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Elster und Co.Die Vögel beim Finanzamt – Von den Hobbys kreativer Steuerbeamter

Die Suche nach heiteren Bezeichnungen für triste Steuervorgänge zählt offenbar zu den Hobbys kreativer Finanzbeamter. Ein Auszug – und eine Empfehlung für Steuerzahler.Teresa Stiens 29.12.2022 - 12:33 Uhr Artikel anhören

Amtsdeutsch für: Referenzierung auf Belege.

Foto: Handelsblatt

In der deutschen Finanzverwaltung gibt es ein sagenumwobenes Krustentier. Die Rede ist von der „Languste“, kurz für Liegenschafts- und Grundstücksdatenbank. Sie soll den Katasterämtern den Weg aus dem digitalen Dickicht des Datenchaos ebnen, das die Grundsteuerreform hinterlassen hat.

Da die deutschen Behörden aber bis zu 14 Jahre brauchen, um eine solche Datenbank aufzubauen, existiert die „Languste“ bislang nur auf dem Papier. Da ist es gut, dass immerhin schon einmal ein eingängiger Name für das Projekt gefunden ist.

Die Suche nach heiteren Bezeichnungen für triste Steuervorgänge zählt offenbar zu den Hobbys kreativer Finanzbeamter. Täuschen sie doch auch darüber hinweg, wie oft in der Verwaltung immer noch auf Aktenberge statt auf digitale Datenbanken zurückgegriffen wird. Denn in einer Welt voller possierlicher Projektnamen kann man schlecht jemandem böse sein.

Viele Vögel und ein Busch

Neben dem diebischen Vogel „Elster“ (elektronische Steuererklärung), den die Bürgerinnen und Bürger wegen seiner Spitzfindigkeit bereits kennen, existiert in deutschen Behörden noch weiteres, weniger bekanntes Federvieh. Da sind etwa der „Rabe“ (Referenzierung auf Belege) oder die „Nachdigal“ (Nachreichung und Miteinreichung von digitalen Belegen und Beiblättern), die lahmende Steuerpflichtige beflügeln sollen. Zu finden sind diese Vögel aller Wahrscheinlichkeit nach in einem „Ginster“ (Grundinformationsdienst Steuer).

Dabei ist es bereits „Konsens“ (Koordinierte neue Software-Entwicklung der Steuerverwaltung), dass witzige Namen für Scanverfahren, wie etwa „Sesam-SteuBel“ (Steuererklärungen scannen, archivieren und maschinell bearbeiten – steuerliche Beleglesung), am Schreibtisch der Steuererklärenden mindestens große Vorfreude, wenn nicht gar eine frenetische Ekstase auslösen. Zu hoffen ist, dass sie dabei „elastik“ (elektronische Akte Steuer) bleiben.

In der Finanzverwaltung die Abkürzung für elektronische Steuererklärung.

Foto: Handelsblatt

Doch es menschelt auch in der Finanzverwaltung. So lässt sich dort immer öfter die „Diva“ (digitaler Verwaltungsakt) antreffen. In seltenen Fällen ist auch Herr „Boris-D“ (Bodenrichtwerte-Datenbank) zugegen. Wer angesichts dieser vielen Abkürzungen den Überblick verliert, kann sich dem Arbeitskreis „Triangel“ anschließen. Erste Aufgabe dieses Gremiums ist es herauszufinden, wofür die eigene Abkürzung eigentlich steht.

Bei so viel Einfallsreichtum der Finanzverwaltung vergessen wir Bürgerinnen und Bürger schnell den Frust durch Grundsteuererklärung oder Einnahmenüberschussrechnung. Da wäre es doch nur fair, die Euphorie kreativer Abkürzungen einmal an die Beamten zurückzugeben.

Etwa, indem wir dem Finanzamt die Anlage „Mandelmilch-Stefe“ zukommen lassen. Das steht für „Macht endlich meinen Steuerbescheid fertig“.

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Erstpublikation: 28.12.22, 18:19 Uhr.

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