Gastbeitrag zu Griechenland Schafskäse und Oliven sind nicht genug

Das Jahr 2013 war ein Desaster für die griechische Wirtschaft. Für eine Trendwende fehlt es an einer Vision, wo das Land in zehn Jahren stehen soll. Ein Schwerpunkt muss dabei auf Forschung und Entwicklung liegen.
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Mit Schafskäse und Retsina kommt die griechische Wirtschaft nicht auf die Beine.

Mit Schafskäse und Retsina kommt die griechische Wirtschaft nicht auf die Beine.

Griechenlands wirtschaftliche Entwicklung fiel im Jahr 2013 wieder desaströs aus: das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um weitere 4,2 Prozent. Zeitgleich wird in Deutschland die Diskussion über Griechenlands Verbleib im Euroraum sehr einseitig geführt. Sie reduziert sich meist auf ein „ist es besser für Deutschland, wenn Griechenland ‚drin‘ bleibt oder ‚raus‘ geht“. Kein Wunder, wenn auch schon wieder über das dritte Rettungspaket für Griechenland spekuliert wird. Gerade deshalb ist es an der Zeit, Bedingungen zu diskutieren, unter denen für das Land selbst und für Europa ein Verbleib im Euroraum sinnvoll erscheint.

Professor Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam und Research Fellow am IZA.

Professor Alexander Kritikos ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam und Research Fellow am IZA.

Griechenland teilt sich, verglichen mit Ländern ähnlicher Bevölkerungsgröße, einen Währungsraum mit Finnland, Belgien oder der Niederlande. Diese Länder (Frankreich oder Deutschland natürlich auch) haben eines gemeinsam: Sie investieren seit langem rund drei Prozent ihres BIP in Forschung und Entwicklung und damit in ihre Innovationssysteme. Was fast noch wichtiger ist: Es gibt einen politischen Konsens, dass diese Investitionen unantastbar sind, egal welche Regierung das Land lenkt. Folge der Investitionen: diese Länder entwickeln sich permanent ökonomisch weiter. Griechenland tut das nicht. Es wird daher auch nicht allein durch Umsetzung der von Troika geforderten Strukturreformen den Anschluss an diese Länder finden, bei denen es ohnehin mit 153 Maßnahmen im Rückstand ist.

Das Land steht somit vor der Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen und sein Innovationsystem erheblich auszubauen. Resultieren daraus in der mittleren Frist innovative Industrien mit hoher Wertschöpfung, hat es die Chance auf nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Eine Investitionsstrategie in diese Richtung, und Griechenlands Verbleib im Euro wäre für alle Seiten von Vorteil. Konzentriert sich Griechenlands Spezialisierung weiterhin auf Oliven, Retsina und Bettenburgen, ist die Mitgliedschaft in der Eurozone schwerer zu begründen - außer alle sind sich einig, dass das Land auf unabsehbare Zeit am Transfertropf der EU hängen soll, um die weitere Integration Europas nicht zu gefährden.

EU-Mittel waren häufig Einladung zur Verschwendung
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14 Kommentare zu "Gastbeitrag zu Griechenland: Schafskäse und Oliven sind nicht genug"

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  • Die Normalo Griechen sind selbst nicht schuld an dem Desaster ihres Staates. Die "Elite" hat das Volk ausgebeutet und es mit dem gestohlenen Geld nicht weitergebracht, sondern im Ausland untergebracht. Die Regierung hat zugesehen wie das Geld für sinnlosen Konsum ausgegeben wurde, anstatt es für die Stärkung der Infrastruktur zu verwenden. Jetzt werden alle diejenigen bestraft, die am wenigsten für die Misere verantwortlich sind.

  • Meine Erfahrung als Dipl. Ing. ist, dass das Umfeld stimmen muss, wenn Innovationen und Fortschritt erwünscht ist. Alte verkrustete Firmen bringen oft nur wenig an Fortschritt und wehe dem, der von Staatsdienern Fortschritt erwartet. Egal ob nun Gerichtsvollzieher, oder die Uni's.

    Ein gutes Beispiel ist Silicon Valley oder ähnliche Einheiten. Immer muss dabei das "Geld" mit den Ideen-Träger zusammen kommen können. Optimal wäre dabei, dass Studenten / Jungunternehmer und finanzkräftige Unternehmen zusammen finden. Und hierfür sollte man eine Plattform für das Zusammentreffen einrichten.

    Dieses Model hatte ich bei einem kleinen Autobauer in Wolfsburg erlebt, wo im SE-Gebäude die Finanzkraft der Autofirma zusammen mit Jungunternehmen gearbeitet hat.
    Ein sehr erfolgreiches Projekt, was u.a. die Grundlage dafür sein wird, dass Volkswagen bald Nummer 1 in der Weltrangliste der Autobauer sein wird. Viele angrenzende Städte haben versucht dieses Model zu kopieren, was aber nie gelang, weil sie einen grundsätzlichen Fehler gemacht haben. Soll so ein Innovationsprojekt gelingen muss man die Staatsdiener und Schreiberlingen (BWL, VWL und andere Innovationsbremsen) fern halten. Innovation kommt von Ingenieuren und Wissenschaftler.
    Was Griechenland betrifft, so wird es nur dann anders werden, wenn auch die Griechen im Kopf anders werden. Wer Deutsche hasst, hasst auch ein Leben, wo man durch Arbeit seinen Wohlstand bekommt. Nicht durch Reden und nicht durch Verwalten, sondern durch Arbeiten und durch Zuverlässigkeit.

  • Ich finde, der Artikel ist in seinen Grundsätzen richtig.
    Auch der Vorschlag (in den Kommentaren) internationale Unternehmen einzubinden um die innovativen Unternehmungen in GR zu verwirklichen ist im Vergleich zu irgend einer staatlichen (egal GR, DE oder EU) Führung (aus bekannten Gründen, siehe Vergangenheit) vorzuziehen. Durch finanzielle Förderungen könnten solche Institutionen dieser Versuch beitragen und evtl. überwachen.
    Ein Vorteil Griechenlands sind die unzähligen jungen Griechischen Akademiker, die überall auf der Welt erfolgreich leben (und jeden Tag immer mehr dazu kommen) und gerne nach GR auch mit einem zu erwarteten sehr reduzierten Einkommen zurückkehren würden, wenn sie einfach eine minimale Aussicht einer seriösen Arbeit sehen würden.
    Da ich selbst seit 30 Jahren in DE auf dem Gebiet der Innovationen tätig bin, kann ich mehrere erfolgversprechende technische Gebiete auflisten, die dafür geeignet wären, wie z.B. alles was mit der Sonn- und Windenergie zu tun hat, innovative Landwirtschaft, Meeresforschung, Inselverknüpfung, fossile Energiegewinnung (siehe neue Funde in GR), Netzwerke, Maritimes Management, Business- und Gesundheitstourismusmanagement, Fischerei usw. man braucht einfach Israel als Vorbild haben (mit ja Gott sei dank bis jetzt mindestens weniger Problemen).

  • @hb121280
    "Was soll wo geforscht werden?"

    Das ist doch einfach. Wie Griechenland auf ewig ein "EU-Nehmerland" bleiben kann.

    Der ganze planwirtschaftliche und etatistische Ansatz des Artikels ist relativ fragwürdig. Es wäre besser, die Verwendung der abgepressten Unmengen von Steuergeld den Bürgern und Firmen zu überlassen als die EU 10-Jahrespläne mit Losungen wie "überholen ohne einzuholen" erarbeiten zu lassen.

    Ich sage nur Lissabon Strategie 2000: "... zum Ziel hat, die EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen."

    *prust*

  • Interessant: die Griechische Statistik über den Arbeitsmarkt, insbesondere die Branchen (Top-6, in absteigender Reihenfolge): Fahrzeug-Reparaturen, Landwirtschaft, Manufacturing (was?), Öffentl. Verwaltung, Ausbildung (Lehrer+Profs), Hotelgewerbe, Gesundheitswesen, Baugewerbe. Alles keine innovativen Bereiche. Was soll wo geforscht werden?
    *hb

  • Ich schreibe hier nicht zum ersten Mal, daß Griechenland über enorme Bodenschätze verfügt, die nur der Förderung harren. Alle Vorkommen sind erforscht, die zur Förderung nötige Infrastruktur ist erstellt, und die Giechen die dort in Lohn und Brot kommen könnten, warten seit Jahren auf den Startschuß.
    Ich kann nicht verstehen, daß dieses Thema niemals erwähnt wird, weder in Sabbelrunden im Fernsehen, noch in der Presse, noch von unseren Politikern. Welche Verschwörungen stecken eigentlich dahinter?
    Jeder kann sich ausgiebig über diese ernormen Reichtümer informieren. Die Internet-Adresse lautet: http://www.eldoradogold.com

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @holbeinpferdchen
    Was ist denn daran irrational? Frau Merkel ist schließlich nicht Europäer, sondern Mutter aller Deutschen. Und weil die Deutschen nun mal lieber arbeiten, als leben, und sogar noch dafür bezahlen, dass es so bleibt, wäre es doch fatal, wenn die Griechen ihnen Marktanteile abjagen.
    Unsere griechischen Adoptivkinder sollen doch bitte essen, was auf den Tisch kommt, schön brav sein, ihre Spiele spielen und Mutti mal machen lassen.
    Klar, dass es dazu auch Deflation braucht, sonst kommt noch einer auf die Idee, dort zu investieren und den Mittelstand zu fördern. Oliven und Käse sind wahrscheinlich immer noch zu viel. Man muss schon umweltschädliche Autos, heimtückische Waffen und neurotisierende Pharmazeutika herstellen, um ernst genommen zu werden. Wollen wir eigentlich Europa oder doch eher Deutschland für alle?

  • Eine der deutschen ökonomischen Irrationalitäten in der ganzen Euro-Politik ist ja, daß Frau Merkel für das deutsche Wachstum angeblich auf Bildung und Forschung setzen will, aber die Griechen genau dazu zwingt, die Ausgaben für Schulen und Universitäten
    massiv zu kürzen - angeblich damit sie wettbewerbsfähiger werden !!!!

    Und noch ein ökonomischer Unsinn: Die EZB (wie auch das deflationsgeprüfte Japan)haben ein wachstumsfreundliches Inflationsziel von 2 % und fürchten die Deflation wie der Teufel das Weihwasser.
    Und Rezept zwingen wir den Griechen auf, um angeblich
    wieder wachsen zu können? Genau: Deflation!

    Und noch eine Merkelsche ökonomische Irrationalität:
    Wenn der Mittelstand der Arbeitsplatz- und Wachstumsmotor ist, braucht der Mittelstand Gewinne,
    um investieren zu können. Und was passiert jetzt in Griechenland, angeblich, damit es in Zukunft wieder wachsen kann: der Mittelstand dort wird massenweise in den Konkurs getrieben und damit dem künftigen Wachstum
    jede Eigenkapitalbasis entzogen.


  • Wichtig, ist dass sich Unternehmen wohl fühlen, dann forschen sie von alleine. Siemens meldet z.B. jedes Jahr mehr Patente an, als alle deutschen Unis zusammen.

    Ergo: Noch mehr "Forschungs-"Geld für Griechenland versickert dort bloß in Korruption und Ineffizient, die natürlich auch vor Unis nicht halt machten.

    Meine Erfahrung als Chefvolkswirt von Krupp und strategischer Planer von Hoffmann-La Roche ist eine andere: Konkurrenz-Firmen schienen immer besser zu sein, als die eigene Firma. Dem war aber dann doch nicht so.

    Auch Siemens ist nicht nur korrupt (gewesen?) und ein großer Empfänger von F+E Subventionen, sondern vor allem auch furchtbar ineffizient in der eigenen Forschung!

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