Dow Jones Kommentar: Restrisiko Murdoch

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Wenn Rupert Murdoch auf der Ziellinie nicht doch noch stolpert, wird er demnächst den Wirtschaftsverlag Dow Jones in seine Trophäensammlung aufnehmen können. Der Verkauf des Familienunternehmens an den von Murdoch kontrollierten Medienkonzern News Corp. ist so gut wie sicher. Der 76-jährige Zeitungsmonarch hat die Mehrheit der Eigentümerfamilie Bancroft mit seiner ebenso genialen wie wahnsinnig hohen Offerte von fünf Mrd. Dollar auf seine Seite gezogen.

Die Bancrofts haben sich in den vergangenen vier Monaten wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Erst wollten sie gar nicht mit Murdoch reden, dann haben sie sein Angebot mehrheitlich abgelehnt. Ein Sinneswandel brachte sie dann doch noch an den Verhandlungstisch. Bis zum Schluss blieb die Familie jedoch heillos zerstritten. In der Sache war es ein ehrenvolles Ringen. Schließlich ging es um die journalistische Unabhängigkeit des „Wall Street Journal“. Am Ende hatte Murdoch jedoch die besseren Karten, weil es keine echte wirtschaftliche Alternative für Dow Jones gibt.

Die Familie hat weder die Mittel noch die unternehmerische Kraft, Dow Jones in die digitale Zukunft zu führen. So musste sie am Ende zwischen zwei Risiken abwägen. Entweder Murdoch die Tür öffnen und damit Gefahr laufen, dass er sich trotz gegenteiliger Versprechungen in die Belange der Redaktionen einmischt. Oder aber das Angebot von News Corp. ausschlagen und damit Dow Jones in eine ungewisse wirtschaftliche Zukunft schicken.

Einen idealen Ausweg aus dieser Zwickmühle gab es nicht. Mit ihrer Entscheidung für den Verkauf beweist die Familie Realitätssinn. Glücklich ist sie damit sicher nicht. Muss Dow Jones doch jetzt mit dem Restrisiko Murdoch leben.

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