Gastkommentar Der Euro war und ist eine Schnapsidee

Den immer weitergehenden Forderungen, die Führungsrolle der Währungsunion zu übernehmen, wird Deutschland nicht mehr gerecht. Daher fordert der Publizist und Historiker Deutschlands Austritt aus der Währungsunion.
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Prof. Arnulf Baring. Quelle: dpa

Prof. Arnulf Baring.

(Foto: dpa)

Wer heute durch Europa reist, mit Menschen der verschiedenen Länder der Euro-Zone redet, muss feststellen, dass überwiegend die Einstellung vorherrscht: „Die Deutschen beklagen, in einer Mehrzahl der Staaten werde die erforderliche finanzielle Stabilisierung nicht ernst genommen. Wir hören uns die deutschen Vorwürfe mit gesenktem Haupt an, tuen schuldbewusst, aber nehmen die eigenen Beteuerungen, uns zu ändern, nicht ernst. Denn wir kennen die Deutschen besser als sie sich selbst. Sie meckern zwar, aber am Ende zahlen sie doch - und das können sie auch.“

Leider ist diese Annahme ein Irrtum. Deutschland wäre völlig überfordert mit der Aufgabe, die gesamte Währungsunion zu retten. Nicht nur finanziell, auch politisch sind wir dafür nicht stark genug.

Wir waren immer - und sind es heute erst recht - viel zu schwach, um Europas Hegemon zu sein, eine konstruktive Rolle als Führungsmacht des Kontinents zu spielen. Wir haben am Anfang des vergangenen Jahrhunderts zweimal mit militärischen Mitteln versucht, uns dem Kontinent aufzuprägen, und sind damit gescheitert. Diesmal überschätzt man bei unseren Partnern und Nachbarn unsere finanziellen Möglichkeiten.

Wer hat gesagt, die Währungsunion sei Versailles ohne Krieg? Es ist nicht zu Ende gedacht, nicht wirklich ernst gemeint, wenn wir vom Ausland gedrängt werden, beispielsweise vom sympathischen polnischen Außenminister, jetzt eine Führungsrolle zu übernehmen - diesmal mit Krediten und Garantien. Aber auch diesmal würden wir scheitern. Wir sind viel schwächer als vor hundert Jahren, nur noch eine mittlere Macht. An einer europäischen finanziellen Vergesellschaftung Deutschlands würden wir uns völlig verheben. Diese Überforderung würde zum wirtschaftlichen und sozialen Niedergang führen und damit die Demokratie unterminieren, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zerreißen.

Deutschland muss daher, um immer weitergehende Forderungen abzuwehren, bald aus der Währungsunion austreten. Wir müssten wahrheitsgemäß sagen, so hätten wir uns die Sache nicht vorgestellt. Wir hätten die im Maastricht-Vertrag eingebauten Sicherungen ernst genommen: den Stabilitätspakt, die Unabhängigkeit der EZB, die No-bail-out-Klausel. Damit hätten wir uns offenkundig getäuscht.

Natürlich sollte man zunächst mit einer solchen bisher völlig unerwarteten, für deutsche Politiker fast undenkbaren Initiative nur drohen. Schon das würde die Diskussion sofort verändern. Die deutsche Politik ist allerdings für einen solchen Schritt heute noch viel zu ängstlich. Wir denken ja nicht nur politisch, sondern auch publizistisch und wissenschaftlich über unsere künftige Rolle öffentlich nicht einmal nach. Aber irgendwann werden wir nicht mehr darum herumkommen, uns einen neuen Reim auf uns selbst zu machen.

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253 Kommentare zu "Gastkommentar: Der Euro war und ist eine Schnapsidee"

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  • Aussteigen jetzt? Damit würden die Deutschen unverschildet als Euro und damit als EU-,,Mörder,,in die Geschichte eingehen.Dazu empfele ich ein vertiefteres Beobachten der Vorgänge in der Schweiz.Da muss aktuell mangels Finanzsistemgerechter Alternativen die CH Nationalbank die Realwirtschaft durch Abwertung des Frankens Stützen.Dies durch Aufkauf von EUROS in nicht öffentlich bekannter Menge.Eine vorhersehbare selbstmörderische Zukunftshypoteck.Die gleiche Hypothek droht auch einer zu früh eingeführten neuen DM.Mein Tip Nerfen behalten Mitspieln bis andere Aussteigen resp.der Euro final abstürzt.Nach der Stund Null werden auch Flankierende Massnahmen Rechtlich wieder Möglich zb.Devisen-Kontrollen.Dringend zu empfelen jedoch ist eine bestmögliche Vorbereitung für den Tag X.damit ein möglichst Reibungsloser Übergang zur neuen DM über die Bühne geht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wir wissen, dass es jetzt harte Zeiten auf die Griechen zukommen, aber lassen wir sie ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, und entlassen sie aus der Eurozone. Zumindest als Parallelwährung sollten sie die Drachme wieder einführen, um die dann abwerten zu können und wieder exportfähiger zu sein.
    Wenn die Griechen auch nach Neuwahlen immer noch von denjenigen Parteien regiert werden, die mit zu der griechischen Staatsmisere beigetragen haben, und auch in 20 Jahren ihr eigenes System nicht richtig in den Griff kriegen werden, bleiben wir dennoch in Deutschland weiterhin auf der richtigen Straße.
    Ob wir in 20 Jahren noch den Euro, oder die D-Mark oder den Taler in den Händen halten werden? Wahrscheinlich wird der Euro weiterhin Bestand haben. Die D-Mark hatte früher auch ihre Krisen.
    Wozu diese Panikmache? Es wird immer Panikmacher und solche geben, die davon profitieren. Politiker und Banker arbeiten Hand in Hand, wir haben eine Verfilzung von Politik und Wirtschaft.
    Lassen wir uns nicht einreden, Europa würde an den von Menschenhand gezeichneten Landesgrenzen aufbrechen und in einem ewigen Wurmloch verschwinden.. Europa wird es auch in 100 Jahren noch geben.
    Die deutsche Wirtschaft ist und bleibt stark, und das lässt sich durch Zahlen stets belegen, wir sollten daher mit mehr Selbstsicherheit in die Zukunft sehen.

  • Tabu
    Der deutsche Altruismus-diese sich selbst Kasteienden
    Vordenker,die nichts aber auch garnichts mit der
    Lebenswirklichkeit,der Mehrzahl der Bevölkerung zu tun hat,
    ist unerträglich..Henkel,Mankel,Scheffler,Baring
    seit Jahren die ungehörten Mahner,verpufft im Wind..
    Alt Kanzler Kohl,der um seinen geschichtsträchtigen
    Eintrag in den Geschichtsbüchern fürchtet..verstummt.
    Schröder und Fischer welche die unseligen Hedgefonds
    ungesteuert Tor und Tür öffneten..verstummt..
    Das Volk weitesgehend überfordert mit der Problematik
    hinkt,wie die Lemmerlinge zur Schlachtbank froh,noch
    was mit Aufstockung arbeiten zu können.
    Die Länder verschuldet und verkommen..Hier müßte der
    Bund einspringen und nicht überall seine gierigen Hände
    draufhalten,wenn Kassen einen Überschuß haben,um ihn dann
    sonstwo,zu verteilen..Selbst eine Wahl hat man nicht mehr,oder hofft wer auf Piraten,geschweige denn Rechte
    oder linke..In den Sumpf gestetzt,die ganze Kiste..und
    wen,darf man dafür belangen..gerne Rückwirkend und Parteienübergreifend..

  • Völlig richtig Margrit und ich sag es nochmals: Nicht nur der Euro sondern die ganze EU ist zum scheitern verurteilt. Nur noch schwachsinnige Politiker hängen daran! Mitlerweile sieht und merkt es bald jeder Kindergärtner!

  • Sehr geehrter Herr Baring, zunächst einmal danke für Ihre nüchterne Darstellung eines ernüchternden Themas. Allerdings brauchen wir nicht mehr im Konjunktiv zu sprechen. An der europäischen finanziellen Vergesellschaftung Deutschlands verheben wir uns bereits heute. Und sie führt bereits heute zum wirtschaftlichen und sozialen Niedergang, der die Demokratie unterminiert und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zerreißt. Unser politsches Gesamtgefüge wird bereits heute alternativlos von Opportunisten geprägt, die dem Gemein- wohl gefühlskalt gegenüber stehen. Auf allen Politikfel- dern sehen Sie Akteure heranwachsen, die außer Karrieregeilheit nichts anzubieten haben und denen Solidarität ein Fremdwort ist. Wendig und schnittig wie ein Ferrari, lassen sie alle hinter sich nach jeder Wahl. Pflichtbewusstsein und Verlässlichkeit Fehlanzeige. Angefangen mit einer skrupel- und hirnlosen Energiepolitik. Hin zu einer skrupel- und hirnlosen Euro-Politik. CDU, CSU , FDP , SPD und Grüne haben den Euro gewollt und eingeführt. Und sie sind alle "Profis" genug, um Deutschland in den Abgrund zu fahren, statt ihren historischen Fehler einzugestehen. Es gibt keine Alternative zu den politischen Rattenfängern, die derzeit auf dem Markte sind. Es gibt keine politische demokratische Mehrheit gegen den finanz- und industriepolitischen Niedergang, welcher derzeit zum Schaden breiter kalt enteigneter Bevölkerungsschichten durchgeführt wird. Wir leben bereits in einer Oligarchie, die uns in 20 Jahren in griechische Verhältnisse führt. Wer auf die staatliche Rente vertraut, bekommt dann eben keine mehr. Und die wenigen Profiteure des Systems mauern sich in ihren Schweizer Burgen ein.

  • Und vor allem, Golo Mann war wirklich _Historiker_ und nicht "nur" ein Politikwissenschaftler, dessen "Werk", sollte es sich wirklich auf die in Wiki aufgelisteten Veröffentlichungen reduzieren sollte, doch wohl eher "mager" sein dürfte.

    Aber halt voll der Rollentyp "sympathisch grantelnder Großvater mit Kaiser Wilhelm Tick", wie sie beim Casting von Talkshows ganz oben auf der Liste auftauchen, nimmt man immer wieder gerne, passt scho'.

    Der eigentliche Witz an der Sache ist - genau die, die sich von den ÖR's verblödet und hinter's Licht geführt fühlen, fühlen hier einen Affentanz um genau so eine "Sockenpuppe" auf ...

  • Ooops. Der Name des Autors, dessen Buch Sie vielleicht noch mal lesen sollte, war Golo Mann.

    Sprachlich ein Genuss

  • Einen noch für den Doktor ...

    Werter Doktor,

    >> Ganz ehrlich: Wer Baring nicht verstehen
    >> will hat kognitive Probleme, sonst nichts

    Darf ich das in populäre Sprache übersetzen: Wer das nicht rafft, hat einen an der Waffel. Und gehört ...

    Gehen Sie doch mal bitte an Ihr sicher gut ausgestattetes Buchregal und ziehen Sie den Band "Deutsche Geschiche des 19. und 20. Jahrhunderts - Der Nazistaat" heraus, schlagen Sie auf "Die neue Gesellschaft" und lesen Sie doch bitte nach, was ein _konservativer Historiker_, der diesen Namen auch verdient, zum Thema "Bürgerlich" zu sagen hat und zum Thema "Deutschland und Europa".

    Sie können ja gerne einen ausgesprochen selbstverliebten Hallodri mit einem "konservativen Historiker" verwechseln, mir fällt das eher schwer, aber, wie sagt man "Gleich & Gleich ..."

    Mit der selben Attitüde könnte ich, wenn ich dämlich wäre - was ich nicht bin - Prof Winkler zur einzigen Authorität erklären. Der nimmt, wie Baring, _einen_ Standpunkt ein, den man wägen kann. Aber es ist eben nur _ein_ Standpunkt.

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/05/03/dlf_20120503_0812_58e3e4e1.mp3

    Einen wie Baring allerdings würde ich umgehend dem Altpapier überantworten, Bruder Leichtfuß im Geiste, kann gerade mal bis zum Rand seiner eigenen Hirnschale denken ...

    Aber, wie sagten Sie so schön

    >> Ganz ehrlich: Wer Baring nicht verstehen
    >> will hat kognitive Probleme, sonst nichts

    Eben. Kognitiv. Und so.

  • Nicht nur der Euro war und ist eine Schnapsidee, sondern die ganze EU!!

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