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Gastkommentar Warum Banken für junge Talente kaum noch attraktiv sind

Die Finanzbranche leidet noch immer an den Folgen der Finanzkrise. Um gut ausgebildete Menschen anzulocken, muss sie sich radikal verändern.
  • Silvia Carpitella
04.09.2019 - 17:28 Uhr 1 Kommentar
Die Autorin ist CFO der Citigroup Continental and Eastern Europe. Quelle: dpa [M]
Silvia Carpitella

Die Autorin ist CFO der Citigroup Continental and Eastern Europe.

(Foto: dpa [M])

Es hört sich nach der nächsten Zeitenwende an. „Anziehungskraft von Big Tech für Hochqualifizierte lässt nach“, lautete kürzlich eine Schlagzeile in der „Financial Times“. Den Internetkonzernen im Silicon Valley würde aktuell zwar vor allem die Verschärfung der Regulierung Sorge bereiten.

Aber sie könnten ein viel größeres Problem haben: Angesichts ihrer Größe und der Auswirkungen auf die Unternehmenskultur würden sie für High Potentials rasch an Attraktivität als Arbeitgeber verlieren, analysiert die Autorin.

Déjà-vu? Die Auslöser mögen unterschiedlich sein, doch die Folgen einer schwindenden Anziehungskraft am Arbeitsmarkt kennt die Finanzdienstleistungsbranche nur zu gut. Bis zur Finanzkrise waren es Investmentbanken, Risikokapitalgeber, Derivateexperten, die einem Großteil qualifizierter Absolventen als Arbeitgeber der Wahl galten. Ein Job in der Finanzbranche versprach Aufstiegschancen, hervorragende Gehaltsperspektiven, einen Abstecher oder ausgedehnten Aufenthalt in London, New York oder Singapur inklusive. 

Es ist kein Geheimnis, dass sich diese Welt in den vergangenen zehn Jahren grundlegend verändert hat. Die Verwicklung in die Finanzkrise hat der Reputation der Branche zu schaffen gemacht. Die vielfach notwendige Verschärfung von Regulierung und Aufsicht hat einen Beigeschmack von weitreichender Bürokratie hinterlassen. 

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    Gleichzeitig sind die schon erwähnten Tech-Konzerne rasant gewachsen. Entsprechend hoch ist ihr Bedarf an qualifizierten Mathematikern, Soziologen, Betriebswirten. Internet- und Technologieanbieter gelten als cool, jung, aufregend – alles Attribute, die mit der Finanzbranche nicht verknüpft werden. Kapuzenpullis im Silicon Valley waren plötzlich angesagter als Manschettenknöpfe an der Wall Street.

    Selbst wenn der Höhenflug der Technologieanbieter zu einem Ende kommen sollte: Die Welt wird sich nicht zurückdrehen. Und Banker, Finanzexperten, Vermögensverwalter sollten nicht darauf setzen, ihre Rolle aus der Zeit vor der Krise und die entsprechende Aufmerksamkeit zurückzubekommen.

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      Stattdessen muss die Finanzbranche sich der Tatsache stellen, dass die Ansprüche junger Menschen an ihre Rolle in der Arbeitswelt sich verändert haben, dass heute andere Faktoren wichtig sind als vor 20 Jahren und dass die Vorstellungen vom bevorzugten Job sich kontinuierlich weiter verändern werden.

      Der Sinn der Arbeit, die gesellschaftliche Relevanz spielt für die 20- bis 30-Jährigen eine deutlich größere Rolle als für vorangegangene Generationen. Aspekte wie die richtige Balance von Arbeit und Privatleben, gesellschaftliche Gerechtigkeit und ein Arbeitsplatz, der Inspiration und Vielfalt bietet, haben ebenfalls an Bedeutung zugenommen.

      Mehr Flexibilität bei Arbeitsort und Arbeitszeit gehört zu den Wünschen, genau wie die Bereitschaft eines Arbeitgebers, sich schnell mit Trends und Technologien auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch die Vielfalt im Unternehmen. Das gilt für Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft. Das gilt aber auch für Mitarbeiter, die ganz verschiedene Ausbildungen absolviert haben.

      Manager in die Universitäten

      All das mag sich nach Managementtheorie und großen Linien anhören. Daher eine Handvoll Beispiele, was wir konkret in der jüngeren Vergangenheit angepackt haben, um die nächste Generation qualifizierter Mitarbeiter für uns zu gewinnen. Wir kooperieren eng mit Hochschulen und Universitäten in ganz Europa. Wir fördern die Finanzierung von ausgewählten Lehrveranstaltungen und Seminaren und schicken Manager an Universitäten, um Fachwissen zu vermitteln und Kontakt zu Studenten aufzubauen.

      Um neue technische Entwicklungen noch schneller in die Bank zu holen, haben wir Innovationszentren in ganz Europa gegründet. Diese Innovation-Labs gehen etwa der Frage nach, wie wir mithilfe von Blockchain, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auf die Anforderungen unserer Kunden noch besser eingehen können.

      Gemeinsam ist all diesen Initiativen, dass sie den Mitarbeiter viel stärker als in der Vergangenheit ins Zentrum der Organisation stellen. In einer Welt, in der auch die Finanzdienstleistungsbranche immer stärker auf Automatisierung und Robotertechnik zusteuert, mag das dem Zeitgeist zuwiderlaufen. Doch es sind unter anderem die Herausforderungen von Robotik und Künstlicher Intelligenz, die es noch wichtiger machen, kluge Köpfe und gut ausgebildete Experten für eine Karriere in der Bankenwelt zu gewinnen.

      Auch das wird längst keine abgeschlossene Entwicklung sein. Beständig ist nur der Wandel. Daher werden wir uns als Branche auch künftig immer wieder anpassen, neu erfinden müssen. Und immer wieder die Chance bekommen, attraktiv und spannend zu bleiben.

      Mehr: Praktikanten und Werkstudenten sind Fachkräfte von morgen. Eine Studie zeigt: Viele Unternehmen nutzen die Chance nicht, gerade im Mittelstand.

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      1 Kommentar zu "Gastkommentar: Warum Banken für junge Talente kaum noch attraktiv sind"

      Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

      • Frau Carpitella legt den Finger in die Wunde, vergisst aber einen wichtigen Aspekt: Nachdem man jahrelang teure und erfahrene Mitarbeiter abgebaut hat, fehlt es jetzt offenbar an Nachwuchs - ist das überraschend?? Ganz offen: Würden Sie als top qualifizierter Millenial, der vielleicht auch mal an Familie und Häuschen denkt, heute bei einer Bank anheuern, die gerade erst mit Schlagzeilen zum massenhaften Hau-Ruck-Stellenabbau und weinenden Mitarbeitern durch die Medien ging?
        Wertschätzende Trennungskultur kann dabei ein Schlüssel für mehr Attraktivität, für ein besseres Employer Branding sein: Wenn ich weiss, dass die Werte, die mir am ersten Tag versprochen wurden - Wertschätzung, Respekt, Anerkennung, Integrität - auch dann noch gelten, wenn gespart werden muss, wenn ich weiß, dass ich der Bank als MENSCH wichtig bin und man sich im Falle einer Trennung durch vernünftige individuelle Newplacement-Angebote, durch faire, wertschätzende und ordentlich vorbereitete Trennungsgespräche um ich als MENSCH kümmert und mich nicht einfach von heute auf morgen rauskickt, dann bin ich auch bereit, meine Kreativität und Innovationskraft diesem Unternehmen in einer angstfreien Umgebung zur Verfügung zu stellen. Arbeitgeberattraktivität geht eigentlich ganz einfach: Menschen wertschätzen - und eben auch fair und wertschätzend trennen!

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