Glosse Wegen einer vernuschelten Endsilbe sollten wir uns nicht über Trump erheben

Als sich Trump zur russischen Einmischung in die US-Wahl äußerte, will der US-Präsident eine Endsilbe vergessen haben. Wie oft sich wohl bereits andere Politiker versprochen haben?
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„Habe mich unklar ausgedrückt“ – Trump zieht Aussage zu Wahlmanipulationen zurück

Im konservativen deutschen Bürgertum galt das Englische lange als Sprache eines opportunistischen Händlervolks ohne klare Kante. Vor allem die unendlichen Möglichkeiten, ein eindeutiges „Ja“ oder „Nein“ zu umschiffen, trugen dem Englischen diesen Ruf ein. Wo der preußische Monokelträger „Auf gar keinen Fall!“ bellt, da näselt der Brite: „Wouldn’t it be advisable to also take alternative possibilities into consideration?“

In der Tat, was für eine trickreiche Sprache, in der Bejahung und Verneinung oft nur durch eine winzige vernuschelte Endsilbe voneinander getrennt sind! Wir sollten uns daher nicht erheben über den US-Präsidenten Donald Trump, der in seiner Pressekonferenz mit Wladimir Putin ebendiese Endsilbe vergaß und zur Frage nach dem Einfluss russischer Geheimdienste auf den US-Wahlkampf sagte: „I don’t see any reason why it would be (Russia).“ Hätte natürlich „wouldn’t“ heißen sollen, wie Trump gestern korrigierte.

Kaum vorstellbar, dass diese Panne zum ersten Mal passiert ist – nur besitzen andere Politiker eben nicht Trumps legendäre Gelassenheit und Aufrichtigkeit beim Eingestehen von Fehlern. Weite Teile der Geschichte des angelsächsischen Sprachraums müssen womöglich neu geschrieben werden.

Als Trump-Vorvorvorgänger Bill Clinton 1998 sagte: „I did not have sexual relations with that woman“, wollte er vermutlich keineswegs lügen, sondern im Gegenteil das amerikanische Volk vollumfänglich über seine Affäre mit Monica Lewinsky aufklären – aber dann ist ihm irgendwie das „not“ in den Satz gerutscht.

Womöglich ebenjenes „not“, das der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher fehlte, als sie bei einem EU-Gipfel 1984 forderte: „We are asking for a very large amount of our own money back.“ Was eigentlich heißen sollte: Liebe EU, ihr könnt unser Geld behalten.

Seit diesem Missverständnis genießen die Briten einen großzügigen Rabatt auf ihre EU-Beiträge. Nun wissen wir wenigstens, warum. Danke, Donald!

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