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Kommentar Akute Coronahilfe ist wichtig – aber vergesst die Zukunft nicht!

Jetzt Jobs zu retten, die morgen nicht bestehen können, wird den digitalen Wandel der Wirtschaft nicht aufhalten. Die Bundesregierung muss die Chance nutzen, ihn jetzt zu gestalten. 
28.10.2020 - 04:06 Uhr Kommentieren
Viele Mittelständler fühlen sich von der digitalen Transformation überfordert. Dabei liegt darin eine große Chance für die Unternehmen. Quelle: dpa
Ein Bosch-Mitarbeiter mit einem Tablet

Viele Mittelständler fühlen sich von der digitalen Transformation überfordert. Dabei liegt darin eine große Chance für die Unternehmen.

(Foto: dpa)

An düsteren Zukunftsprognosen mangelt es nicht zurzeit. Die Mehrheit der deutschen Volkswirte fürchtet laut einer Umfrage des Münchener Ifo-Instituts, dass die Zahl der Zombiefirmen in Deutschland steigen wird, Unternehmen also, die wegen zu hoher Schulden gen Abgrund taumeln. Die Bundesbank rechnet im ersten Quartal 2021 mit rund 6000 Insolvenzen – das wäre ein Anstieg von 35 Prozent.

Und quer durch alle Branchen müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter auf Massenentlassungen vorbereiten. Abertausende Jobs, ganze Firmen, ja vielleicht sogar ganze Industrien werden verschwinden. Mit milliardenschweren Rettungspaketen versucht die Bundesregierung diesen Niedergang zu bremsen, und die Akteure sind so eifrig dabei, dass sie dabei die Zukunft aus dem Blick verlieren.

Die entsteht nämlich abseits der düsteren Schlagzeilen. Während die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland in den vergangenen Monaten deutlich zurückging, sind laut Zahlen des Informationsdienstes Startupdetector in der Coronakrise mehr neue Tech-Firmen entstanden als 2019. Selbst zwischen Mitte März und Ende Mai, im tiefsten Lockdown also, sind mit 300 neuen Tech-Start-ups gut elf Prozent mehr entstanden als im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor.

Während viele traditionelle Unternehmen um ihre Zukunft bangen, erlebt Deutschland eine kleine Hightech-Gründerwelle: Software, Medizin, E-Commerce und digitale Lösungen für die Industrie sind die Themen der neuen Firmen. 

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    Gründerwelle während der Pandemie

    Nun könnte man meinen, dass in einer Krise viele Menschen allein deshalb gründen, weil ihnen aus Mangel an Jobs keine Alternative zur Gründergarage bleibt. Doch das ist dieses Mal anders. Die jungen Firmen werden oft von Tech-Experten aufgebaut, die gerade überall gesucht werden.

    Denn viele Konzerne müssen nicht nur kurzfristig mit dem ökonomischen Coronaschock umgehen – sie stecken auch mitten in der digitalen Transformation. Deshalb entlassen sie Tausende Mitarbeiter, lassen aber gleichzeitig Headhunter nach Spezialisten suchen, die ihnen die Transformation organisieren können: Fachkräfte, die mit Daten umgehen oder die Geschäftsmodelle rund um Software entwickeln können.

    Natürlich werden einige der neuen Tech-Firmen nicht überleben. Und doch sind an diesen Zahlen erste Konturen der Wirtschaft nach Corona erkennbar: Sie wird digitaler sein und weniger abhängig vom Geschäft mit physischen Gütern.

    Diese Dynamik erfasst die gesamte Wirtschaft: Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Software und Datenbanken sind laut eine Analyse der DZ Bank im Frühjahr dieses Jahres als einzige Komponente des deutschen Bruttoinlandsprodukts neben dem Staatskonsum gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Auch in den nächsten Jahren, so die Analyse, würden die digitalen Investitionen überproportional zulegen – bis sie ungefähr 2035 sogar die Investitionen in Maschinen und Geräte übertreffen.

    Diese Entwicklung wird Gewinner und Verlierer haben – und um beide Gruppen müsste sich die Bundesregierung jetzt kümmern. Eine echte Chance für die deutsche Wirtschaft sind die jungen Technologiefirmen, deren Zeit gerade erst beginnt.

    Doch sie stehen im Wettbewerb mit milliardenschweren Unternehmen aus den USA und aus China. Deshalb brauchen sie viel Kapital, um schnell wachsen zu können. Da ist in den vergangenen Jahren einiges passiert, mittlerweile werden gute Ideen in Deutschland in der Regel ausreichend finanziert.

    Aber Geld allein reicht nicht. Mindestens ebenso wichtig wäre ein echter europäischer Binnenmarkt für digitale Güter, auf dem Digitalunternehmen mit ihren Ideen schnell expandieren können. Immer noch müssen sie bei einer europaweiten Expansion in fast allen Ländern unterschiedliche Regeln beachten. Das kostet Zeit – und ist gegenüber US-Firmen und dem amerikanischen Markt ein echter Nachteil.

    Europa braucht den digitalen Binnenmarkt

    Zu den Gewinnern dieser Entwicklung könnten auch viele Unternehmen des industriellen Mittelstands gehören – wenn es ihnen tatsächlich gelänge, ihr Geschäft um digitale Wertschöpfung zu ergänzen, Teile der Produktion weiter zu automatisieren oder Softwareangebote rund um ihre Produkte zu entwickeln.

    Doch viele Mittelständler fühlen sich von der digitalen Transformation überfordert, wie auch Zahlen der Wirtschaftsuniversität WHU zeigen. Hier könnte eine engere Vernetzung mit jungen Firmen helfen, die Bundesregierung könnte das mit weiteren Förderprogrammen und Austausch-Plattformen unterstützen. Denn auf dieser Schnittstelle von Alt und Neu liegt die größte Chance für die Unternehmen: die Digitalisierung von Industrie- und Geschäftsprozessen.

    Die Entwicklung wird aber auch Verlierer hervorbringen. Denn digitale Geschäftsmodelle tendieren dazu, Wachstum ohne viele neue Jobs zu erzeugen. An diese Erkenntnis schließt sich eine wichtige Frage an, nämlich, was der Staat und die Unternehmen tun können, um eine Balance zu schaffen, dass diejenigen, die zu den Verlierern gehören, das System nicht eines Tages infrage stellen.

    Mitarbeiter zum Beispiel, die ihre Jobs im Zuge der schnelleren Automatisierung in vielen Betrieben verlieren. In Programmen, mit denen Staat und Unternehmen diese Menschen auf die neue Zeit vorbereiten, sie für neue Aufgaben qualifizieren, wären die Rettungsmilliarden der Bundesregierung in vielen Fällen sicher besser angelegt, als in Unternehmen, deren Zeit ohnehin abgelaufen ist.

    Mehr: im Podcast Handelsblatt Disrupt: In der aktuellen Ausgabe erklärt Big-Data-Experte Viktor Mayer-Schönberger, wie Google, Amazon und Facebook systematisch Innovationen behindern

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