Interview: Henning Kagermann „Wir stehen vor einer neuen IT-Welle“

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Cebit gut, alles gut - Henning Kagermann sieht das nicht so. Foto: Deutsche Messe

Cebit gut, alles gut - Henning Kagermann sieht das nicht so. Foto: Deutsche Messe

Können Sie auf der Cebit noch ihr Zielpublikum erreichen?

Kagermann: Wir knüpfen auf der Cebit noch immer jede Menge Kontakte mit Interessenten, insbesondere aus dem Mittelstand. Parallel muss die Frage allerdings erlaubt sein, ob sich die IT künftig nicht auch stärker in den Fachmessen wie etwa der Drupa präsentieren sollte. Da IT für die Geschäftsstrategie immer relevanter wird, erreichen wir auch dort unsere Klientel.

Fürchten Sie nicht eine Übersättigung der Kunden mit dem Thema IT?

Kagermann: IT ist heute nun mal allgegenwärtig. Wir haben uns schon zu stark daran gewöhnt. Vielleicht brauchen wir einfach wieder mehr Technologiebegeisterung.

Wenn die fehlt, ist es dann möglich, Europa beim Wachstum bis 2010 weltweit an die Spitze zu führen, wie es die Lissabon-Initiative vorsieht?

Kagermann: Um die Ziele von Lissabon zu erreichen, ist ein extremer Nachdruck notwendig. Lissabon kann nur europaweit vorangetrieben werden. Helfen könnte zum Beispiel der Aufbau grenzüberschreitender Cluster.

Ist der Vorschlag des Bitkom, das Thema Innovation in die Verfassung aufzunehmen, hilfreich?

Kagermann: Ich bin kein Freund von Reglementierungen. Man kann Kreativität und Innovation nicht verordnen. Für mich ist das eher Ausdruck eines falschen Sicherheitsdenkens.

Was schlagen Sie vor?

Kagermann: Etwas mehr Fokus würde Europa gut tun. Ich werde in meiner Rede am Mittwoch die Frage stellen, ob wir es uns in Europa leisten können, auf eine IT-Industrie zu verzichten. Ich glaube nicht.

Was heißt Fokus?

Kagermann: Wir müssten zwei oder drei Themen herausgreifen. Ich halte die IT für ein solches Thema, es gibt aber andere, wie zum Beispiel erneuerbare Energie. Aber man muss sich endlich fokussieren und das dann mit Macht vorantreiben.

Ist das der Ruf nach staatlicher Unterstützung?

Kagermann: Ich rede nicht von Subventionen. Es geht vielmehr um Rahmenbedingungen. Es würde zum Beispiel helfen, das Arbeitsrecht an die Branchen anzupassen. Die Arbeit bei einer SAP ist eine andere als die in der Schwerindustrie. Zurzeit werden alle Branchen gleich behandelt. Seit vier Jahren höre ich das Thema erleichterte Einreisebedingungen für so genannte "Knowledge-Worker". Die Analyse ist richtig, aber weiter sind wir noch nicht.

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