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Kommentar 2021 wird das Jahr des Aufschwungs

Auch die britische Virus-Mutation wird die wirtschaftliche Erholung nicht verhindern. Ohne Abschottungen der EU-Staaten käme sie aber schneller in Gang. 
23.12.2020 - 10:13 Uhr Kommentieren
Quelle: Burkhard Mohr
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr)

Berlin Wenn der Winter erst überstanden ist und die Massenimpfungen starten, wird sich der Wirtschaftsaufschwung nicht mehr bremsen lassen. Dafür spendierte am Montagabend die Europäische Arzneimittelbehörde gemeinsam mit den Impfstoffherstellern Biontech und Pfizer der Konjunktur das schönste Weihnachtsgeschenk. Der Anti-Covid-Impfstoff ist regulär zugelassen, also nach wissenschaftlichen Kriterien wirksam und sicher. Am Tag nach dem Fest kann europaweit das große Impfen beginnen.

Auch wenn es anfangs an manchen Stellen noch ruckeln wird: Die schweren Krankheitsverläufe bei den Alten dürften bald nach Ostern verschwinden. Bis zum Spätsommer dürften so viele Europäer immunisiert sein, dass die Pandemie abflauen und in einem Jahr verschwunden sein wird.  

Historische Erfahrungen aller Pandemien zeigen: Sind sie vorbei, startet die Wirtschaft durch.  

Bereits der letzte Sommer hat gezeigt, wie schnell am Ende von Lockdowns Wachstum zurückkehrt. Der Stillstand im zweiten Quartal mit dem beispiellosen Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 9,8 Prozent hat Wirtschaftsaktivität letztlich nur zurückgehalten. Als die Geschäfte wieder öffneten, kam die Konjunktur sofort wieder in Gang. Deutschland mit seiner eher vorsichtig-pessimistischen Kaufmannskultur nahm die Kraft dieses Aufschwungs erst wahr, als das Statistische Bundesamt ihn mit dem Plus von 8,5 Prozent fürs dritte Quartal amtlich bestätigt hatte.

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    Die zweite Corona-Welle mit neuem Lockdown hat den Sommeraufschwung europaweit ausgebremst, eine zweite mildere Rezession im Winter ist sehr wahrscheinlich. Aber: Es gibt wegen des ersten Impfstoffs, dem weitere folgen werden, keinen Grund zu befürchten, dass sich diese Rezession noch tief in die Wirtschaft hineinfressen wird. Ihr Ende ist bereits in Sicht.

    Der Sommeraufschwung setzt ein Zeichen

    Auch auf kurze Sicht gibt es gute Daten: Die Industrie hat im letzten Sommer wieder Tritt gefasst. Mit dem Rückenwind aus dem wieder boomenden China und anderen Ländern Asiens stiegen Auftragseingänge, Auftragsbestände und die Produktion in den Schlüsselindustrien im Oktober und November weiter. Und anders als in der ersten Corona-Welle sind Lieferketten bisher nicht gerissen, Industriebetriebe müssen daher nicht schließen.

    Da die Industrie für ein Viertel der hiesigen Wirtschaftsleistung steht und der Handel einschließlich des weiter offenen Online- und Großhandels für nur neun  Prozent, bremst die gute Industriekonjunktur aktuell bereits den Abschwung. Den folgenden Aufschwung dürfte sie befeuern – spätestens im zweiten Halbjahr 2021.

    Hinzu kommt dann ein Konsumwachstum: Viele werden endlich wieder Restaurants und Konzerte besuchen, reisen und Mode kaufen wollen. Die Einkommenseinbußen jedenfalls sind hierzulande bisher begrenzt geblieben, dank Kurzarbeit. Die Sparquote ist hoch wie nie zuvor.

    Die Frage ist also nicht, ob der selbst tragende Aufschwung kommt, sondern wann. Die Virus-Mutation könnte zu einem Rückschlag führen, sollte sie sich tatsächlich als deutlich ansteckender erweisen. Deshalb müssen die Europäer die Grenzschließung zu Großbritannien schnell so gestalten, dass sie nur den Verkehr von Menschen, aber nicht den von Waren behindert. Die Gespräche in der EU und zwischen Frankreich und Großbritannien lassen hoffen, dass dies gelingt.

    Wie schnell der dauerhafte Nach-Pandemie-Aufschwung in Deutschland einsetzt, hängt vor allem vom Infektionsgeschehen ab. Die Dynamik der zweiten Welle mit Tausenden Toten und teilweiser Überlastung der Kliniken sollte Anlass genug sein, die Inzidenzzahl als wichtigstes Kriterium für politisches Handeln zu akzeptieren. Im Oktober hat sich bundesweit gezeigt: Sobald die Zahl Neuinfizierter pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen über 35 gestiegen war, geriet in jedem Kreis die Pandemie zwei Wochen später außer Kontrolle.

    Das ist keine neue Erfahrung, sondern seit der Spanischen Grippe vor 100 Jahren in den USA als Philadelphia-Effekt bekannt. Damals zögerte die Stadtregierung, wie im Oktober Deutschlands Ministerpräsidenten, schnell Kontakte zu beschränken; mit der Folge, dass diese Stadt mehr Todesfälle erlitt und auch wirtschaftlich schlechter durch die Pandemie kam als andere US-Städte.

    Deutschland steht jetzt ein Winter andauernder Lockdowns bevor. Sie dürften den Beginn des Aufschwungs verzögern, aber nicht verhindern. Das könnten nur Virus-Mutationen, gegen die die neuen Impfstoffe nicht wirken. In diesem, und nur in diesem Fall, drohte Deutschland und der Welt tatsächlich eine lange und tiefe Rezession.

    Mehr: Die langsame Erholung der Weltwirtschaft

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