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Airbus-Fabrik in Bouguenais

Für Arbeitsplätze und Aufträge stehen die Ampeln auf rot. Nun wird es Zeit für ein neues Geschäftsmodell.

(Foto: REUTERS)

Kommentar Airbus: Nach dem Jobabbau ist vor dem dringend nötigen Neustart

Das Geschäftsmodell des europäischen Flugzeugkonzerns hängt in der Schwebe. Radikale Innovation erscheint nun weniger riskant und mehr Klimaschutz möglich.
01.07.2020 - 16:06 Uhr Kommentieren

Die Brandrodung beim Personal von Airbus ist ein Schock: Airbus wird künftig ein anderes Unternehmen sein. Europas emblematischer Konzern schien vor einer blühenden Zukunft zu stehen, mit prall gefüllten Auftragsbüchern und einem technologischen Vorsprung vor dem größten Konkurrenten Boeing. Doch die Coronakrise hat den Flugverkehr gelähmt und alle vermeintlichen Gewissheiten weggewischt.

Vielleicht ist das Schlimmste am personellen Abbauplan des Unternehmens, dass im Moment niemand weiß, ob er wirklich langfristig ausreicht oder immer noch auf einer zu optimistischen Annahme beruht: nämlich der, dass spätestens 2023 die Nachfrage und damit die Produktion wieder deutlich anziehen werden. Was, wenn diese Annahme sich als Illusion entpuppt?

Die Zahl von 15.000 Stellen, die bei der Herstellung von Zivilflugzeugen entfallen sollen, wirkt gewaltig. Doch im Vergleich zum Einbruch des Flugzeuggeschäfts, den das Unternehmen derzeit – fast beschönigend – auf 40 Prozent beziffert, ist sie noch geradezu moderat. Beschönigend deshalb, weil die Zulieferer von heftigeren Rückgängen um die Hälfte oder mehr ausgehen und sich darauf einstellen.

Derzeit verschieben die Airlines die Abnahme von Fliegern, die sie nicht brauchen. Airbus erwartet, dass die Flugzeuge in ein paar Monaten mit Verzögerung übergeben werden können und die Branche dann wieder nach und nach in ihren gewohnten Rhythmus zurückfindet. Denkbar ist aber auch, dass die Fluggesellschaften ganz verzichten, auch wenn das zusätzliche Verluste verursachen sollte.

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    Der brutal wirkende, aber de facto eher moderate Schnitt bei der Belegschaft ist nur deshalb in dieser Form möglich, weil mehrere Regierungen Airbus mit langfristigen Programmen für die Kurzarbeit und finanziellen Garantien zu Hilfe eilen. Diese zur Abfederung der Krise eingeführten Maßnahmen sind aber kein dauerhafter Beitrag zum Geschäftsmodell.

    Stark vom zivilen Geschäft abhängig

    Für den Weltmarktführer steht und fällt alles mit der Frage, ob mit der Coronakrise das Zeitalter des stetig expandierenden Massentourismus mit Flugzeugen endet oder ob die Pandemie lediglich eine Unterbrechung bedeutet, aber keinen Trendabriss.

    Die Antwort auf die Frage hat niemand. Airbus’ Kunden, die Airlines, wissen selber nicht, ob soeben die Epoche zu Ende gegangen ist, in der sich Millionen von Menschen fast wie Schafe in enge Röhren pferchen ließen, auf Tuchfühlung mit dem Nachbarn, und das auch noch als cooles Lebensgefühl der „Generation Easyjet“ feierten. Letzten Endes hängt das Überleben von Airbus in seiner heutigen Form davon ab, wie unsere Gesellschaften künftig arbeiten und ihre Freizeit verbringen wollen.

    Doch als am Markt operierendes Unternehmen kann sich Airbus keinen philosophischen Überlegungen hingeben, sondern muss sich für eine Grundannahme entscheiden und seine Organisation daran ausrichten. Das haben CEO Guillaume Faury und seine Kolleginnen und Kollegen nun getan, und man kann ihnen nicht vorwerfen, dass sie zu radikal zu Werke gehen wollen.

    Der europäische Hersteller hängt sehr viel stärker als sein amerikanischer Konkurrent Boeing vom zivilen Geschäft ab. Boeing kann sich immer auch auf die militärischen Produkte stützen, die rund 40 Prozent seines Umsatzes ausmachen, bei Airbus steuern sie nur – je nach Jahr – 15 bis 20 Prozent zu den Einnahmen bei.

    Das liegt auch daran, dass die Bundesregierung vor einigen Jahren das Zusammengehen mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems unterbunden hat. Umso weniger Grund hat man nun in Berlin, möglicherweise kleinliche Rechnungen aufzumachen, ob Deutschland beim Arbeitsplatzabbau schlechter abschneidet als der französische Partner.

    Die eigenen Produkte völlig neu denken

    Die existenzielle Ungewissheit, in der Airbus heute schwebt, hat nur ein Gutes: Sie macht deutlich, dass die Entscheidung für ein technologisches „Weiter-so“ mit einem enormen Risiko verbunden ist. Sie kann der Mittelweg zum Tod sein.

    Wer im Trott bleiben will, ist vielleicht der größere Hasardeur als jemand, der auf völlige Innovation setzt. In dieser Situation nimmt hoffentlich bei den Entscheidern in Toulouse der nicht besonders stark ausgeprägte Mut zu, die eigenen Produkte völlig neu zu denken.

    Hart ausgedrückt sind Zivilflugzeuge heute Maschinen dafür, Treibhausgase in zehn Kilometer Höhe zu transportieren. Sie tragen damit in erheblichem Umfang zum Klimawandel bei, auch wenn die Branche die Zahlen immer schönrechnet.

    Wenn aber das simple Abarbeiten des Orderbuchs keine Option mehr ist, wenn alles offen ist, weil die Airlines ihre Aufträge immer weiter hinausschieben, dann verlieren auch früher gewagt wirkende Alternativen ihren Schrecken. Dann kann man auch ähnlich wie die Autoindustrie den Mut aufbringen, sofort für die folgende Generation der Zivilflugzeuge einen technologischen Sprung ins Auge zu fassen und sie klimaneutral zu designen.

    Das wäre sogar ein Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Ziel, der breite Unterstützung verdient.

    Mehr: Airbus streicht 15.000 Stellen - Deutschland am stärksten betroffen

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