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Gastkommentar Drei Denkmodelle, die Klimaschutz und Profitabilität vereinen können

Ein klug ausgestalteter CO2-Preis fördert Innovationen – wenn sie dem wirtschaftlichen Kreislauf kein Geld entzieht, sondern es in Klimaschutz lenkt.
2 Kommentare
Die Vorständing der Stiftung 2 Grad setzt sich für eine effiziente CO2-Bepreisung ein. Quelle: Handelsblatt
Sabine Nallinger

Die Vorständing der Stiftung 2 Grad setzt sich für eine effiziente CO2-Bepreisung ein.

(Foto: Handelsblatt)

Die Zeiten für eine engagierte Klimapolitik waren selten besser als heute. Der zivilgesellschaftliche Druck auf die Politik steigt kontinuierlich. Auch aus der Wirtschaft werden die Stimmen lauter, die verlässliche Rahmenbedingungen fordern, um ihre Unternehmen zu einer emissionsarmen Wirtschaft zu transformieren.

Ohne diese politischen Impulse – mit einem CO2-Preis im Zentrum – werden wir es nicht schaffen, die notwendigen Innovationssprünge einzuleiten, um auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich zu sein und unsere Klimaziele zu erreichen. Denn aktuell ist es leider oftmals noch günstiger, mit hohen Emissionen und einem hohen Ressourcenverbrauch zu wirtschaften, als dies klimafreundlich zu tun.

Die Zeit des klimapolitischen Aufbruchs ist jetzt: Im Klimakabinett sollte daher eine klare Grundsatzentscheidung für eine CO2-Bepreisung fallen. Das betrifft vor allem die Sektoren Verkehr und Gebäude.

Nötig ist ein investitionsrelevanter CO2-Preis, der konform ist mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der mit zur Treibhausgasneutralität bis 2050 führt – also zu einer Minderung der Treibhausgase um bis zu 95 Prozent im Vergleich zu 1990.

Derzeit jedoch scheint die politische Überzeugung der wichtigste Maßstab für die Bewertung der Qualität eines klimapolitischen Instruments zu sein. Besonders an der Diskussion um eine CO2-Bepreisung scheiden sich die Geister. Die einen bekommen Schnappatmung, sobald sie das Wort „CO2-Steuer“ auch nur hören.

Die anderen einen roten Kopf, sobald das Wort „Emissionshandelssystem“ genannt wird. Dieser Automatismus wird der Jahrhundertaufgabe Klimaschutz nicht gerecht. Wir müssen ernsthaft und vor allem kreativ nach neuen Lösungen suchen und vom Ziel Klimaschutz her denken.

Drei erste Überlegungen

Deshalb plädiere ich für einen ideologiefreien und ehrlichen Diskurs. Unabhängig davon, aus welchem politischen Lager die Vorschläge kommen. Die Stiftung 2 Grad erarbeitet daher momentan mit Vertretern aus allen Branchen bis hin zur Schwerindustrie einen unternehmerischen Anforderungskatalog an einen solchen CO2-Preis, bei dessen Design Lenkungswirkung und Innovation zusammengedacht werden. Dies sind unsere ersten Überlegungen hierzu:

Erstens brauchen wir ehrliche und verlässliche Ansagen: Klar ist, dass Anstrengungen in allen Sektoren nötig sind, denn in keinem ist bisher technisch emissionsfreies Wirtschaften möglich. Deshalb brauchen wir in jedem Sektor einen Impuls, der neue Investitionen in Gang setzt. Um langfristige Investitionssicherheit zu gewährleisten, befürworten wir einen klaren Entwicklungspfad für die Höhe des CO2-Preises, denn Unsicherheit lähmt Innovation und Investition.

Durch den CO2-Preis sollte kein Geld aus dem wirtschaftlichen Kreislauf entzogen werden, sondern nur wirkungsvoll fürs Klima umgeleitet werden. Das heißt, dass eine CO2-Bepreisung aufkommensneutral für den Finanzminister gestaltet werden sollte. Für die Privatperson oder ein Unternehmen sollte aber eine Verteilungswirkung zugunsten eines klimafreundlichen Verhaltens entstehen.

Zweitens müssen wir bahnbrechende Innovationen möglich machen: Dort, wo klimafreundliche Optionen bislang nicht existieren, müssen sie durch Investition und Innovation geschaffen werden. Innovationen sind das Fundament für die klimaneutrale Industrie von morgen. Aus diesem Grund sollten Teile der über einen CO2-Preis generierten Einnahmen direkt für die Förderung und Diffusion klimafreundlicher Innovationen genutzt werden.

Die deutsche Wirtschaft ist international ausgerichtet und agiert in einem globalisierten Markt. Wir müssen verhindern, dass Unternehmen ihre Produktion in andere Länder mit weniger strengen Emissionsauflagen verlagern („carbon lea‧kage“). Deshalb sollten parallel zum deutschen Vorangehen beim CO2-Preis internationale Kooperationen auf Ebenen wie der EU und der G20 initiiert werden. Das verbindliche Signal von einem führenden Industrieland wie Deutschland kann dem internationalen Klimaschutz erneuten Auftrieb geben.

Drittens müssen wir das gesellschaftliche Momentum erhalten: Der CO2-Preis muss sozial gerecht gestaltet sein. Ehrliche Machbarkeitsprüfungen, Transparenz und ein gewisser Pragmatismus müssen Teil der Umsetzung sein. Es darf kein administratives Monster entstehen, eher sollten Potenziale zur Minderung des bürokratischen Aufwands genutzt werden.

Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Akzeptanz eines CO2-Preises. Nur so können Märkte für neue, klimafreundliche Produkte entstehen. Und nur so kann das klimapolitische Momentum innerhalb der Unternehmen genutzt werden. Sonst wird die Transformation in eine Wirtschaft, die die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzt, nicht gelingen.

Mehr: Viele Staaten setzen bereits auf CO2-Preise. Die Bundesregierung diskutiert noch über das richtige Modell – und droht, die Klimaziele zu verpassen.

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2 Kommentare zu "Gastkommentar: Drei Denkmodelle, die Klimaschutz und Profitabilität vereinen können"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Deshalb plädiere ich für einen ideologiefreien und ehrlichen Diskurs." Dann fangen Sie doch damit an das allmächtige Dogma "Profit" mal ideologiefrei zu hinterfragen.


  • Sehr geehrte Frau Nallinger,

    wahrscheinlich wissen Sie es selbst. Die Belastung unserer Bevölkerung mit Steuern und Abgaben ist außerordentlich hoch. So hoch, dass die breite Mehrheit keine weitere Belastung akzeptiert und im Falle eines Falles mit Abwahl der Politiker reagiert.

    Viele Politiker fordern deshalb, eine CO2-Steuer müsse aufkommensneutral ausgestaltet sein. Aber nicht im Sinne Ihrer persönlichen Definition, nicht "aufkommensneutral für den Finanzminisater". Die Politiker verstehen darunter, dass die Bürger anderweitig von Steuern und Abgaben entlastet werden ("aufkommensneutral für die Bürger").

    Aber hat eine derart gestaltete CO2-Steuer tatsächlich die erhoffte Lenkungsfunktion? Zur Veranschaulichung stellen wir uns einmal vor, der Staat würde den Benzinpreis um 10 Cent verteuern und als Ausgleich die Freibeträge bei der Einkommenssteuer entsprechend erhöhen. Die Bürger hätten somit gleich viel Geld in der Tasche. Aber werden sie nun tatsächlich iihr Auto öfter stehen lassen und auf der Autobahn vom Gaspedal gehen? Ich habe da so meine Zweifel.

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