Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Der Autor

Harald Christ ist Geschäftsführer der Agentur Consultum und Präsidiumsmitglied des SPD-Wirtschaftsforums.

(Foto: ERGO Group)

Gastkommentar Die Debatte um sein Einkommen hat Friedrich Merz nicht verdient

Friedrich Merz steht wegen seines Vermögens in der Kritik. Die Debatte in dieser Form ist ungerecht, wenngleich er dazu eingeladen hat.
  • Harald Christ
2 Kommentare

In der Kampagne des Friedrich Merz ist es wohl eine entscheidende Wegmarke. Nachdem er jetzt wenig überraschend, aber verdruckst zugegeben hat, zu den Einkommensmillionären zu gehören, gibt es ein Davor und Danach in seiner strategischen Position.

Davor gab es den Merz-Hype. Merz wurde katapultartig Hoffnungsträger der Union. Konservatives Profil und Erneuerung zugleich für die Volkspartei CDU. Merz wirkte mit wirtschaftlichem und strategischem Sachverstand und einer irgendwie modernen bürgerlichen Weltsicht.

Und danach? Nun diskutiert die Öffentlichkeit auf populistischem Niveau die Frage, darf ein Millionär Parteivorsitzender oder gar Kanzler in Deutschland werden? Wenn der CDU-Parteitag im Dezember entschieden hat, ob Annegret Kramp-Karrenbauer oder Friedrich Merz die Nachfolge Angela Merkels antritt, wird die Interpretation von Sieg oder Niederlage nicht zuletzt auch auf die „Millionärsfrage“ zurückgeführt werden. Entweder wurde Merz dann gewählt, obwohl er Millionär ist, oder eben nicht, weil er einer ist.

Das ist nicht gut für die politische Kultur in Deutschland. Warum? Zwei Vorbemerkungen: Erstens: Millionäre sollten keine Heulsusen sein. Es ist legitim, wenn über die sozialen, ökonomischen und politischen Rollenmuster von zum Teil extrem ungleichem Einkommen in Deutschland debattiert wird, es ist sogar geboten. Aber bitte nicht auf dem Niveau einer typisch deutschen Neiddebatte.

Zweitens: Es ist Sache der CDU und ihrer 1.000 Delegierten auf dem Parteitag, wen sie am 7. Dezember in Hamburg wählen werden. Diese Entscheidung verdient größten demokratischen Respekt.

Und gerade deshalb muss die derzeitige Debatte über Millionäre und Politik wegkommen von Unterstellungen, pseudomoralischen Vorhaltungen und schäbigen Vorurteilen. Genauso wenig wie es einem Menschen zum Nachteil gemacht werden darf, sich politisch zu engagieren, wenn er nichts hat, darf das Gegenteil der Fall sein.

Wir reden hier über Politik. Politische Kriterien sind neben der Bewertung des politischen Programms, der Argumente und konkreten Positionen insbesondere die persönliche Eignung für ein Amt. Dazu zählt zuerst fachliche Kompetenz, dann individueller Charakter und Werteorientierung, sicher auch Führungsqualität und Umsetzungsstärke. Das muss alles eine Rolle spielen und nicht der Kontoauszug.

Friedrich Merz wird eine mindestens indirekte Abhängigkeit unterstellt gegenüber seinen aktuellen oder vergangenen Mandaten. Wenn dieser Generalvorbehalt sich durchsetzen würde, könnte faktisch niemals eine Spitzenkraft aus der Wirtschaft in die Politik wechseln. Wir haben bereits jetzt schon viel zu wenig ökonomische Kompetenz in den Parteien und Parlamenten.

Wir brauchen jedoch mehr Manager und Unternehmer, Frauen und Männer, die sich politisch engagieren. Und übrigens auch mehr Menschen, die nicht aus der „gehobenen Mittelschicht“ stammen, zu der sich Merz fälschlich gezählt hat, also Arbeiterinnen, Putzkräfte oder Lkw-Fahrer im Deutschen Bundestag.

Ist es nicht vielmehr so, dass Friedrich Merz gerade dank seines Privatvermögens viel unabhängiger agieren kann? Wegen der möglichen künftigen Diäten, die er ja erst bekäme, wenn er wieder im Bundestag sitzt, wird er wohl kaum kandidieren.

Der CDU-Parteivorsitz ist ein Ehrenamt, vielleicht bekäme er dafür eine Aufwandsentschädigung, womöglich lehnt er das auch ab. Faktisch verzichtet Merz auf sehr hohe Einnahmen, wenn er in die Politik geht. Das ist ehrenhaft und respektabel. Genauso wie übrigens sein Engagement als Spender und Mäzen.

Merz hat die Debatte in dieser Form nicht verdient, wenngleich er durch sein Agieren dazu eingeladen hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, mit zum Teil diffusen oder unausgesprochenen, zum Teil auch mit perfiden Vorurteilen umzugehen.

Transparenz und offensives Argumentieren ist der einzig richtige Weg, freilich ohne Erfolgsgarantie. Merz hat sich leider in eine defensive Rechtfertigungsrolle begeben. Das verstärkt Misstrauen eher, als es überzeugt. Wenn er da wieder herausfindet und über Politik gestritten wird, hat er eine Chance. Wenn er zeigt, dass er niemandem nach dem Munde redet, aber den Menschen aufs Maul schaut, hat er eine Chance.

Die Menschen suchen nach Führungspersönlichkeiten, die die Probleme in diesem Land anpacken und Lösungen bieten. Den meisten ist das Einkommen von Merz völlig egal – wenn er denn eine gute Politik macht.

Startseite

Mehr zu: Gastkommentar - Die Debatte um sein Einkommen hat Friedrich Merz nicht verdient

2 Kommentare zu "Gastkommentar: Die Debatte um sein Einkommen hat Friedrich Merz nicht verdient"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Jetzt kommen sie wieder aus Ihren Löchern, die Schwadroneure, die die ach so deutsche Neiddebatte beklagen. Bitte nicht vergessen: Blackrock ist ein Unternehmen mit einem Volumen von 6,4 Billionen (das sind 6400 Milliarden) US Dollar. Daß Herr Merz sich da mit 1 MIllion abspeisen läßt, spricht nicht gerade für sein Verhandlungsgeschick Das sind doch kleine Brötchen. So einen "Dealmaker" brauchen wir jetzt echt nicht. Er ist allenfalls ein Trump für Arme. Und bitte nicht vergessen: Blackrock soll in CumEX Geschäfte verwickelt sein, durch die dem Staat,also uns allen, Steuergelder in größter Menge entzogen wurden. Auch wenn es jetzt vielleicht nicht mehr praktiziert wird, offenbart dies doch eine gewisse Geschäftsphilosophie und eine fragwürdige ethische Haltung. Ich bin gespannt was die Staatsanwaltschaft da noch ausgräbt. TOI TOI TOI Herr Merz!

  • Es gibt keine Debatte um sein Einkommen,
    es gibt eine Debatte um seine Wahrnehmungsfähigkeit, dass man mit einem Millioneneinkommen noch zur Mittelschicht zählen würde. Das lässt tief blicken und disqualifiziert eine Person als Politiker.
    Denn damit hat er bewiesen, dass er die grundlegende Situation in Deutschland nicht verstanden hat
    Unterschicht < 20.000€ 20%-50%
    Mittelschicht 20.000€ - < 100.000€ 40%-70%
    Oberschicht >100.000€ 10%
    Über die 100.000 kann man natürlich streiten, aber die 0,1% ganz oben müssen Sie sowieso nochmal extra einordnen.

Serviceangebote