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Kommentar Air Berlin ist ein Lehrstück dafür, dass Pleiten gut und gesund sein können

Das Beispiel der einstigen Billigairline mag drastisch sein. Aber es zeigt, dass Insolvenzen Fehlentwicklungen auf dem Markt beenden.
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Im August 2017 meldete die Airline Insolvenz an. Quelle: dpa
Air-Berlin-Maschine

Im August 2017 meldete die Airline Insolvenz an.

(Foto: dpa)

Insolvenzen sind immer schmerzhaft, für Mitarbeiter wie für Eigentümer. Doch sie gehören zur Marktwirtschaft dazu. Erst recht im Abschwung, wenn sich der Markt bereinigt und überholten Geschäftsmodellen neue folgen.

Die Angeschlagenen scheiden aus, die Gesunden überleben. Das hört sich nach kalter gefühlloser Marktwirtschaft an und nach dem Darwin’schen Gesetz des Stärkeren. Wer sich daran stört, dem sei noch ein Gedanke ans Herz gelegt.

Als Air Berlin im August 2017 Insolvenz anmeldete, war das Unternehmen angesichts jahrelanger tiefroter Zahlen und negativen Eigenkapitals eigentlich schon länger pleite. Schon damals hatten viele Zukäufe und der Preiskampf die Firmenbilanz schwer angegriffen und die Schulden in die Höhe getrieben. Bereits 2008 senkte die inzwischen untergegangene Investmentbank Dresdner Kleinwort den Daumen und urteilte mit dem harten Kursziel: null Euro.

Doch mit Billigangeboten flog Air Berlin weiter – und in fast allen Geschäftsjahren mit drei- oder vierstelligen Millionenverlusten. Über ihren arabischen Investor Etihad verschaffte sich die Airline zuletzt noch Wandelanleihen über mehrere Hundert Millionen Euro.

Der Trick: Die Anleihen sollten ewig laufen, ein Zeitpunkt für den Tausch in Aktien war gar nicht vorgesehen. Mit diesem Kniff ließ sich das Geld dem Eigenkapital zurechnen. Die Pleite war erneut abgewendet.

Bald wurden neue Kredite fällig, weil Air Berlin immer mehr Passagiere für 9,90 Euro von Berlin, Düsseldorf und sogar von Paderborn nach Mallorca flog. Wie kaum ein anderer trieb die Eigentlich-pleite-Gesellschaft die Ticketpreise nach unten – und den CO2-Ausstoß nach oben.

Air Berlin steht bis heute für den Gedanken: Fliegen kostet (fast) nichts. Wettbewerber folgten dem Modell, einschließlich Branchengrößen wie Lufthansa. Alle wollten keine Marktanteile verlieren. Das Beispiel Air Berlin mag drastisch sein. Aber es zeigt, dass Marktbereinigung sinnvoll ist und Insolvenzen Fehlentwicklungen beenden.

Mehr: Ein Jahrzehnt gingen die Pleiten in Deutschland zurück. Damit ist wohl bald Schluss. Eine große Insolvenzwelle droht aber nicht – aus einem Grund.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Air Berlin ist ein Lehrstück dafür, dass Pleiten gut und gesund sein können"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Sommer,

    das mag ja stimmen. Aber denken Sie bitte auch bei Ihrem Kommentar an die privaten Anleger , die Aktien und Anleihen der Air Berlin gekauft haben! Ich finde es überhaupt nicht "witzig", daß ich auf die Rückzahlung der im vergangenen Jahr fälligen Anleihe nun teilweise oder - was zu befürchten ist - ganz verzichten muß.

    Beste Grüße
    Rainer Löffler