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Gastkommentar Jochen Homann: Energiewende – Die Entdeckung der Märkte

Die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen für Stromspeicher sind verfehlt. Die Energiewende lebt vom Wettbewerb. Eine Replik auf den Investor Frank Thelen.
29.10.2020 - 03:42 Uhr Kommentieren
Jochen Homann ist Präsident der Bundesnetzagentur. Quelle: Marko Priske für Handelsblatt
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Jochen Homann ist Präsident der Bundesnetzagentur.

(Foto: Marko Priske für Handelsblatt)

Vergangene Woche hat Frank Thelen an dieser Stelle sein Unternehmen „Kraftblock“ vorgestellt und die Politik gemahnt, die Rentabilität für Stromspeicher und damit auch für sein Unternehmen zu verbessern: Speicher würden durch die „doppelte“ Zahlung von Umlagen benachteiligt, und die Förderung von Stromspeichern sei eine vernachlässigte Aufgabe der Energiepolitik.

Ein Blick ins Gesetz zeigt: Es gibt keine „doppelte“ Zahlung von Umlagen für Speicher mehr. Das Energierecht ist 2017 so angepasst worden, dass es nicht mehr an den Regeln liegt, wenn Stromspeicher (noch?) nicht rentabel sind.

Die Zahl der Studien und der Experten, die akribisch beschreiben und berechnen, welche Technologien für das Gelingen der Energiewende erforderlich sind, ist Legion. Sie alle leiden an einem grundlegenden Fehler.

Sie wähnen sich klüger als ein effizienter Markt. Wenn sie das wirklich wären, würden sie ihr Wissen für sich behalten und am Markt nutzen. Tatsächlich beklagen sie meist, dass der Markt die jeweilige technologische Lösung nicht nachfragt, und suchen die Ursache dafür nicht etwa beim Produkt, sondern bei den Rahmenbedingungen.

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    Der Strommarkt reagiert dynamisch

    Wettbewerbliche Märkte wirken als Entdeckungsverfahren für effiziente Lösungen, so der Wirtschaftsnobelpreisträger von Hayek. Was Märkte „entdecken“, ist aber nicht immer das, was man schon vorher wusste, sondern mitunter überraschend: Auf den ersten Blick lassen Solaranlagen und Windräder zwar einen hohen Speicherbedarf vermuten, aber der Markt reagiert darauf aktuell nicht mit einer erhöhten Nachfrage nach Stromspeichern, sondern integriert die schwankende Erzeugung anders.

    Der Strommarkt reagiert schon längst dynamisch auf viele unterschiedliche Schwankungen – nicht nur auf die von Wind und Sonne, sondern auch auf die der Stromnachfrage. Der erneuerbare Strom ist in diesen Markt integriert, und sobald die Sonne aufgeht, fahren Kohlekraftwerke runter.

    Würde man heute mehr solaren Strom speichern, würden die Kohlekraftwerke weniger herunterfahren. Ob und inwieweit sich die Rolle der Stromspeicher in einer kohlefreien Zukunft ändert, wird der Wettbewerb zu entscheiden haben; Stromspeicher werden damit leben müssen, dass andere Instrumente voraussichtlich kostengünstiger bleiben werden.

    Stromspeicher sind zu klein, um die schwankende erneuerbare Erzeugung vollständig auszugleichen. Die größten Batteriespeicher in Deutschland haben heute eine Kapazität von 15 Megawattstunden.

    Von einem Windpark mit 20 Megawatt Leistung könnten sie nicht einmal die Stromproduktion einer Stunde speichern. Umgekehrt: Um den deutschen Strombedarf eines halben Wintertags zu decken, müsste man Speicherkapazitäten von 720 Gigawattstunden errichten. Das entspricht dem 30-Fachen der heutigen Pumpspeicher in Deutschland.

    Die Kritik an der Stromspeicherung

    Deswegen braucht die Integration von immer größeren Mengen an erneuerbarem Strom eine große Bandbreite an Lösungen. Herr Thelen identifiziert als wichtiges Kriterium die Effizienz der Stromspeicherung, also den Wirkungsgrad vom Strom über die Speicherung zurück zum Strom. Die Zahlen aber ernüchtern: Die Bundesnetzagentur hat Speicher einer sorgfältigen Analyse unterzogen und bei Pumpspeichern Verluste von bis zu 40 Prozent des Stroms festgestellt.

    Dadurch geht jährlich fast so viel Strom verloren, wie die Netzbetreiber wegen Netzengpässen an erneuerbarem Strom abregeln. Noch mehr Strom geht in der Kette „Power to Gas to Power“ verloren, rund 70 Prozent.

    Auch bei den von Herrn Thelen erwähnten Konzepten von Kränen, die Betonklötze stapeln, und in Hochtemperatursystemen ergeben sich erhebliche Verluste.
    Trotz hoher Verluste sind nicht alle Konzepte der Stromspeicherung unrentabel. Die Industrie setzt Stromspeicher ein, um Netzentgelt-Begünstigungen zu verwirklichen, und in privaten Haushalten erhöhen Stromspeicher den Eigenverbrauch.

    Treiber dieser Konzepte sind aber gerade weder die Volatilität von Wind und Sonne noch das wettbewerbliche Strompreissignal. Diese Speicher machen die Energiewende nicht leichter, sondern schwerer.
    Nur eine wettbewerbliche Einbindung der Stromspeicherung schafft einen Anreiz zugunsten verlustarmer Speichersysteme und weckt Innovationskraft. Solche vorteilhaften Wirkungen entfalten gut organisierte Märkte in vielen Lebensbereichen.

    Im Strommarkt melden sich aktuell aber vor allem diejenigen zu Wort, die einen Vorteil gegen den Markt erkämpfen wollen – die Marktverzerrungen mehren sich. Jedes Förderprogramm und jede Begünstigung lastet auf dem Strommarkt. Dabei sollte dieser in Zukunft dafür sorgen, die Integration des erneuerbar erzeugten Stroms effizient zu verwirklichen.

    Mehr: Gegen die Eon-Dominanz: Ostdeutschland bekommt neuen Energieversorger

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