Kommentar Prognosen zu Griechenland sind unrealistisch

Die Fehler des ersten Rettungspakets sind behoben. Doch die Prognose der Euro-Führung über die griechische Wachstumsrate ist immer noch unrealistisch.
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Die Wirtschaft darf nicht weiter verfallen. Ein tiefgreifender Umbau der Staats- und Wirtschaftsstrukturen ist notwendig. Quelle: dapd

Die Wirtschaft darf nicht weiter verfallen. Ein tiefgreifender Umbau der Staats- und Wirtschaftsstrukturen ist notwendig.

(Foto: dapd)

Die Griechenland-Rettung gleicht einem kräftezehrenden Marathonlauf, und die Euro-Zone wird dafür noch sehr viel Ausdauer benötigen. Am Ende des beschwerlichen Wegs sind Hellas und seine europäischen Partner noch längst nicht angelangt. Gestern bewältigten sie immerhin eine bedeutende Etappe: Die Euro-Zone bewilligte Griechenland neue Kredite in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Die privaten Gläubiger verzichten auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen an das Land. Im Gegenzug verpflichtete sich Griechenland zu einem in der westeuropäischen Nachkriegsgeschichte beispiellosen Reformprogramm.

Für die EU war das ein guter Tag. Die Europäer haben dem Rest der Welt gezeigt, dass sie zusammenhalten und einen in große Not geratenen Mitgliedstaat nicht fallen lassen. Das ist ein wichtiges Signal – nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Die von Deutschland angeführten finanzstarken Mitgliedstaaten stellen damit unter Beweis, dass europäische Solidarität für sie kein leeres Wort ist.

Und die griechische Elite hat – wenn auch reichlich spät und unter massivem Druck – eingesehen, dass sie sich vor einem tiefgreifenden und schmerzlichen Umbau ihrer Staats- und Wirtschaftsstrukturen nicht herumdrücken kann.

Ruth Berschens leitet das Brüsseler Büro des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Ruth Berschens leitet das Brüsseler Büro des Handelsblatts.

(Foto: Pablo Castagnola)

Der Fall Griechenland stellt Europa vor eine historische Herausforderung. Ein Vorbild, aus dem man lernen könnte, gibt es dafür nicht. Deshalb gilt für die Rettung des Landes zwangsläufig das Prinzip Versuch und Irrtum. Fehler wurden schon reichlich gemacht in Hellas – von der Euro-Zone und auch von dem viel erfahreneren Internationalen Währungsfonds (IWF).

Beide haben die Selbstheilungskräfte von Staat und Wirtschaft in Griechenland anfangs überschätzt. Deshalb wurden Steuereinnahmen und Privatisierungserlöse im ersten Hilfspaket für Griechenland viel zu hoch angesetzt. Auch konzentrierten sich die Griechenland-Retter zunächst zu stark auf die Sanierung der Staatsfinanzen und kümmerten sich zu wenig darum, die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen.

Diese Irrtümer erweisen sich nun immerhin als lehrreich. Das zweite Reformprogramm gibt Griechenland deutlich mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung. Stattdessen muss das Land nun seine Arbeitskosten drastisch senken. Mindestlöhne, Renten und Sozialleistungen werden gekappt. Außerdem sollen die staatlichen Strukturen von Grund auf erneuert werden: das Steuersystem, die Justiz, das Gesundheitswesen, der Rechtsrahmen für Unternehmen und freie Berufe.

Dafür wollen EU und IWF deutlich mehr Fachleute nach Griechenland entsenden als bisher. Gut wäre es, dafür gezielt qualifizierte Auslandsgriechen anzuwerben. Sie können in ihrer Heimat mehr ausrichten als die als besserwisserisch und arrogant empfundenen Nordeuropäer.

2014 soll Griechenland sich selbst finanzieren können
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15 Kommentare zu "Griechenland: Europa muss sich der Wahrheit stellen"

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  • @-Eurotiker: "Wir in D müssen aufpassen, dass wir nicht auch so enden." Mit dieser Aussage gehören Sie ja noch zum König der Optimisten. Prof. Sinn, Ifo München, von der FAZ gefragt: "Wie geht das alles aus?", antwortet: "Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren. Die Rettungsschirme werden in Kürze verbraucht sein. Dann wird man Deutschland bedrängen, die Summe zu erhöhen, um die alten Kredite zu schützen. Man wird immer wieder neues Geld dem alten hinterherwerfen, um sich bis zur jeweils nächsten Wahl zu retten. Im Endeffekt werden dreieinhalb Billionen Staatsschulden der Südländer vergemeinschaftet sein. Deutschland wird einen erheblichen Teil seines Auslandsvermögens verlieren - entweder über Staatskonkurse, über Inflation oder, am wahrscheinlichsten, über Steuererhöhungen zur Finanzierung der anstehenden Transferunion."
    Die Deutschen haben aber selber 7 Bio. Euro Gesamtschulden bei einem gesamten Nettovermögen von 10 Bio. Euro, das aber zu 70% den großen Vermögensbesitzern gehört und schon seit der letzten Erbschaftsteuerreform weitgehend im außereuropäischen Ausland gebunkert ist.

  • 400 Millionen Europäer müssen sich der Wahrheit stellen, dass sie von 10.000 Eurokraten wissentlich oder auch durch Dummheit verraten und verkauft wurden. Ohne Diesen Wasserkopf der uns sagen will was wir zu tun und zu denken haben, und der uns wie Terroristen überwachen und gängeln lässt, ginge es uns wieder besser. WEG MIT DER EUORKATIE.

  • Die Tussi hat einen Dachschaden. Wenn in allen lohnschreibenden Sklavenstufen solche Vollexperten sitzen? Wer wundert sich über den Rest des verfassungslosen Wirtschaftsverwaltungsterritoriums BRD?

  • Europa muss sich der Wahrheit stellen dass die EU krachend gescheitert ist. Beweis hierfür sind alleine schon die 500 Mrd UNEINBRINGBARE Aussenstände der BBK im Target2.

    Seit längerem habe ich den Eindruck, dass Frau Berschens regelmässig vom EU-Presse-Attaché abgefüllt wird bevor sie ihre Kommentare schreibt. Berschens-Kommentare lese ich schon länger erst gar nicht mehr sondern lieber direkt die Kommentare der Leser, die haben wenigstens Substanz.

  • Es war ganz bestimmt nicht der letzte Schuldenschnitt.

    Auch daß nachträglich die Regeln geändert werden können, bestimmte Gläubiger ( Notenbanken) besser gestellt werden und ihr Risiko auf die Restlichen überwälzen können, läßt befürchten, daß die Rückzahlung von Staatsanleihen in Zukunft nur nach Nase, d.h. politischem Einfluß des jeweiligen Gläubigers erfolgt.

    Wenn das in GR funktioniert, wird es in D in niccht zu ferner Zukunft auch funktionieren.

  • Moin moin Frau Berschens, ich verfolge Ihre Beiträge im HB seit geraumer Zeit. Sie avancieren zur Lachnummer schlechthin.
    Vom schwachen Euro profitiert die deutsche Exportwirtschaft sonst niemand und das auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Die Exporte in die EU-Staaten wurden und werden kreditfinanziert, die Anleihen der Pleitestaaten liegen jetzt als Giftmüll bei den Banken oder der EZB. Parallelen zur Subprime-Krise in den USA sind unverkennbar. Ein Schneeball-System, sonst nichts. Es werden Positionen über Jahre aufgebaut, Insider stopfen sich die Taschen voll, dann folgt der Ausstieg indem die faulen Anleihen dem Steuerzahler präsentiert werden. An diesem Punkt befinden wir uns jetzt. GR rettet niemand, auch Sie nicht, da alles von langer Hand vorbereitet wurde. Wir in D müssen aufpassen, dass wir nicht auch so enden.

  • In unserer Zeit sind Wunder rar, treten allenfalls in Kommentaren wie diesem auf. Aber ein Wunder wäre es, wenn sich eine Gemeinschaft durch die dümmlichste Entscheidung aller Zeiten, für alle Staaten eine einheitliche Währung auch noch einzuführen, selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen könnte. Europa hat sich seit Anfang des 19. Jh. nicht geändert: Aus selbstgeschaffenen Katastrophen mussten es bisher immer andere befreien, insbesondere Amerika. Aber für die letzte selbstgeschaffene Katastrophe, die Einführung einer einheitlichen Währung, steht diesmal niemand zur Verfügung, denn auch Amerika versinkt langsam im Schuldensumpf.

  • Die Berschens hat das Schreiben von Propaganda wohl in einem alten Goebbelsbuch aus dem Propagandaministerium gelernt.
    Durchhalteparolen, Fehlinformationen, Verdrehungen, Trickserei. Mehr nicht!
    Sie nimmt doch hier keiner ernst, Frau Berschens. Neuer Job gefällig?

  • Sehr geehrte Frau Berschens,
    Sie sind eine der dümmsten Schreiberlinge, deren Artikel man hier zu lesen bekommt. Es ist erschreckend, mit wie wenig wirtschaftlichem Wissen man beim HB Karriere machen kann.

  • Aus deutscher Sicht wäre das nicht nur ökonomisch, sondern auch moralisch gerechtfertigt. Schließlich hat Deutschland auch einmal von einem staatlichen Schuldenschnitt profitiert. Anfang der 50er-Jahre haben die USA Deutschland einen großen Teil seiner Kriegsschulden erlassen und damit das Wirtschaftswunder erst möglich gemacht. Dahinter standen damals natürlich strategische Interessen. Die gibt es – wenn auch anders gelagert – heute allerdings wieder, und zwar gerade aus deutscher Sicht.

    Aha, strategische Interessen?
    Portugal, Irland, Spanien, Italien haben Sie dann hoffentlich auch auf ihrer Schuldenschnittrechnung.
    Man, man, man ich fasse es nicht, gibt es eigentlich nirgendo in diesem Land mehr Journalisten/innen, die sich nicht mit dieser EU und dem Euro gemein machen?
    Bitte melden, wenn noch irgendwo in deutschen Redaktionsbüros, so jemand mit Rückgrat, Moral und Anstand fürs eigene Volk, zu finden ist, besten Dank!

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