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Kommentar Airlines legen eine gefährliche Effizienzsucht an den Tag

Fluggesellschaften versuchen, immer mehr Passagiere in ihre Jets zu pferchen. Doch die Suche nach Marge verschleiert den Blick auf Kundenbedürfnisse.
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Das chaotische Luftfahrtjahr 2018 ist auch deshalb entstanden, weil Airlines immer knapper kalkulieren. Quelle: dpa
Luftfahrt

Das chaotische Luftfahrtjahr 2018 ist auch deshalb entstanden, weil Airlines immer knapper kalkulieren.

(Foto: dpa)

Manager von Fluggesellschaften fabulieren gerne vom „nahtlosen Reisen“, vom komfortablen Flugerlebnis, das schon mit der Buchung des Tickets beginnen soll. Die Realität sieht anders aus. Fliegen ist fast zur Qual geworden – besonders im Chaosjahr 2018, aber auch schon davor. Nun sieht es so aus, als soll das auch so bleiben.

Airlines versuchen, immer mehr Passagiere in ihre Jets zu pferchen. Möglich machen das unter anderem die modernisierten Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge von Boeing und Airbus, die zunehmend zum Einsatz kommen. Sie sind nicht nur etwas größer, auch eine neue Kabinenaufteilung schafft Platz für mehr Sitze.

Die Entwicklung hat gute Gründe: Jeder zusätzlich verkaufte Sitz bringt mehr Marge. Auf die ist gerade die Luftfahrt angewiesen. Denn der Wettbewerb ist beinhart. Die Erlösqualität hängt nach wie vor noch viel zu stark an externen Faktoren wie etwa dem Ölpreis und noch viel zu wenig an der eigenen Ertragskraft.

Doch die Airline-Manager müssen aufpassen. Sie drohen in ihrer Sucht nach Effizienz den Kunden aus den Augen zu verlieren. Wenn etwa der Toilettengang über den Wolken zu einem Thema in den sozialen Medien wird, weil man kaum noch durch die enge Tür passt, ist die Grenze des Zumutbaren überschritten.

Dabei sollte es die Branche mittlerweile besser wissen. Das chaotische Luftfahrtjahr 2018 ist nicht nur, aber eben auch deshalb entstanden, weil die Airlines mit Blick auf ihre Effizienz immer knapper kalkuliert und immer mehr Reserven aus dem System genommen haben. Die daraus folgenden großflächigen Verspätungen und Flugausfälle haben das Image der Luftfahrt massiv beschädigt.

Die Billiganbieter haben das Luftfahrtgeschäft revolutioniert – erst auf der Kurz- und allmählich auch auf der Langstrecke. Sie haben den Fluggästen Ticketpreise verschafft, von denen noch vor 20 Jahren wohl kaum einer zu träumen wagte. Sie haben aber auch dafür gesorgt, dass die Dienstleistung Fliegen immer unattraktiver wird. Alles kostet extra, gleichzeitig wird es immer komplizierter. Daran ändern auch all die schönen Apps auf dem Smartphone nichts.

Die Luftfahrtmanager sollten die deutlichen Warnsignale ernst nehmen. Auch wenn sie ihre Billigtickets bislang gut loswurden, auf Dauer werden die Kunden den immer weiter schrumpfenden Komfort nicht mehr akzeptieren. Die Mitarbeiter der Airlines übrigens auch nicht. Sie haben längst die Nase voll davon, den Frust der Passagiere aufzufangen – häufig für einen geringen Lohn und zuweilen bei fragwürdigen Arbeitsbedingungen. Die beste Effizienz nützt nichts, wenn das Produkt nicht mehr stimmt.

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