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Griechenland nach der Wahl Ungleiche Partner

Der politische Schulterschluss des radikal-linken Bündnisses Syriza mit den Rechten mutet auf den ersten Blick merkwürdig an, macht aber durchaus Sinn. Denn die beiden Parteien haben viel gemein. Ein Kommentar.
9 Kommentare
Gerd Höhler

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Griechenland.

AthenDie letzten Stimmen wurden noch ausgezählt, da traf sich der Wahlsieger Alexis Tsipras bereits am Montagmorgen mit Panos Kammenos, dem Chef der Splitterpartei „Unabhängige Griechen“ (AE). Die beiden Politiker beratschlagten nur kurz, dann stand die Koalition.

Der politische Schulterschluss des radikal-linken Bündnisses Syriza mit den Rechten mutet auf den ersten Blick merkwürdig an, macht aber aus Tsipras‘ Sicht durchaus Sinn. Nicht nur der Populismus ist ein gemeinsamer Nenner beider Parteien. Es gibt auch große politische Schnittmengen zwischen beiden Parteien, wie die Forderung nach einem massiven Schuldenschnitt, die Totalopposition gegen den Spar- und Reformkurs, eine tief sitzende Europa-Skepsis und nicht zuletzt die Fixierung auf das Feindbild Angela Merkel – Kammenos und Tsipras sehen in der deutschen Kanzlerin die treibende Kraft dessen, was viele Griechen als „Spardiktat“ empfinden.

Vom Wahlsieger zum Regierungschef

Von dem Pakt der beiden Populisten sind vor diesem Hintergrund neue Irritationen im Verhältnis zwischen Athen und Berlin zu erwarten.

Kammenos gehörte früher der konservativen Nea Dimokratia (ND) an, sagte sich aber vor drei Jahren von ihr los und gründete die Unabhängigen Griechen – nicht zufällig in der Ortschaft Distomon, die 1944 durch ein Massaker der Waffen-SS verwüstet wurde. Kammenos appelliert an anti-deutsche Ressentiments, sie gehören gewissermaßen zur DNA seiner Partei.

In manchen Punkten gibt er sich weitaus radikaler als Tsipras. So will er den Schuldendienst einstellen. Der Syriza-Chef lehnt dagegen einseitige Schritte ab und setzt auf Verhandlungen mit den Gläubigern. Es gibt andere gravierende Differenzen zwischen beiden Parteien: Kammenos will illegale Einwanderer massenhaft deportieren. Tsipras hat sich dagegen für mehr Zuwanderung und eine Legalisierung von Migranten ausgesprochen.

Für Kopfschütteln sorgte Kammenos, als er kurz vor der Wahl forderte, man sollte die Opas und Omas am Wahltag einsperren, damit sie nicht die Nea Dimokratia wählen könnten. AE-Chef Kammenos gibt sich tief religiös, Tsipras hält dagegen große Distanz zur Kirche: Er lebt in einer kirchlich nicht anerkannten Lebenspartnerschaft und hat seine beiden Kinder nicht taufen lassen.

Wie das Bündnis der beiden ungleichen Partner Tsipras und Kammenos in der Praxis funktioniert, muss die Zukunft zeigen.

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9 Kommentare zu "Griechenland nach der Wahl: Ungleiche Partner"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Populismus, das Unwort des Jahres

    Wann begreifen die Medien endlich, dass es in einer Demokratie per Definitionem keinen Populismus geben kann. Eine Mehrheit ist eine Mehrheit und es ist zutiefst undemokratisch und überheblich, zwischen guten und schlechten = populistischen Mehrheiten oder Parteien zu unterscheiden! Derartige unterschwellige Vorverurteilungen spielen dem Vorwurf der "Lügenpresse" in die Hände. Das HB sollte deshalb diesen manipulativen Begriff konsequent vermeiden!

  • Ach, Herr Rehnen, ob nun die Ablehnung von „Mutti“ und dem „kleinen Dicken“, Gespräche mit PEGIDA und AfD zu führen, klug ist, mag dahingestellt bleiben; immerhin hat PEGIDA kein politisches Mandat, anders die beiden GR-Partner.
    Und es ist ja wirklich erfrischend, wie Sie sich als (legaler) Steuerflüchtling outen und sich dann alles „von Weitem anschauen“ können – aber AFD-Sympathisant scheinen Sie schon zu sein. Dasselbe, also keine Steuern zahlen und sich alles von Weitem angucken, das machen auch die griechischen Reeder und Konsorten; würden die ihre Steuern bezahlen, hätte GR keine finanziellen Probleme.
    Ihre (Schaden-) Freude ist völlig deplatziert – und diese im Handelsblatt zu platzieren, zeugt nur von Hybris.

  • Wast ist den mit Dir los? Du zahlst und ich lege mich in die Sonne UND VERGISS NICHT den Kühlschrank voll zu machen, ich wohne demnächst per Zwang bei Dir.

  • Na und ?

    AfD und LINKE könnten auch koalieren - um die BLOCKPARTEIEN "auszuhebeln" !!!

  • Die Religionsferne von Tsipras gefällt mir, schützt aber leider nicht vor ideologischem Denken.

  • Die Griechen wählen, was sie wollen. Aber unser Steuergeld bleibt hier! Wenn sie die Schulden nicht zurück zahlen, auch gut. Damit muss man leben, aber Solidarität gibts dann nicht (mehr).

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ch lach mich schlapp.
    Die Troika (EU etc.) muss nun auch noch mit Rechtspopulisten (Koalitionspartner der Syriza) verhandeln. Wow, mal sehen, wie Mutti und der kleine Dicke, das dem Wähler verkaufen wollen, wo sie Gespräche im eigenen Land mit den als "rechtspolpulistisch" verunglimpften PEGIDA und AfD strikt ablehnt.
    Das Drama ist einfach nur noch grotesk.
    Was für ein Glück, dass ich seit langem legal keine Steuern mehr in D bezahle.
    Ich kann mir das von Weitem anschauen und mich nur noch über die Michel-Deutschen wundern.
    Ihr beschwert Euch über die korrupte Administration in GR und gleichezitg toleriert das Übel in D.

  • Es gibt nur zwei Möglichkeiten - immerhin eine mehr als unsere Kanzlerin glauben machen will:

    Entweder stolpert man weiter im Euro von einem Desaster ins nächste.
    Oder man wechselt von der Gemeinschafts- zur nationalen Währung.

    Im ersten Fall ist es eine teure Katastrophe ohne Ende.
    Im zweiten Fall sind die Kosten endlich und der Erfolg absehbar.

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