeiter. Sie protestieren gegen den Plan des Konzerns, 50 000 Mitarbeiter in neue Service-Gesellschaften auszugliedern, wo sie 38 statt 34 Stunden arbeiten und gleichzeitig auf neun Prozent ihres Gehalts verzichten sollen. Nun scheint Bewegung in den Konflikt zu kommen.
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Telekom-Beschäftigte demontrieren auf dem Brocken. Quelle: Reuters

Telekom-Beschäftigte demontrieren auf dem Brocken. Quelle: Reuters

Die Telekom bietet den Mitarbeitern eine Erfolgsbeteiligung und Boni an, um die geplanten Gehaltskürzungen abzufedern. In der Ausgestaltung der Erfolgsprämie kommt die Telekom Verdi entgegen und hat auch persönliche und nicht nur ökonomische Ziele in den Katalog aufgenommen. Zudem schlägt der Konzern eine systematische Qualifizierung seiner Mitarbeiter und neue Aufstiegsmöglichkeiten für die Service-Beschäftigten vor. Der Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger hat das Kalkül dieser Vorschläge selbst treffend beschrieben: Es ist der Versuch, um das Hindernis herumzugehen, wenn man es schon nicht aus dem Weg räumen kann. Denn in der Sache bleibt die Telekom hart: Weder bei den Arbeitszeiten noch bei den Gehaltskürzungen zeigt sie Bewegung.

Das nun präsentierte Kompromissangebot würde dennoch beiden Seiten erlauben, das Gesicht zu wahren. Verdi hat zwar immer wieder betont, dass mit ihr ein Griff in die Portemonnaies der Beschäftigten nicht zu machen ist. Mit einem System von Leistungsanreizen könnten aber zumindest diejenigen ihre Einbußen abfedern, die besonders großen Einsatz zeigen. Verdi hat auf die Vorschläge zunächst skeptisch reagiert. Anders als in der Vergangenheit hat die Gewerkschaft sie aber auch nicht gleich in Bausch und Bogen verworfen.

Gewerkschaft und Telekom täten gut daran, die offiziellen Verhandlungen wieder aufzunehmen: Beide haben ohne eine Einigung in dieser Auseinandersetzung mehr zu verlieren als zu gewinnen. Die Telekom kann die Ausgliederung zwar auch gegen den Willen von Verdi durchsetzen. Dazu müsste sie die betroffenen 50 000 Service-Kräfte anderen Einheiten des Konzerns angliedern, in denen bereits ähnliche Konditionen gelten, wie sie das Unternehmen mit Verdi verhandeln wollte.

Der Konzern hätte in dem Fall aber gleich drei Probleme: Zum einen würde er den Konflikt mit Verdi und vor allem mit großen Teilen der eigenen Belegschaft zementieren. Es ist schwer vorstellbar, wie sich unter diesen Umständen der Service verbessern lässt, der nicht zuletzt auf freundlichen und engagierten Mitarbeitern fußt. Zum Zweiten würde die Telekom damit den Großaktionär Bund brüskieren, der sowohl auf die Einhaltung der Sparziele als auch auf eine Einigung mit Verdi pocht. Und drittens würde der Konzern nur das untere Ende seines Sparziels von 500 bis 900 Mill. Euro erreichen. Der Grund: Die Tarifverträge, die dann für die technischen Mitarbeiter gälten, liegen nur gut zwei Prozent unter deren derzeitigem Gehaltsniveau. Und die Techniker machen 80 Prozent der Service-Kräfte aus.

Aber auch Verdi und die Mitarbeiter haben ohne Kompromiss viel zu verlieren. In ihrem Verhandlungsangebot hat die Telekom einen Kündigungsschutz bis 2011 festgeschrieben. Ohne Einigung würde nur für die Call-Center-Mitarbeiter, die 20 Prozent der Betroffenen ausmachen, bis 2009 ein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bestehen. Die Techniker stünden ganz ohne Schutz da.

Telekomchef René Obermann hat bereits angekündigt, dass er ohne eine Einigung zumindest Teile der Service-Sparte verkaufen will, um die Kosten zu senken. So hoch wie die Gehälter der Telekom im Wettbewerbsvergleich sind, wäre es für den Konzern vermutlich billiger, den Service an externe Dienstleister auszugliedern. Zwar ist unklar, ob der Aufsichtsrat Obermann für einen Verkauf grünes Licht geben würde. Schließlich hat der Bund als Großaktionär maßgeblichen Einfluss auf die Beschlüsse des Gremiums. Und ob er angesichts des hohen Anteils von Beamten einem solchen Schritt zustimmen würde, ist nicht sicher.

Ausgeschlossen ist es aber nicht. Denn auch Berlin hat ein Interesse daran, dass die Telekom wieder auf die Beine kommt und sich der Aktienkurs erholt. Das ist ohne beherzte Reformen aber nicht möglich. Im Inland steht die Telekom mit dem Rücken zur Wand: Kundenverluste im Festnetz und Preiskampf auf dem DSL- und Mobilfunkmarkt lassen Umsätze und Gewinne schmelzen. Vor diesem Hintergrund sollte sich Verdi gut überlegen, ob es sich lohnt, weiter mit dem Feuer zu spielen.

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