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Kommentar Abschied vom Gratis-TV

Das hätte sich Leo Kirch nicht träumen lassen: Nur drei Jahre nach seiner spektakulären Pleite legt seine frühere Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 das beste Ergebnis ihrer Geschichte vor.

Trotz großer Freude steht Pro Sieben Sat 1 ähnlich wie RTL vor einem Riesenproblem: Der Werbemarkt stagniert. Die Boomjahre des frei empfangbaren Fernsehens werden sich nicht wiederholen.

Die Fernsehkonzerne suchen daher fieberhaft nach neuen Einnahmen – abseits herkömmlicher Reklame. Das neue Zauberwort heißt Bezahlfernsehen. So will Pro Sieben Sat 1 demnächst im Kabel einige Bezahlsender gründen. RTL hat Ähnliches vor.

21 Jahre nach Einführung des privaten Fernsehens steht die Branche vor einer Zäsur. Die Zahl der Fernsehkanäle wird sich durch die Digitalisierung explosionsartig vermehren. Kein Zweifel: Mit Unterbrecher-Werbung allein sind die neuen Programme einfach nicht mehr zu finanzieren. Künftig werden Zuschauer für zusätzliche Angebote ähnlich wie in den USA auch zusätzlich zahlen müssen. Allen Akteuren wird klar: Im Zeitalter des digitalen Fernsehens gehören Free- und Pay-TV zusammen wie siamesische Zwillinge.

Ob der Strategiewechsel zum Erfolg führt, ist fraglich. Börsendebütant Premiere will Pro Sieben Sat 1 und RTL bei ihren Plänen fürs Bezahlfernsehen einen Strich durch die Rechnung machen. Präventiv kündigt Premiere-Chef Kofler den Einstieg ins frei empfangbare Fernsehen an. Ausgestattet mit frischem Börsengeld, droht er mit Verdrängungswettbewerb.

Die größten Gegner sind allerdings ARD und ZDF. Dank einer erneuten Erhöhung der Rundfunkgebühren können sie den Privaten das Leben künftig noch schwerer machen – egal ob im Free- oder im Pay-TV. Die Bundesländer stehen in der Pflicht, bei der Reise ins digitale Zeitalter endlich für faire Bedingungen zu sorgen. Mit Nichtstun verzerren Medienpolitiker nur den Wettbewerb. Das hat fatale Folgen für den Markt. Schon Leo Kirch hatte sich einst am öffentlich-rechtlichen Gebührenfernsehen die Zähne ausgebissen. Premiere wurde sein Milliardengrab.

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