Euro China mischt sich ein

China bereitet die Politik des lockeren Geldes in den USA schon erhebliche Probleme. Sollte auch noch der Euro in eine tiefe Krise stürzen, bräche das Finanzkonzept Pekings schnell zusammen
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Christoph Rabe ist Kolumnist. Quelle: Pablo Castagnola

Christoph Rabe ist Kolumnist.

(Foto: Pablo Castagnola)

Allmählich wird die Euro-Krise selbst den Chinesen unheimlich. Daher wollen sie jetzt weiteren in Not geratenen Euro-Ländern beistehen. Überraschen kann die Ankündigung nicht, haben die Chinesen über die vergangenen Jahre doch erhebliche Beträge in die europäische Gemeinschaftswährung als Alternative zum Dollar investiert. Den Euro stützen sie aus reinem Eigeninteresse: Sie wollen den Wert ihrer Reserven erhalten. Und nur wenn die Europäer ihre Verschuldung in den Griff bekommen, ihre Haushalte sanieren und ihren Bürgern genügend Geld für Konsumausgaben bleibt, kann China seinen auf Exporten fußenden Wachstumskurs weiter verfolgen.

China sitzt auf einem 2,6 Billionen Dollar hohen Berg an Devisen und setzt die daraus abgeleitete Macht immer stärker strategisch ein. Das spüren nicht nur die Amerikaner, sondern nun auch die Europäer. Klar wie selten fordert Peking mehr Einigkeit bei der Überwindung der Euro-Krise. Doch hinter der Fassade der Stärke schimmert die zunehmende Nervosität Pekings durch. China bereitet die Politik des lockeren Geldes in den USA erhebliche Probleme. Die Dollar-Schwemme spült immer mehr spekulatives Kapital nach China und heizt dort die Inflation an. Sollte auch noch der Euro in eine tiefe Krise stürzen, bräche das Finanzkonzept Pekings schnell zusammen. Denn mit den Dollar- und Euro-Reserven plant China, den nächsten Entwicklungssprung des Landes zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit zu finanzieren. Ein Sprung, mit dem das Reich der Mitte sich endgültig in die Liga der Industriestaaten katapultieren will.

Pekings Anlagen in Dollar und Euro und die deutlichere Sprache seiner Diplomaten zeigen aber auch, wie stark die Abhängigkeit der großen Wirtschaftsnationen voneinander in der Globalisierung geworden ist. Das betrifft nicht nur die Handelspolitik. Inzwischen entfalten auch nationale Entscheidungen zur Geld- und Haushaltpolitik globale Wirkung. Und zwar mit einer Wucht, die in China bislang sorgsam gepflegte Prinzipien vom Tisch fegt. Einmischung in die inneren Angelegenheiten von Handelspartnern hat Peking bislang tunlichst vermieden. Doch die von der globalen Finanzkrise ausgelösten Wellen erreichen nun auch das mühsam abgeschottete China. Da bleibt kein Platz mehr für falsche Tabus.

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7 Kommentare zu "Euro: China mischt sich ein"

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  • Chinesische Geldanlagen haben mit Wohltätigkeit nichts zu tun. China spekuliert genau wie alle anderen. Griechische Anleihen bringen 12%, portugiesische 7% Rendite. Deutsche bundesanleihen hingegen kaum 2,5% und amerikanische noch weniger.

  • @[5] Odysseus, der Listenreiche,
    was Sie da als Grund der Schwierigkeiten angeben stimmt zum Teil, vor allem die Rüstungsimporte aus Deutschland und Frankreich sollen hier erwähnt werden. Aber diese Gründe wurden von deutscher Seite angegeben, um von den wahren Gründen abzulenken. inzwischen und auch weil so viele andere Euroländer auch in Not geratenen sind, hat man einsehen müssen dass der Grund im Euro-Wirtschaftssystem selbst liegt. Kein Finanzexperte, auch kein Deutscher, verkennt das Problem. Es wird nur noch über die Lösungen gestritten. Mein Vorschlag: eine gerechtere Arbeitsteilung innerhalb der Eurozone. im Moment herrscht das Gesetzt des Stärkeren. Da ist aber keine Gemeinschaft mehr dann. Auch belgien ist im b-PiGS-Klub jetzt aufgenommen worden. Ärgerlich für die boulevardmedien, Olivenländer, PiGS, Südländer Etc., das funktioniert nicht mehr. Weder in belgien noch in irland wachsen Oliven und im Süden liegen sie auch nicht.
    Es scheint irgendwie genetisch bedingt dass sich die Deutsche immer überschätzen, die berühmte Herrenrassensage? Oder nur Fehlurteil?

  • @Arminius
    "Die in Not geratenen Euroländer" ist nett formuliert.Es waren die kriminellen Machenschaften der griechischen Regierung(nicht des griechischen Volkes) und der Schichten in Griechland, die davon profitiert haben, die Europa erst in diesen Schlamassel gebracht haben.Dazu von ihnen nie ein Wort. Sie sind mir ein schöner "Europäer".

  • interessanter Auftritt der "Strategen".Versammelt sind
    Euroland,China,USA,indien. Fehlt nur noch Pakistan und Russland. Hier ist ein "bismarck" gefragt und sein Spiel mit den fünf Kugeln.

  • Das haben wir nur dem National-Egoismus und dem wieder erwachten Nationalismus zu verdanken.
    Wer hat ernsthaft gedacht dass die in Not geraten Euroländer nicht Hilfe aus China annehmen würden wenn Hilfe von innen (Frau Merkel im Namen Deutschland) schon ausgeschlossen wird. Man denke auch an den Vorschlag, inseln zu verkaufen oder Pleiteländer raus zu schmeißen, auch aus Deutschen-Land.

  • Gott hat allen Verstand der einst maechtigen Deutschland im Sand begraben.Schauts euch nur wie das Land von unnutzigen Volk ausgebeutet wird, wie die Kultur immer am Rande geschoben wird , wie der biLLiG Spleen die Wirtschaft ausgerottet hat. WANN WACHT DiESES LAND ENDLiCH AUF und versteht den Wert ihrer Grossvaeter zu wuerdigen die das Land aus der Ruinen der Weltkriegen zu industrielaender gemacht haben und das darin ebenso eine Hochwertige Zukunft zu spiegeln ist. Verkaufts das Land nicht zu billig an die Chinesen-oder einem anderen denn es wird eine grosse Nation kaputt machen.Kommentar aus indien von einem inder

  • Toll, die westlichen Länder verkaufen sich an das rote China. Schon mal nachgedacht wie die Folgen sind? Ja, nun könnt ihr weiter mit den Schulden machen, China rettet uns alle, diktiert uns aber bald unseren Lebensalltag, da unser Wohlstand dann von China abhängt. Und Politik war schon immer käuflich.

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