Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Absturz trotz Intervention: Die Lira gehorcht nicht der türkischen Geldpolitik

Die türkische Regierung versucht, die heimische Währung zu stützen. Doch sie setzt dafür die falschen Mittel ein – und ignoriert die Umstände, die der Lira wirklich schaden.
03.08.2020 - 10:26 Uhr Kommentieren
Nachdem der Wechselkurs zwei Monate lang stabil bei 6,85 Lira pro Dollar lag, ist er in dieser Woche auf rund sieben Lira pro Dollar gefallen. Quelle: Reuters
Lira

Nachdem der Wechselkurs zwei Monate lang stabil bei 6,85 Lira pro Dollar lag, ist er in dieser Woche auf rund sieben Lira pro Dollar gefallen.

(Foto: Reuters)

Mehr als 60 Milliarden US-Dollar: So viel hat der türkische Staat Analysen zufolge investiert, um die heimische Währung zu stützen. Genützt hat es wenig, denn die Lira fällt trotzdem immer weiter. Nachdem der Wechselkurs zwei Monate lang stabil bei 6,85 Lira pro Dollar lag, ist er in dieser Woche auf rund sieben Lira pro Dollar gefallen.

Der Kursrutsch hat bei Analysten und Unternehmern sofort die Bedenken auf die Agenda gebracht, die Ankara zwei Monate lang künstlich vermieden hatte: Können die Unternehmen ihre Auslandsschulden begleichen? Muss die Türkei den Internationalen Währungsfonds um ein Hilfsprogramm bitten?

Die autoritäre Regierung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan hätte diese unangenehmen Fragen verhindern können, wenn sie einen wichtigen Umstand beachtet hätte: Geld fügt sich nicht. Und eine Währung folgt keinem Diktat der Politik, solange die fundamentalen Voraussetzungen nicht stimmen.

Bezogen auf die türkische Volkswirtschaft ist das vor allem das milliardengroße Defizit in der Außenbilanz, anders ausgedrückt: Die Türkei importiert immer noch viel mehr, als sie exportiert. Die Regierung argumentiert zwar, dass dies vor allem daran liegt, dass die Türkei ohne eigene Ressourcen auf teure Öl- und Gaseinfuhren angewiesen sei. Doch die decken nicht immer das ganze Defizit.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Türkinnen und Türken konsumieren nicht nur mehr, als sie produzieren. Auch der Staat gibt mehr Geld aus, als er einnimmt. Das sogenannte Haushaltsdefizit liegt umgerechnet bei über 3000 Euro pro Bürger. Dafür müssen ständig neue Schulden aufgenommen werden, häufig in fremder Währung. Auch das drückt auf die heimische Währung.

    Doch selbst wenn die Regierung einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren würde, bliebe noch ein Problem: das mangelnde Vertrauen von Investoren. Die Administration um Staatschef Erdogan hat viele Anleger zuletzt vergrault.

    Mit großen Reformen lässt sich das Problem lösen

    Eine offensive Außenpolitik sowie Repressionen im Inland mögen anderen Zielen dienen. Bei denen, die mit Geld handeln, sorgen solche Aktionen eher für Pessimismus. Auch ausländische Unternehmer, die in der Türkei Geschäfte machen, verzichten lieber auf hohe Lira-Bestände in der eigenen Bilanz. Sie parken ihre Barmittel lieber in sicheren Währungen – und werden das weiter tun, solange die Türkei für sie unberechenbar bleibt.

    Bis die Regierung in Ankara diese Probleme glaubhaft angeht, bleibt der Druck auf die Lira bestehen. Die 60 Milliarden Dollar wären in vielen Ministerien besser aufgehoben gewesen, etwa im Bildungsressort, für industrielle Reformprogramme oder zur Verbesserung diplomatischer Beziehungen. Im Finanzministerium ist das Geld binnen zwei Monaten ohne große Wirkung verpufft.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum die türkische Währung unter Druck gerät.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Absturz trotz Intervention: Die Lira gehorcht nicht der türkischen Geldpolitik
    0 Kommentare zu "Kommentar: Absturz trotz Intervention: Die Lira gehorcht nicht der türkischen Geldpolitik"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%