Ifo-Index Fette Jahre

Auch auf mittlere Sicht sind die Wachstumsaussichten für Deutschland besser als in den meisten Ländern der Eurozone und den USA.
  • Jan Mallien
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Die neuen Zahlen des Ifo-Index zeigen zwei gegenläufige Entwicklungen: Einerseits sind die Unternehmen mit ihrer gegenwärtigen Geschäftssituation zufriedener als im Vormonat; Andererseits sind sie für die Zukunft weniger optimistisch. Was steckt dahinter?

Derzeit läuft es für die Unternehmen rund. Dank der starken Nachfrage aus dem Ausland haben sie volle Auftragsbücher. Allerdings schwächt sich die Konjunktur in Ländern wie den USA und China deutlich ab. Das bremst den Optimismus der hiesigen Exporteure. Es besteht besteht aber dennoch kein Anlass zur Sorge. Die Wachstumsaussichten für Deutschland sind auch auf mittlere Sicht besser als in den meisten Ländern der Eurozone und den USA. Deutschland hat gute Chancen die nachlassenden Exporte durch eine erhöhte Binnenachfrage zu kompensieren.

Dafür spricht die positive Arbeitsmarktentwicklung. Eine höhere Beschäftigung an sich steigert die Kaufkraft, weil die Löhne in der Regel über dem Niveau der Sozialleistungen liegen. Die sinkende Arbeitslosigkeit wird sich aber auch bald in den Tarifabschlüssen widerspiegeln. Die Verhandlungsposition der Gewerkschaften hat sich merklich verbessert. Als Ergebnis sind deutliche Lohnerhöhungen zu erwarten, die die Nachfrage stimulieren werden.

Einen weiteren positiven Impuls könnte die EZB geben. Sie wird wohl noch länger an niedrigen Zinsen festhalten, um Länder wie Griechenland oder Portugal zu stützen. Die EZB-Zinsen orientieren sich zwangsläufig an der durchschnittlichen Wirtschafts- und Inflationsentwicklung in der Eurozone. Für Deutschland bedeutet das nun: Niedrige Zinsen, trotz vergleichsweise hoher Wachstums- und Inflationsraten. Dies macht auch Investitionen in Immobilien und andere Vermögensgegenstände attraktiver, was ebenfalls die Nachfrage erhöht und dem Aufschwung eine starke Eigendynamik verleiht. Der deutschen Wirtschaft stehen fette Jahre bevor.

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12 Kommentare zu "Ifo-Index: Fette Jahre"

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  • Den deutschen Aktionären stehen fette Jahre bevor- so muß der satz heißen. Die Staatshaushalte sind am bankrott, die aktionäre sahnen ab- das Prinzip nennt sich Shareholder Value. Keine Verschuldung ist miserabel und schändlich genug , Hauptsache das geld landet letztendlich bei den reichen und bei den Lobbys. Dieser zustand scheint dem artikelschreiber wohl wie das Paradies zu sein. aber das Paradies wird leider gestört werden, denn die theorie des ifo-instituts, die hier wiederholt wird, wird kein hohes wachstum einbringen. das sind wolkenkuckucksheime. die propagandistischen Jubelgesänge sollen davon ablenken, daß
    1) in 2011 für Deutschland eine stagnation oder rezession erfolgen wird.
    2) daß deutschland den Preis für seine Export"Erfolge" teuer wird bezahlen müssen, da ansonsten der Euro am ende ist.
    3) daß massive Steuer und Abgabenerhöhungen auf allen Ebenen bevorstehen, oder eben massive einsparungen. deutschland lebt ungeniert auf Pump- mehr als jemals zuvor.
    4) Die Kosten, die aus "bankenrettungen" etc. auf den Staatshaushalt zukommen können, gewaltig sind und jeden halbwegs soliden Haushaltsplan aus den Angeln heben.
    Die behauptung, "fette Jahre" stünden bevor, das trifft für die großkonzerne und deren Eigner zu, ansonsten ist es völliger Quatsch, von "fetten Jahren" zu sprechen. Genau das Gegenteil wird für 99% der bevölkerung der Fall sein.

  • Am Stammtisch diskutiert man geistreicher. Schon erstaunlich welche Schamlspur-Ökonomen hier veröffentlichen dürfen. in spätestens 10 Jahren ist hier Feierabend und es gibt den bekannten Währungsschnitt; d.h Gold oder Canada.

  • Die deutsche Wirtschaft boomt und lässt die Prognosen des iWF bereits in den Himmel wachsen.
    bereits vor Monaten hatte der iWF neue und noch größere Konjunkturstrohfeuerpakete angemahnt, um das zarte Pflänzchen „Aufschwung“ nicht zu gefährden. in den letzten 2 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 30 billionen Dollar in banksterrettungs- und Konjunkturstrohfeuerpakete investiert, alles natürlich auf Pump, um einen selbstragenden Aufschwung zu erreichen. beides ist fehlgeschlagen.
    Die bankster sind immer noch so pleite wie Mitte 2007, die sitzen immer noch auf über 600 billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel, aus den bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren (biZ 06/2008).
    Und so bald ein Konjunkturstrohfeuer abgebrannt ist bricht unser Export in sich zusammen. im Dez. 2009 hatte die chinesische Staatsbank die Kreditvergabe an Jedermann eingeschränkt und im Jan. 2010 sind unsere Exporte um 50% gesunken.
    in den USA lief im April die Steuergutschrift für Neubauten aus, im Juni sind die Neubauten um 32% eingebrochen, der stärkste Rückgang seit beginn der Aufzeichnungen.
    Um die US-Wirtschaft vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren hatte Obama die Rückzahlung der Kreditkarten- und Kleinkredite in Höhe von 2700 Milliarden Dollar auf unbegrenzte Zeit hinausgeschoben. Dank Muttis Exportbürgschaften kann sich jetzt jeder Arbeitslose in den USA den Wunsch nach 4 Rädern Made in Germany ohne Anzahlung erfüllen. Die erste Rate in 2 Jahren. Aber es geht aufwärts, das ist wichtig. Wichtig für Mutti und für die Amis, deren Selbstwertgefühl nicht so stark darunter leidet, wenn sie mit einem neuen Auto zur Suppenküche fahren.
    Unsere derzeitigen und künftigen Exporterfolge, erfreulich für alle EU-Finanzminster, die bereits auf die Schecks aus berlin warten, um deren Armageddon noch a bissl rauszuschieben.

    Die Welt verändert sich jeden Tag. Unsere zukünftige Abnehmer sind die Schwellenländer, Russland und China. Das hat auch Mutti schon verstanden. Mit Löhnen, die sich seit 1995 nicht mehr erhöht haben erarbeiten wir Wohlstand, um damit Länder zu beglücken, die bis zu 50% höhere Löhne haben und schon mit 50, 55 und 60 in Rente gehen. Für die binnennachfrage bleibt da nix mehr übrig, außer vielleicht schon wieder mit noch mehr Schulden.

    Daran scheitert die Europäische Union. Wir müssen die Weichen neu stellen und uns auf die zukünftigen Märkte einstellen. Ein Austritt aus der EU und die Wiedereinführung der DM könnte uns davor bewahren, den Wohlstand zu verschenken, den unsere Eltern und Großeltern mit viel Schweiß aufgebaut haben. Außerdem müsste Schäuble den 31.08., ab dem Tag für das Finanzamt gearbeitet wird, um ein halbes Jahr vorverlegen. Die Gründe für einen Austritt Deutschlands aus der EU lassen die Nachteile verblassen.

  • Die Konjunktur in den Staaten und China schwächt sich ab (zärtlich ausgedrückt angesichts von immobilienblasen), aber keine Angst dt. Michel der dt. binnenmarkt und der Export werdens richten. der deutschen Wirtschaft stehen fette Jahre bevor. Mein Gott, welch analytischen Schwachsinn hat Herr Mallien hier ausgebrütet. Das erinnert mich an den staatlichen Auftragsjournalismus im seinerzeitigen Zentralorgan der SED "Neues Deutschland". Angesichts der derzeitigen Visionslosigkeit marktwirtschaftlicher Politik als Folge zurückgehenden Weltkonsums diesen Unsinn zu Papier zu geben, fällt mir nur folgendes ein: Den Kapitalismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Herr Jan Mallien auf.

  • Meine Sicht ist deutlicher negativer. Gründe dafür gibt es genug: Sozialabgaben in D steigen. Der Aufschwung ist dem schwachen Euro geschuldet und D wird auch in Zukunft überaltern und überschuldet bleiben. Die inlandsnachfrage wird weiter schrumpfen. Und Reformen wurden Deutschland auch nicht angepackt. Wohnhaft in der Schweiz sehe ich D aus einer anderen Perspektiven und empfehle diese gerne anderen:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/mehr_glueck_als_koennen_1.7679307.html


    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_lust_an_der_politischen_schweinegrippe_1.7679192.html

  • @oberberger
    Stimme ich auch mal zu, alles muss die Politik sicher nicht falsch gemacht haben, ansonsten würde Deutschland viel schlechter dastehen.

    Aber ich sehe viele der guten Entwicklungen zurückgehen auf Rot-Grün (obwohl ich überhaupt kein Linker bin) hat diese Koalition unter Schröder doch geschafft Deutschland international wettbewerbsfähig zu machen und aus dem "kranken Mann Europas" (@Economist 1999) ist die "Konjunktur-Lokomotive Europas" (@Economist 2010) entstanden.

    Also, trotz all der Kritik: Hut ab vor der Politik.

  • Da ist sie wieder, die neolibarle Endlos-Kassette des vermeintlichen "Wirtschaftswachstums"

    ich frage den Autoren dieses Kommentators:

    Wer ist Deutschland?

    Wer profitiert von der Exportlastigkeit auf den Schultern von Niedriglohn, Sozialabbau und Armutsrenten?

    Rund 23% hierzulande kassieren bereits bettellöhne von unter 6 Euro, das Rentenniveau mit 70 ist bereits in der Diskussion.

    Deutschland ist das einzige Land innerhalb der EU ohne einen Mindestlohn bzw. flächendeckenden Tarifverträgen. Die Folgen daraus sind fatal: Als einziges Land gab es hierzulande seit der Jahrtausendwende Reallohnverluste.

    im Vergleich dazu: Von 2000 – 2008 wuchs der Reallohn in Großbritannien um 28%, in Griechenland gar um über 40%.


    Ein Drittel "Deutschlands" ist von Armutsrenten bedroht - Tendenz steigend - und das, obwohl bereits ernsthaft die Rente mit 70 diskutiert wird.

    in Frankreich, wo Rentner schon mit 60 in Rente gehen und durchschnittlich 50% besser dastehen als in Deutschland, gab es am Donnerstag riesige Demonstrationen. Zum zweiten mal binnen einer Woche zogen landesweit 2,5 Millionen Menschen auf die Straße, um gegen Rente mit 62(!) zu demonstrieren, dieses Großereignis wurde in der hiesiegen neolibealen Presse (bewusst) so gut wie nicht kommuniziert.

    Und was macht der deutsche August? Er sieht - durch die neoliberlalen Medien mit Dauerkassetten manipuliert - sein Seelenheil darin, neoliberale Maßlosigkeit der großen Lobbyisten im bundestag in Köpenick-Manier abzunicken, deren dreiste Versorgungsansprüche jeweils die basis für noch höhere Zuschläge bildet, während ein Drittel des Staates mit einer bettelrente auszukommen hat.

    Doch damit nicht genug: Durch den einseitigen Exportkurs - erkauft durch Niedriglohn und Sozialbabbau - geht es der deutschen binnenwirtschaft miserabel.

    Damit es hierzulande einigen großen Export-Unternehmern, ihren Hausbanken und sonstigen Profiteuren weiterhin prächtig geht, wird vom deutschen Steuerzahler neuerdings erwartet, dass er mit seinen Milliarden die Abnehmerländer dieser blasenwirtschaft, welche die auf sozalen Ausgleich bedachten marktwirtschaften anderer EU-Staaten erdrückt – subventioniert.

    im Mai dieses Jahres kam es erstmals zur Katastrophe: 30 Mrd. an das hoffnungslos verschuldete Griechenland und rund 150 Mia. bürgschaften an die ebenfalls aussichtslos verschuldeten PiGG-Staaten waren die erste Rate in einem Spiel, welches mit großem Knall enden muss.

    Die den PiGG-Staaten im Mai zugebilligte Möglichkeit, bei der Europäischen Zentralbank Milliardenkredite gegen Ramschanleihen aufzunehmen, verzögert den nächsten, noch größeren Knall, aufhalten kann er ih nicht. im Gegenteil. Dies führt dazu, dass sich – von der neoliberalen Presse quasi unkommentiert - die Tresore der EZb Monat für Monat(!) mit wertlosen bonds in Höhe von zur Zeit 15 Mia. Euro (Tendenz steigend) füllen, d.h. Ende September werden bereits 75 Mrd. Giftpapiere aus dieser Maßnahme gebunkert. Für mindestens 20% davon wird der deutsche Steuerzahler eines Tages bürgen (je nach Höhe der Ausfall-Staaten sind es anteilmäßig schnell mehr), so daß der Schuldenstand der Deutschen faktisch zur Zeit monatlich um 3,5 - 4,5 Mrd Euro wächst. Die beträge werden demnächst abinflationiert, d.h. die Reallöhne und Renten sinken unter dieser Entwicklung noch schneller, als bisher.

  • Anfang 2009, als die Krise mit aller Kraft zuschlug, hat uns Mutti versprochen, Maßnahmen zu ergreifen, daß Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgeht. Offensichtlich hat sie wohl alles richtig gemacht. Jetzt können wir auch einmal Danke sagen.

  • Es findet sich doch immer noch ein Vergleich, der vorspiegelt, daß alles besser ist, als sonst(wo), wenn es auch falsch ist. Diese Art der berichterstattung ist manipulativ, wenngleich aktuell recht häufig. Zutreffend läßt sich sagen, die Auftragspipeline dünnt aus, die Aussichten sind schlecht. Damit sind alle Zutaten für den double dip zusammen, oder wie in USA gesagt wird, den Fortgang der Krise.

  • Dass Deutschland den Absturz besser verkraftet, als der Rest Europas und die USA, liegt daran, dass wir im Maschinen-, Werkzeug- und Automobilbau weltweit führend sind. Die aufstrebende Märkte der Schwellenländer benötigen Produktionsanlagen Made in Germany in Verbindung mit billiglöhnen, um sich den Export zu sichern. Und auf dem ganzen Planeten wünscht sich fast jeder ein Auto Made in Germany. Das sind bedingungen, um die uns fast alle beneiden. Den bisherigen uneingeschränkten Spitzenreiter für unseren Export, die größte Volkswirtschaft der Welt, gleitet langsam aber sicher in die bedeutungslosigkeit ab. Mutti kann ja nicht ewig Exportbürgschaften gewähren, damit sich die Arbeitslosen in den USA ihren (letzten?) Traum auf 4 Rädern Made in Germany erfüllen können.
    Von der Finanzkrise sehen wir erst einen kleinen Teil, aber jeden Tag kommen wir dem Tag der Wahrheit ein Stück näher. bei Fälligkeit der überall herumschwirrenden Derivaten in Höhe von 600 billionen Dollar fällt das Finanz-Kartenhaus wie Staub in der Wüste in sich zusammen. Die banken durften diese Risiken aus den bilanzen auslagern, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren.
    Unser Maschinen-, Werkzeug- und Automobilbau sichert uns in D ein wesentlich sanfteren Aufschlag als im übrigen Europa. Doch gerade den Ländern der EU müssen wir uns solidarisch zeigen und unsere Exporterlöse teilen. Politisch no problem, weil die Abhängigkeit anderer EU-Länder den Größenwahn unserer Politiker noch beflügeln, für die bürger aber nicht nachvollziehbar, wenn wir bis 67 arbeiten sollen und andere schon mit 50, 50 oder mit 60 in Rente gehen. Außerdem das Lohnniveau in den meisten EU-Staaten wesentlich höher ist, als bei uns.
    Trotz, bzw. gerade wegen unserer niedrigen Löhne, die sich seit 1995 nicht mehr erhöht haben, sind wir konkurrenzfähig und müssen andere Länder mit wesentlich höheren Löhnen finanziell stützen. Passt alles nicht zusammen. Schäuble und Mutti vertraut zu sehr auf die Gutmütigkeit und Dusseligkeit der Deutschen. Doch das blatt kann sich sehr schnell ändern.
    Wenn unserer Sozialleistungen immer weiter gekürzt werden, z.b. keine Therapien nach einem Schlaganfall für Personen über 45 Jahre mehr gewährt werden, dann sind die Grenzen der Toleranz mehr als überschritten.
    Mutti hat die Wahl zwischen berechtigten und schon längst überfälligen inneren Unruhen in Deutschland, oder einem Austritt aus der EU und Einführung der D-Mark. So könnten wir die noch kommende Wirtschaftskrise halbwegs überstehen, ohne die bisherigen Vermögenswerte, die von unseren Eltern und Großeltern mit viel Schweiß und harter Arbeit geschaffen wurden, im europäischen Solidarpakt zu verschenken.

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