Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

EZB Draghi hat zu viel versprochen

Der Präsident muss Kompromisse eingehen, um sein Versprechen einzulösen. Dabei könnte von seinem ursprünglichen Plan nicht mehr viel übrig bleiben. Draghi hat den Widerstand unterschätzt.
05.09.2012 - 19:48 Uhr 8 Kommentare
Sven Afhüppe Quelle: Frank Schemmann für Handelsblatt
Der Autor

Sven Afhüppe ist Handelsblatt-Chefredakteur.

(Foto: Frank Schemmann für Handelsblatt)

Die Macht eines Notenbankpräsidenten ist auch die Macht seiner Worte. Dessen war sich EZB-Chef Mario Draghi Ende Juli sehr wohl bewusst, als er vollmundig verkündete, die Europäische Zentralbank werde "alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten". Auf die verbale Entschlossenheit des obersten Währungshüters reagierten die Finanzmärkte erleichtert. Doch bis heute ist unklar, wie die EZB an den Finanzmärkten intervenieren will, um die hohen Zinsaufschläge in den Griff zu bekommen. Und mit jedem Tag der Ungewissheit schwindet die Glaubwürdigkeit von Draghis Worten.

Klar scheint nur, dass der Notenbankpräsident doch nicht bereit ist, die "Bazooka" auszupacken und die Gelddruckmaschine anzuwerfen, wie es einige Südländer vehement fordern. Das neue Kaufprogramm für Staatsanleihen von Problemländern wie Spanien und Italien soll im Gegenteil strengen Konditionen unterworfen werden. Draghi selbst hat bereits angekündigt, dass die EZB erst dann einschreiten will, wenn das betroffene Land zuvor einen Hilfsantrag beim Europäischen Rettungsfonds gestellt hat. Zudem will er nur Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren am Sekundärmarkt kaufen. Der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen verlangt sogar, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) zwingend am Hilfsprogramm für ein Euro-Land beteiligt werden muss. Nicht entschieden ist zudem, ob sich die Notenbank intern auf kritische Zinsschwellen verständigen wird, ab denen sie eine Intervention zugunsten eines Pleitestaats für ratsam hält.

Der Wirrwarr um die weiteren Rettungsinstrumente der Notenbank wächst fast täglich. An den Finanzmärkten gibt es erste Zweifel, ob Draghi auch liefern wird. Kann man sich auf die EZB als letzten Rettungsanker trotz gegenteiliger Versprechen doch nicht verlassen?

Schuld an dem kommunikativen Desaster ist Draghi selbst, der sein "Wir-werden-alles-tun-Versprechen" nicht mit den nationalen Notenbanken abgesprochen hatte und nun erkennen muss, dass der Widerstand gegen seine Pläne wächst. Längst wettert nicht nur Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gegen die Neuauflage eines Staatsanleihe-Kaufprogramms der EZB. In den internen Sitzungen kritisieren auch andere Länder wie Luxemburg, Österreich, Finnland und die Niederlande die Rettungspläne. Mittlerweile sind die Bedenken so groß, dass sich der EZB-Präsident nicht sicher sein kann, ob ihm bei der anstehenden Sitzung des Notenbankrats an diesem Donnerstag nicht nur der deutsche Stabilitätsapostel Weidmann, sondern auch andere Notenbankchefs die Gefolgschaft verweigern. Selbst wenn sich Draghi einer Mehrheit im EZB-Rat sicher sein kann, wäre es ein verheerendes Zeichen, sollte ein Drittel gegen seine Strategie stimmen. Eine Spaltung der EZB in ein Nord- und Südlager würde die Glaubwürdigkeit der Europäischen Notenbank dauerhaft schwer beschädigen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Um ein Auseinanderbrechen der Währungsunion auf der Ebene der europäischen Notenbank zu verhindern, muss Draghi offenbar so viele Kompromisse eingehen, dass von seinen Ursprungsplänen nicht viel übrig bleibt. Der Vorgang zeigt nicht nur, wie begrenzt die Macht des Notenbankpräsidenten ist. Er zeigt auch, dass Draghi die Rebellionsbereitschaft einiger Notenbanker, denen die strikte Einhaltung des EZB-Mandats wichtiger ist als die Finanzierung von Schuldenstaaten mit den Mitteln der Notenbank, unterschätzt hat. Es wird Zeit, dass die EZB zu den Zeiten zurückfindet, in denen die Entscheidungen der Notenbanken einstimmig getroffen wurden. Der fehlende Konsens über die richtige Lösung der Euro-Krise ist der Grund für die mangelnde Schlagkräftigkeit der Notenbank.

    Startseite
    Mehr zu: EZB - Draghi hat zu viel versprochen
    8 Kommentare zu "EZB: Draghi hat zu viel versprochen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • +++ Beitrag von der Redaktion entfernt +++

      Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:

      „Nicht persönlich werden“

    • 'whoknows' sagt
      ----------------
      Sorry, mit vertragswidrigen Aufkäufen von Staatsanleihen sorgt die EZB nicht für Stabilität sondern sie verstößt gegen ihre Statuten.
      ----------------

      Ich würde es begrüßen, wenn auch Sie 'mal langsam zur Kenntnis nehmen würden, daß das Verbot des Erwerbs von Staatsanleihen im Artikel 123 EUV AUSDRÜCKLICH auf den DIREKTEN Erwerb VON DEN EMITTENTEN beschränkt wurde.

      Weshalb der Ankauf an Zweitmärkten, wie von der EZB durchgeführt, in keinster Weise "vertragswidrig" ist oder "gegen ihre Statuten verstößt".

    • Draghi hat es mit seinem "kommunikativen Desaster" (O-Ton Afhüpe) immerhin geschafft, die "Märkte" (bekiffte Dummzocker in London, Frankfurt und New York) 6 Wochen lang ruhigzustellen.

      Damit hat er Spanien und Italien das x-tausendfache seines Gehalts gespart, ohne daß es Deutschland oder die EZB auch nur einen einzigen Euro-Cent gekostet hätte.

      +++

      Das Draghi mit seinen Bemerkungen eine intensive öffentliche Diskussion über das Für und Wider aller möglichen Varianten der neuen EZB-Feuerwehr ausgelöst hat kann wohl kaum verkehrt sein.

      Und daß Monti und Rajoy angefangen haben öffentlich vom Schlaraffenland zu träumen ist eine bedauerliche, aber noch erträgliche Nebenwirkung.

      Immerhin haben Spanien und Italien in punkto Reformen und Haushaltssanierung schon einiges geleistet - da kann man ihnen auch 'mal ein paar Monate Urlaub gönnen.

    • O-Ton Afhüpe
      ------------
      Doch bis heute ist unklar, wie die EZB an den Finanzmärkten intervenieren will, um die hohen Zinsaufschläge in den Griff zu bekommen.
      ------------

      Wieso sind die Zinsaufschläge hoch?

      Die sollen nur dann "in den Griff bekommen" werden, wenn sie zu hoch WÜRDEN.

      Und die Unklarheit liegt daran, daß an den Mechanismen noch gearbeitet wird.

      Was soll daran verkehrt sein?

      +++

      O-Ton Afhüpe
      ------------
      Und mit jedem Tag der Ungewissheit schwindet die Glaubwürdigkeit von Draghis Worten.
      ------------

      Es schwindet nicht die Glaubwürdigkeit von Draghis Worten, sondern die Glaubwürdigkeit von Dummzockern und Sensationsjounalisten, die in eine allgemein gehaltene Ankündigung ihre jeweiligen Wunschideen hineininterprätiert haben.

      +++

      O-Ton Afhüpe
      ------------
      Der Wirrwarr um die weiteren Rettungsinstrumente der Notenbank wächst fast täglich.
      ------------

      Der Wirrwarr besteht ganz überwiegend aus auf nichts bis wenig beruhenden Spekulationen seitens Presse und Politikern. Wobei es ja durchaus vertretbar ist, wenn letztere ihren Standpunkt klarmachen, solange sie sich nicht in Spekulationen und Unterstellungen ergehen.

      +++

      O-Ton Afhüpe
      ------------
      An den Finanzmärkten gibt es erste Zweifel, ob Draghi auch liefern wird. Kann man sich auf die EZB als letzten Rettungsanker trotz gegenteiliger Versprechen doch nicht verlassen?
      ------------

      Klar - die Dummzocker spekulieren kräftig mit. Wer sich über den Lieferumfang getäuscht hat, der kann anscheinend nicht lesen und hat sich dann verdientermaßen verspekuliert.

      +++

      O-Ton Afhüpe
      -------------
      Schuld an dem kommunikativen Desaster ist Draghi selbst, der sein "Wir-werden-alles-tun-Versprechen" nicht mit den nationalen Notenbanken abgesprochen hatte
      -------------

      Schuld sind diejenigen, die geglaubt haben daß Draghi eine Art allmächtiger EZB-Diktator wäre.

      Schuld sind diejenigen, die nicht wissen daß auch Draghi nur eine Stimme hat im EZB-Rat.

    • Den Kompromiss kann ich nicht erkennen. Wir müssen Bedenken, daß Draghi mit seiner Nullzinspolitik einerseits unsere nominelle und andererseits über die folgende Infation in eine große Schieflage gebracht hat.

      Jeder, der selbst im Einkaufsmarkt einkauft, der weiß, dass die veröffentlichten Inflationsraten nicht mit den seinigen in Einklang zu bringen sind.

      Nicht nur die junge Generation wird von Draghi um ihre Zukunft betrogen, sondern auch alle Altersversorger und Rentner.

      Draghi sollte aus seinem Amt entlassen, zur Rechenschaft heran gezogen und durch einen kompetenten Nachfolger ersetzt werden.

    • @netshadow
      "Kompromisse muß jeder eingehen, sein ganzes, auch politisches, Leben lang.
      Aber dazu muß man auch selbst kompromissbereit sein, und sich nicht als Apostel aufspielen, und so eine Institution schwächen, die für Stabilität sorgen soll."

      Sorry, mit vertragswidrigen Aufkäufen von Staatsanleihen sorgt die EZB nicht für Stabilität sondern sie verstößt gegen ihre Statuten.

      Wenn Herr Weidmann und andere Notenbankchefs auf das Einhalten dieser Verträge dringen, brauchen sie auch keine Kompromisse eingehen. Hier geht es nicht um Tarifverhandlungen sondern um Vertragstreue.

      Im übrigen verstehe ich auch nicht, wieso links denkende Menschen immer meinen, das das Drucken von Geld irgendein Problem löst, außer das es Geld vom Sparer und Rentner zum Staat oder anderen Begünstigten wie der Hochfinanz umverteilt.

      Im Euroraum kommt dann noch der illegale Transfer von Wohlstand vom Norden zum Süden durch die Käufe der Staatsanleihen von Südstaaten dazu.

      Eine Notenbank mit einer wirklich stabilen und soliden Währung (zB der DMark) braucht keine unendliche Schlagkraft, Bazookas oder sonstige militärische Divisionen.

      Auch den Schweizern wird ihr Euro-Peg noch teuer zu stehen kommen. Immer wenn zentrale Planer meinen, sie sind schlauer als der Markt werden gigantische Schäden verursacht.

    • "Der fehlende Konsens über die richtige Lösung der Euro-Krise ist der Grund für die mangelnde Schlagkräftigkeit der Notenbank."

      Das liegt daran, dass bis jetzt keine richtige Lösung angegangen wurde - die Krise wird ganz bewusst verstärkt. Statt Reformen und stabilisierender Massnahmen werden nur die Kapitalmärkte künstlich am Leben gehalten - auf Kosten der Realwirtschaft.

      Ich Frage mich nur - warum ist die Krise gewollt?

    • Kompromisse muß jeder eingehen, sein ganzes, auch politisches, Leben lang.
      Aber dazu muß man auch selbst kompromissbereit sein, und sich nicht als Apostel aufspielen, und so eine Institution schwächen, die für Stabilität sorgen soll. Erst den Esel jagen um dann drauf treten zu können, hat mit Demokratie und Willensbildung wenig zu tun, Herr Afhüppe. Das ist schlechter Stil. Und genauso wie die Banken an ihrem Image arbeiten müssen, damit sie wieder als Geldbringer arbeiten können, müssen das auch die politische Kultur in Europa.

      " Der fehlende Konsens über die richtige Lösung der Euro-Krise ist der Grund für die mangelnde Schlagkräftigkeit der Notenbank. "
      Exakt!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%