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Kommentar Abkommen zu Bergkarabach zeigt allen Despoten: Ein Krieg kann sich lohnen

Der Kampf um Bergkarabach ist vorerst beendet. Die militärische Grenzverschiebung im Kaukasus ist ein gefährlicher Präzedenzfall.
11.11.2020 - 11:17 Uhr 1 Kommentar
Nach mehr als sechs Wochen schwerer Gefechte in Bergkarabach im Südkaukasus haben sich Armenien und Aserbaidschan auf ein Ende aller Kampfhandlungen verständigt. Quelle: dpa
Jubel in Baku

Nach mehr als sechs Wochen schwerer Gefechte in Bergkarabach im Südkaukasus haben sich Armenien und Aserbaidschan auf ein Ende aller Kampfhandlungen verständigt.

(Foto: dpa)

Grundsätzlich ist der Waffenstillstand in Bergkarabach zu begrüßen – wie jedes Abkommen, das Blutvergießen, Flucht und Zerstörung beendet. Doch das Abkommen, durch das sich Aserbaidschan die Hälfte der abtrünnigen Region Bergkarabach wieder einverleibt, dürfte bei vielen Despoten die Ansicht nähren: Ein Krieg lohnt sich.

Ende September hatte Aserbaidschan seine euphemistisch als „Gegenangriff“ umschriebene Militäroffensive gegen die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region begonnen. In den eineinhalb Monaten wurden Tausende junge Rekruten und ältere Reservisten getötet.

Aufseiten Bakus kamen Tausende aus Syrien über die Türkei eingeschleuste islamistische Kämpfer zum Einsatz. Aus militärischer Sicht noch wichtiger war jedoch der Unterschied in der Bewaffnung. Das deutlich ärmere Armenien hatte den Drohnen, mit denen sich das ölreiche Aserbaidschan bei seinem „großen Bruder“, der Türkei, aber auch in Israel eindeckte, am Ende nichts mehr entgegenzusetzen.

Für Aserbaidschans autoritär regierenden Staatschef Ilham Alijew hat sich das militärische Abenteuer damit gelohnt. Einmal mehr bewahrheitete sich die Weisheit: Es gibt nichts Besseres als einen kurzen, siegreichen Krieg, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Die Unzufriedenheit mit dem Regime war zuletzt deutlich gewachsen, auch weil der sinkende Ölpreis wirtschaftliche und soziale Probleme brachte. Das ist derzeit vergessen, siegestrunken und nationalbesoffen tanzen die Menschen in Baku auf der Straße.

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    Die Türkei festigt ihren Einfluss

    Recep Tayyip Erdogan als Zündler im Konflikt kann ebenfalls zufrieden sein: Die Türkei hat ihren Status als Regionalmacht im Kaukasus durch den Sieg des Bündnispartners gefestigt.

    Ganz anders die Stimmung in Eriwan: Demonstranten stürmten das Parlamentsgebäude, prügelten den Parlamentschef krankenhausreif und raubten die Residenz von Regierungschef Nikol Paschinjan aus. Für Armenien war der Waffenstillstand Rettung und Fiasko zugleich. Ohne die schließlich von Moskau durchgedrückte Einigung drohte Baku mit der Eroberung von ganz Bergkarabach. Doch auch so sind die menschlichen und territorialen Verluste gewaltig, viele Binnenflüchtlinge sind eine wirtschaftliche und soziale Last.

    Armenien, eine der wenigen Demokratien in der Region, droht damit eine enorme Destabilisierung. Der Nationalismus wird weiter erstarken, nicht auszuschließen, dass auf dieser Welle Populisten in Eriwan an die Macht gelangen – natürlich ebenfalls mit dem Versprechen, die Grenzen wieder neu zu ziehen. Eine gefährliche Entwicklung.

    Mehr: Armenien und Aserbaidschan einigen sich auf Waffenruhe im Konflikt um Bergkarabach.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Abkommen zu Bergkarabach zeigt allen Despoten: Ein Krieg kann sich lohnen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die gelegte Saat einer Fortführung des Krieges wird irgendwann wieder aufgehen.Schrecklich. Russland hätte sich eindeutiger, wie unter Katharina, verhalten müssen. Bei dem erzwungenen Waffenstillstand hat ausschließlich Armenien sein Gesicht verloren. Die Freudenfeuer in Baku sind ein Menetekel.

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