Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar 40 statt 30 Titel: Die Reform des Dax ist gelungen – trotz aller Kritik

Schon jetzt hagelt es Kritik an der größten Indexreform seit der Dax-Gründung. Zu Unrecht. Für einen größeren Dax gibt es gute Argumente, ebenso wie für die anderen Änderungen.
24.11.2020 - 17:37 Uhr Kommentieren
Ab September 2021 notieren 40 Unternehmen in deutschen Blue-Chip-Index Quelle: dpa
Dax-Tafel der Frankfurter Börse

Ab September 2021 notieren 40 Unternehmen in deutschen Blue-Chip-Index

(Foto: dpa)

Die Deutsche Börse kann es keinem recht machen. Sie hat beschlossen, den Dax ab kommendem September von 30 auf 40 Unternehmen zu erweitern. Schon im Vorfeld gab es an diesem Vorschlag viel Kritik, und sie reißt nicht ab. Börsenchef Theodor Weimer hatte sich aber schon länger als Fan eines größeren Dax geoutet, den auch viele Investoren seit Jahren immer wieder fordern.

Weimer hat jedoch nicht nach Gutdünken entschieden. Die Börse hat alle Interessierten öffentlich dazu aufgefordert, ihre Meinung abzugeben. Mehr als 600 Investoren, Unternehmen und Verbände folgten der Aufforderung und 60 Prozent stimmten für einen größeren Dax. Das ist zwar keine überwältigende Mehrheit, aber die Börse wagt zu Recht den mutigen Schritt und die größte Indexreform seit der Dax-Einführung 1988.

Für einen Dax 40 gibt es gute Argumente. Der Dax ist das Schaufenster der deutschen Wirtschaft, und die Börse gibt jetzt mehr Unternehmen Platz, sich dort zu zeigen. Der Dax wird damit zumindest etwas moderner und bekommt mehr Unternehmen aus zukunftsträchtigen Branchen.

Biotechfirmen wie Qiagen, Laborausrüster wie Sartorius oder Onlinehändler wie Zalando können sich gute Hoffnungen auf einen Dax-Einzug machen. Damit wird der Dax zumindest etwas von seinem Image als Industriemuseum, das die deutsche Wirtschaft nicht mehr abbildet, ablegen können.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Kritiker, denen der Dax zu groß wird, monieren, dass sich an der Branchengewichtung durch einen größeren Dax nicht so viel ändert, die zehn Aufsteiger nur acht Prozent der Marktkapitalisierung im Dax ausmachen und der Dax mit 40 Unternehmen fast 90 Prozent der Marktkapitalisierung aller börsennotierten deutschen Unternehmen auf sich vereint. Außerdem sprechen sie von einer „Verzwergung“ des MDax mit den wichtigsten mittelgroßen Unternehmen, der im Zuge der Reform um zehn auf 50 Unternehmen verkleinert wird.

    Der MDax wird nicht „verzwergt“

    Doch auch dafür gibt es gute Gründe. Die Börse verschiebt lediglich die Trennlinie zwischen Dax und MDax. Darunter leidet der MDax zugegebenermaßen.

    Doch wirklich genutzt hätte es seinem Image nicht, wenn dorthin im Gegenzug zehn kleinere Unternehmen aus dem SDax aufgestiegen wären. Außerdem: Einen MDax mit 60 Unternehmen gibt es erst seit gut zwei Jahren – von daher ist das Ganze jetzt lediglich eine Rückkehr zum Status quo ante.

    Die Zahl der Unternehmen in den Indizes ist zwar der plakativste, aber nicht der wichtigste Punkt bei der Reform. Es geht auch um Qualitätsverbesserungen und mehr Transparenz bei der Zusammensetzung der Indizes. Auch dabei hagelt es in vielen Punkten Kritik – zu Unrecht.

    Der Chef der Deutschen Börse hat sich öffentlich als Befürworter einer Erweiterung bekannt. Quelle: Reuters
    Theodor Weimer

    Der Chef der Deutschen Börse hat sich öffentlich als Befürworter einer Erweiterung bekannt.

    (Foto: Reuters)

    Im Fokus bei der Qualitätsverbesserung steht, dass in den Dax 40 nur Unternehmen einziehen dürfen, die zwei Jahre in Folge operativ Gewinne erwirtschaftet haben. Damit würde jungen Technologieunternehmen, die Börsenstars sind, aber dafür erst mal viel investieren müssen und Verluste machen, die Chance auf den Dax-Einzug genommen, heißt es. Als klassisches Beispiel dafür gilt in den USA ein Unternehmen wie Tesla.

    Doch auch der Elektroauto-Pionier durfte erst in den S&P 500 einziehen, als er seine Profitabilität bewiesen hatte. Und: Die Forderung nach dem Gewinnausweis ist eine unmittelbare Folge aus dem Dax-Einzug von Delivery Hero. Der Essenslieferant schreibt keine Gewinne und ersetzte dennoch im August den Skandalkonzern Wirecard im Dax. Damals gab es genau wegen der mangelnden Profitabilität einen Aufschrei.

    Sinnvolles Gewinnkriterium

    Das Argument, dass der Börsenstandort Deutschland geschwächt werde, wenn aufstrebenden Unternehmen der Dax-Einzug verwehrt wird, zieht also nicht. Verwehrt wird ihnen aus gutem Grund nur der Aufstieg in die erste Börsenliga, nicht der Einzug in MDax, SDax oder den Technologieindex TecDax. Drei Viertel der Befragten unterstützen die Börse in diesem Vorschlag.

    Nicht so hoch war die Zustimmungsquote beim umstrittenen Punkt „kontroverse Waffenproduzenten“. Die Börse selbst hatte vorgeschlagen, Unternehmen, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes in diesem Bereich machen, aus allen Indizes auszuschließen. Betroffen davon wäre der Luft- und Rüstungskonzern Airbus gewesen. Eine Airbus-Tochter wartet die Trägerraketen für französische Atomwaffen.

    Die Rüstungsindustrie lief dagegen Sturm. Der Börse vorzuwerfen, sie knicke vor der Industrie ein, ist ungerecht. Hier geht es nicht um Qualität, sondern um Ethik. Die hat in allgemeinen Indizes nichts zu suchen und sie hätte die Börsenmesslatten der Dax-Familie schwerer mit anderen Indizes vergleichbar gemacht.

    Alles in allem ist die Reform gelungen. Auch, weil Wechsel in den Indizes jetzt besser vorhersehbar werden. Die Börse achtet hier quantitativ nur noch auf die Marktkapitalisierung und nicht mehr den Börsenumsatz. Das ist immerhin ebenso wenig umstritten wie die Voraussetzung, dass Unternehmen in einem der Indizes besser kontrolliert werden und ihre Quartals- und Jahresberichte pünktlich abgeben müssen. Hätte es diese Regeln schon vor zwei Jahren gegeben, wäre Wirecard – Auslöser der großen Reform – nie in den Dax eingezogen.

    Mehr: Fondsmanager Bert Flossbach: „Aktien sind – nach vorn blickend – die mit Abstand wichtigste Anlageklasse“

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - 40 statt 30 Titel: Die Reform des Dax ist gelungen – trotz aller Kritik
    0 Kommentare zu "Kommentar: 40 statt 30 Titel: Die Reform des Dax ist gelungen – trotz aller Kritik"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%